Stadt Zürich

    Unpolitische Krawalltouristen randalierten in Zürich mit

    Riccardo Schmidlin
    Riccardo Schmidlin

    Zürich,

    Zürich erlebte am Samstag eine Gewaltorgie. «Diese Leute glauben, damit wirklich etwas Wirksames und Sinnvolles zu machen», meint ein Experte. Aber nicht nur.

    Zürich
    Container brennen auf der Strasse beim Helvetiaplatz anlässlich der Halloween-Krawalle in Zürich. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Mehrere Hundert Vermummte sorgten an einer unbewilligten Halloween-Kundgebung in Zürich für schwere Ausschreitungen und Sachbeschädigungen.
    • Die Polizei setzte Wasserwerfer, Reizgas und Gummischrot ein. Zwei Männer wurden festgenommen, zudem stellten die Einsatzkräfte Waffen sicher.
    • Politikerinnen und Politiker von Links bis Rechts verurteilten die Gewalt. Experte Marko Kovic vermutet eine Mischung aus linksextremen Gruppierungen und unpolitischen Krawalltouristen.

    Seit Wochen legen Krawallbrüder französische Innenstädte bei angeblichen Schülerprotesten in Schutt und Asche.

    Die Bilder von brennenden Containern, geplünderten Geschäften und einem abgefackelten Rathaus gehen seither um die Welt. Und sie finden in ganz Europa Nachahmer.

    Seit dem Wochenende auch in der Schweiz: Am späten Samstagabend versammelten sich mehrere Hundert vermummte Personen zu einer unbewilligten Halloween-Kundgebung in Zürich.

    Die Lage eskalierte rasch. Randalierer errichteten Strassenbarrikaden, setzten ein Auto in Brand und beschädigten mehrere Objekte.

    Schlag-Handschuhe sichergestellt

    Die Einsatzkräfte gerieten ebenfalls ins Visier. Die Vermummten bewarfen Polizisten mit Pyrotechnik, Flaschen und Steinen.

    Besonders schockierend: Selbst als Polizisten einem verletzten Teenager helfen wollten, griffen Randalierer die Beamten an. Zudem versuchten Beteiligte, eine Coop-Filiale an der Langstrasse zu plündern.

    Die Polizei ging mit Wasserwerfern, Reizgas und Gummischrot gegen die Chaoten vor. Auch in Basel und Bern kam es am Samstagabend zu Ausschreitungen.

    18 Wegweisungen wurden ausgesprochen. Zwei Männer im Alter von 19 und 21 Jahren gingen der Polizei ins Netz. Die beiden sammelten auf einer Baustelle Wurfgegenstände – offenbar, um diese gegen die Einsatzkräfte einzusetzen.

    Bei den Kontrollen stellten die Beamten zudem Waffen sicher. Darunter befanden sich Quarzsandhandschuhe. Diese gelten als Waffen, weil sie die Wucht von Schlägen deutlich verstärken.

    Linksextreme haben Groll auf Polizei

    Sozialwissenschaftler Marko Kovic ordnet die Halloween-Krawalle für Nau.ch ein. «Diese Leute glauben, damit wirklich etwas Wirksames und Sinnvolles zu machen.»

    Er verweist auf einen Aufruf vor den Ausschreitungen. Darin hiess es: «Ein kleines bisschen Gerechtigkeit blitzt auf in jeder zerbrochenen Scheibe der sonst für uns unbezahlbaren Innenstädte.»

    Marko Kovic SRF
    Sozialwissenschaftler Marko Kovic meint, die Proteste haben die üblichen Verdächtigen angezogen. - zvg

    Kovic stellt klar: «Das ist natürlich Unsinn, aber als Ritual für die Angehörigen dieser Gemeinschaft sinnstiftend.»

    Er vermutet, dass die Teilnehmenden mehrheitlich aus der linksradikalen bis linksextremen Szene stammen. «Groll gegen die Polizei ist ein zentraler Bestandteil des Deutungsmusters linksradikaler Gruppen», weiss der Experte.

    Und zwar aus zwei Gründen. «Einerseits unmittelbar, weil die Polizei diese Gruppen daran hindert, bei Krawallen noch mehr Sachbeschädigung zu begehen. Andererseits wird die Polizei als Gewaltapparat betrachtet, der die Interessen des Grosskapitals schützt und zur Unterdrückung der Arbeiterschaft beiträgt.»

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    Kovic glaubt zudem, dass sich auch «Krawalltouristen» dazugestellt haben, «die nicht ideologisch motiviert sind und die Freude am Chaos haben.»

    Ein Indiz dafür sei der Plünderungs-Versuch einer Coop-Filiale. «Plünderungen waren bisher nicht Teil des linksradikalen Repertoires.»

    Gaffer behinderten die Polizei-Arbeit

    Die Stadtpolizei spricht auf Nau.ch-Anfrage ebenfalls von einer «Durchmischung verschiedener Gruppierungen».

    «Einerseits sicherlich Personen aus dem linksextremen Spektrum und andererseits sogenannte ‹Krawallmacher›», sagt Polizeisprecherin Judith Hödl. «Was unseren Einsatz zusätzlich erschwerte, waren die vielen Gafferinnen und Gaffer.»

    Zürich
    Mit solchen Videos rief die Antifa zu den Protesten auf. - Antifa

    Zum Geschlechterverhältnis macht sie keine Angaben. Marko Kovic geht davon aus, dass es sich in der grossen Mehrheit um jüngere Männer handelte. Einige von ihnen dürften aber auch Frauen gewesen sein.

    Dass auch Frauen Freude an der Zerstörungswut finden, zeigte die eskalierte Pro-Palästina-Demonstration im Oktober 2025 in Bern. Rund 50 Prozent der festgenommenen Personen waren damals Frauen.

    Links und rechts verurteilt Gewalt bei «Halloween-Demo» in Zürich

    Zurück zu den Halloween-Krawallen in Zürich. Parteien von links bis rechts verurteilten die Gewalt.

    Die SP stellte sich entschieden gegen die Ausschreitungen. Parteipräsident Oliver Heimgartner erklärte, bei den Vorfällen sei es den Beteiligten offenbar einzig um Zerstörung und Eskalation gegangen.

    Auch die Zürcher Grünen kritisierten die Gewalt. Eine kleine Gruppe dürfe die europäischen Jugendproteste nicht für Ausschreitungen instrumentalisieren. Schliesslich würden diese Proteste auch berechtigte Anliegen aufgreifen.

    Die Jungfreisinnigen und die Junge SVP Zürich nahmen die linken Parteien in die Pflicht. Sie verlangten eine klare Abgrenzung von den Krawallen und richteten zugleich Forderungen an den Stadtrat. Dieser solle zusätzliche Polizeistellen bewilligen.

    Braucht es in Zürich mehr Polizei?

    Die Juso Stadt Zürich wollte sich auf Anfrage von Keystone-SDA nicht vorschnell zu den Ereignissen äussern. Juso-Co-Präsidentin Alexandra Zeidler betonte, die Jungpartei sei unbeteiligt gewesen und kenne die genauen Hintergründe der Ausschreitungen nicht.

    Auch der Zürcher Stadtrat verurteilte die Krawalle. Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart betonte, dass sie sich bereits seit Jahren für mehr Personal bei der Stadtpolizei einsetze. Im Budget 2027 habe sie erneut 17 zusätzliche Stellen im Frontdienst beantragt.

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    Kommentare

    User #2900 (nicht angemeldet)

    Der Staat kennt diese vermummte seit Jahren, unternehmen aber nichts. Die einen kennt man als Hooligans aus den Fussballstadion, die anderen kennt man aus der Organisation der Antifa. Wieviele Hinweise braucht ihr noch? Mal die Südkurve umzingeln und alle Daten aufnehmen.

    User #4314 (nicht angemeldet)

    kein ICE Team in der Schweiz??? scheeen wärs 😊👉🏻👌🏼

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