Tamara Hunziker: Die nächste Präsidentin der FDP Basel-Stadt?
Die Strategin hat ihre politische Karriere geschickt vorgespurt. Nun könnte der Plan für sie nach dem Rücktritt von Johannes Barth aufgehen.

Nach fünf Jahren tritt Johannes Barth als Präsident der FDP Basel-Stadt zurück. Für ihn sei der richtige Zeitpunkt gekommen, das Präsidium «in neue Hände zu geben», heisst es in einer Mitteilung der Partei vom Mittwoch. Der neue Präsident oder die neue Präsidentin wird voraussichtlich an der Generalversammlung vom 28. April gewählt.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Luca Urgese ist Barth als Parteichef weniger wegen seiner strategischen oder inhaltlichen Kompetenzen aufgefallen. Vielmehr bleibt der 55-jährige Privatbankier als jovialer Präsident in Erinnerung, stets darauf bedacht, den Zusammenhalt des Basler Freisinns zu betonen.
Abgesehen von einem Sitzgewinn trotz leicht gesunkenen Wähleranteils und seinem persönlichen Erfolg als Kandidat bei den Grossratswahlen im Herbst 2024 gab es unter Barth wenig zu feiern.
Bei den Nationalratswahlen 2023 legten die Freisinnigen zwar leicht zu, doch nicht genug, um den 2015 verlorenen Sitz zurückzuholen. Dass mit dem früheren Sicherheitsdirektor Baschi Dürr ein Polit-Schwergewicht die FDP-Liste anführte, half am Ende auch weniger als erhofft.
Bei der Regierungs-Ersatzwahl für Beat Jans im Frühling 2024 setzte die FDP mit Luca Urgese auf einen kompetenten und erfahrenen Kandidaten. Der Grossrat erzielte denn auch ein beachtliches Resultat, konnte sich aber gegen Mustafa Atici von der SP nicht durchsetzen.
Als es wenige Monate später darum ging, die Gesamtregierung zu erneuern, versuchte es die FDP mit Eva Biland. Doch die Ärztin aus Bettingen blieb chancenlos und zog ihre Kandidatur nach dem ersten Wahlgang zurück.
Findungskommission startet Arbeit
Barths Nachfolgerin oder Nachfolger muss nun die Partei auf die kommenden Wahlen 2027 (national) und 2028 (kantonal) vorbereiten. Die Ziele bleiben vermutlich unverändert: wachsen und zurück in den National- und Regierungsrat.
Die Herausforderungen ebenfalls: Der FDP muss es gelingen, sich zwischen den Zentrumsparteien GLP und Mitte sowie den dezidiert bürgerlichen Kräften LDP und SVP zu positionieren. Dafür braucht es einen pointierten Auftritt und ein klares Profil.
Es ist nun an der parteiinternen Findungskommission, herauszufinden, wer für diese anspruchsvolle Aufgabe infrage kommt. Ein Name steht besonders im Fokus: Tamara Hunziker, aktuelle Co-Vizepräsidentin der Partei.
Sie arbeitet eng mit Barth zusammen und leitete den freisinnigen Grossrats-Wahlkampf. Dabei setzte die 39-Jährige auf Sichtbarkeit – für die Partei, aber auch für sich als Kandidatin. Sie verpasste zwar den Einzug ins Kantonsparlament, ist aber Erstnachrückende im Wahlkreis Grossbasel-West.
Sollten also Luca Urgese oder Christian Moesch in der laufenden Legislatur zurücktreten, was angesichts der Amtszeitbeschränkung durchaus möglich ist, könnte Hunziker nachfolgen.
Als Parteipräsident ist es von Vorteil, wenn man selbst dem Parlament angehört und Sachgeschäfte aktiv mitgestaltet. Ausserdem sind die Wege zwischen der Parteileitung und der Fraktion dadurch kürzer.
Frei für neue Aufgaben
Neben der Aussicht auf das Grossratsmandat gibt es aber noch weitere Faktoren, die Hunziker als potenzielle Barth-Nachfolgerin ins Zentrum rücken. Die Politikerin gibt im April die Leitung der FDP Frauen ab und ist somit frei für neue Aufgaben. Zudem gehört sie seit diesem Jahr der Geschäftsleitung des Gewerbeverbands Basel-Stadt an.
Hunziker hat ihre politische Karriere geschickt vorgespurt. Damit konfrontiert, muss sie lachen. Tatsächlich schliesst sie eine Kandidatur für das Parteipräsidium nicht aus. Sie wolle sich in den kommenden Wochen «intensiv» Gedanken darüber machen und Gespräche führen, sagt sie zu «OnlineReports».
Die Findungskommission unter der Leitung von Clemens Schmid werde nun die Kriterien definieren. Dass dabei ihre neue Funktion beim Gewerbeverband ein Problem sein könnte, etwa aus Image-Gründen oder wegen zu enger Verbandelung, glaubt Hunziker nicht. Vielmehr sieht sie ihren Job als Pluspunkt. Denn eine enge Verbindung von Wirtschaft und Politik sei wichtig.
In der Vergangenheit gab es schon Vorbehalte wegen Hunzikers «verschiedener Hüte». Sie tanze auf zu vielen Hochzeiten, sagte ein Parteimitglied vor den Wahlen 2024. Für den Grossen Rat wäre sie eine Bereicherung, doch für das Parteipräsidium sei es noch zu früh. An der Spitze brauche es eine Person mit Erfahrung, Dossiersicherheit und strategischem Geschick.
Sollte Hunziker nicht kandidieren, stellt sich aber die Frage: wer dann? Es drängen sich kaum andere Freisinnige auf.
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Hinweis: Dieser Artikel wurde zuerst im Basler Newsportal «OnlineReports» publiziert.












