Solothurn: Mehr als 10'000 Personen leben unter der Armutsgrenze
Der Kanton Solothurn hat erstmals ein Armutsmonitoring veröffentlicht. Demnach haben im Jahr 2022 mehr als 10'000 Menschen unter der Armutsgrenze gelebt. Dies entspricht 3,9 Prozent der Bevölkerung. 12,6 Prozent waren armutsgefährdet.

Besonders von Armut betroffen oder gefährdet seien Alleinerziehende und alleinlebende Personen, Haushalte mit minderjährigen Kindern und Personen ohne Berufsabschluss, teilte die Staatskanzlei Solothurn am Montag mit. Zu den Betroffenen gehörten auch Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen sowie die Migrationsbevölkerung aus Drittstaaten, also Personen von ausserhalb der EU und EFTA.
Die armutsbetroffenen Personen leben laut Monitoring vor allem in den Städten Olten, Grenchen und Solothurn. Teilweise wiesen auch kleinere Gemeinden hohe Anteile auf. Armutsbetroffene leben gemäss Kanton in Haushalten mit einem Einkommen unter dem sozialen Existenzminimum.
Die Daten des Armutsmonitorings stammen aus einer Untersuchung der Berner Fachhochschule (BFH) in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich. Sie stützt sich auf bestehende Daten und Befragungen aus dem Jahr 2022.
Verzicht auf Sozialhilfe trotz Anspruchs
Die Ergebnisse zeigen laut Kanton zudem, dass Sozialleistungen wesentlich zur Reduktion von Armut beitragen. Laut Schätzung würden 31 bis 46 Prozent der Personen im erwerbsfähigen Alter keine Sozialhilfe beziehen, obwohl sie Anspruch darauf hätten.
Der Regierungsrat habe weitere Abklärungen in Auftrag gegeben und wolle Massnahmen gegen die Armut prüfen, teilte die Staatskanzlei Solothurn am Montag mit.
Der Regierungsrat anerkennt nach eigenen Angaben die Ergebnisse als «wichtige Grundlage für die Ausarbeitung einer kantonalen Armutspolitik». Er gab dem Amt für Gesellschaft und Soziales den Auftrag, die Schwerpunkte Familienarmut, Nichtbezug von Sozialhilfe und Wohnen vertieft zu prüfen. Kanton und Gemeinden sollen dabei eng zusammenarbeiten.






