Top 20: Bern in internationalem Velo-Ranking vor Zürich
Berns Velo-Offensive wurde erstmals im «Copenhagenize Index» bewertet. Dabei reichte es auf Anhieb für einen Spitzenplatz.

Das Wichtigste in Kürze
- Bern erreicht als Neuling Rang 20 im «Copenhagenize Index».
- Der Index bewertet die Velofreundlichkeit von 100 Städten weltweit.
- Lobend erwähnt wird die «Velo-Station» am Bahnhof – zur Freude von Gemeinderat Aebischer.
Die selbstdeklarierte «Velo-Hauptstadt» macht ihrem Namen alle Ehre: In der neusten Ausgabe des «Copenhagenize Index» erreicht Bern als Neuling gleich auf Anhieb den 20 Rang.
Der Index misst die «Kopenhagisierung» von Grossstädten, in Anlehnung an die dänische Hauptstadt, die in Sachen Velofreundlichkeit als Vorreiterin gilt.

Velofahren sei für die Berner Mobilität zentral, lobt die Index-Jury: Ein Viertel der Bevölkerung pendle so zur Arbeit, der Velo-Anteil am Gesamtverkehr erreiche 19 Prozent.
Aebischer: Grosse Freude – dank Ursula Wyss
Allein eine Klassierung unter den Top 30 gilt schon als Auszeichnung. Dass es nun gar für Rang 20 gereicht hat, kommentiert der städtische Verkehrsdirektor Matthias Aebischer auf Anfrage so: «Dass Bern schweizweit zu den besten gehört, wussten wir. Dass wir nun auch im Weltranking so gut platziert sind, ist eine grosse Freude.»

Er gibt die Lorbeeren aber sogleich weiter: Er verweist auf seine Vor-Vorgängerin Ursula Wyss, die die «Velo-Offensive» bereits vor zehn Jahren lancierte. Und Vorgängerin Marieke Kruit, die sie weiterführte. «Das hat uns einen gewissen Vorsprung gegenüber anderen Städten verschafft», streicht Aebischer heraus.
Die angesprochene Ursula Wyss bestätigt: Man konnte mit dem guten Abschneiden Berns im «Copenhagenize Index» rechnen. Auch, weil man in einer Bewertung ausser Konkurrenz schon 2019 ordentlich punktete und dazulernte: «Ja, das gute Abschneiden von Bern lässt sich als langfristige Strategie verstehen», sagt Wyss auf Anfrage.

«Die ‹Velo-Offensive› hatte Weichenstellungen geliefert, die sich jetzt im Index-Ergebnis widerspiegeln.» Die Anerkennung der Intermodalität sei für das gute Abschneiden wichtig. Auch Aebischer ist aufgefallen, dass Bern bei den Kombinationsmöglichkeiten verschiedener Verkehrsmittel besonders gut abschnitt.
Weltweit top: Die 2600 Velo-Parkplätze am Bahnhof
Damit seien die Abstellanlagen am Bahnhof und das Verleihsystem Publibike angesprochen, so Wyss. Das gebe es «in dieser Angebots-Dichte weltweit kaum anderswo». In der Tat zeigen sich die Juroren von den über 2600 geschützten Velo-Parkplätzen beeindruckt.

27 der Top-30-Velostädte liegen in Europa, ergänzt durch die kanadischen Metropolen Montréal, Québec und Vancouver. Doch Bern schneidet ja auch innerhalb dieser kontinentalen Spitzengruppe gut ab – und liegt gar zwei Ränge vor Zürich.
Das macht Bern besser als Zürich
Gemeinderat Matthias Aebischer bleibt diplomatisch: «Ich würde eher sagen, wir sind fast gleichauf.» Ex-Gemeinderätin Ursula Wyss, die heute als Stadtplanerin arbeitet, kennt die Gründe: Bern schneide dank signifikant höherem Veloverkehrsanteil insbesondere bei «Nutzung & Reichweite» besser ab als Zürich.

Doch Wyss warnt: «Das kann sich allerdings relativ schnell ändern, wenn Zürich die nun geplanten Infrastrukturmassnahmen umsetzt. Wer vorne mit dabei sein will, muss bezüglich Massnahmen am Ball bleiben.»
Sonst könnte es Bern ergehen wie Kopenhagen, das an der Spitze des «eigenen» Index Utrecht (NL) Platz machen muss.
Berns Verkehrsdirektor Aebischer setzt deshalb auf den soeben verabschiedeten Velo-Masterplan: Mit diesem soll der Anteil Velofahrender auf 30 Prozent steigen.
Potenzial scheint in Bern denn auch gemäss dem «Copenhagenize Index» durchaus vorhanden. Die Bundesstadt erreicht wie erwähnt im Bereich «Nutzung & Reichweite», aber auch bei «Politik & Unterstützung» besonders gute Punktzahlen. Der Bereich «Infrastruktur» zieht den Punkte-Schnitt aber von über 60 auf noch 56,4.
Ursula Wyss: Mit Tempo 30 in die Top 10 der Welt
Die Qualität der Infrastruktur sieht denn auch Ursula Wyss als grösste Hürde. «Das ist allerdings eine Schweizerische Eigenheit und nicht auf Bern beschränkt. Viele Velorouten sind immer noch nicht physisch getrennt oder durchgehend sicher gestaltet, insbesondere auf Hauptachsen und an Kreuzungen oder Kreiseln.»
Für Wyss ist klar: Bern kann sich mit den Top-Velostädten aus Skandinavien, Benelux und Frankreich messen – und sie weiss auch wie. «Für einen Sprung in die Top 10 braucht es ein lückenloses, subjektiv wie objektiv sicheres Netz. Das geht entweder durch baulich geschützte Velowege oder mit wenig motorisiertem Verkehr und bei Tempo 30 ohne bauliche Abtrennung.»
Zudem müsse man noch intuitiver werden, betont Gemeinderat Aebischer. «Das heisst, die Velofahrerinnen und der Velofahrer müssen sicher fahren können. Ohne die ganze Zeit überlegen zu müssen, ob sie alles richtig machen.»








