Kleine Kinder beschädigen Dinos – Museum handelt
Fast 90 Schäden hat das Sauriermuseum Bellach SO 2026 bereits repariert. Nun müssen die Ausstellungsstücke besser geschützt werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Das Sauriermuseum Bellach SO beklagt sich über Schäden durch unbeaufsichtigte Kleinkinder.
- Allein 2026 musste das Museum bereits knapp 90 Schäden reparieren. Die jährlichen Kosten betragen rund 5000 Franken.
- Nun sollen die Ausstellungsstücke besser geschützt werden. Auch das Sauriermuseum Aathal ZH kennt das Problem.
Dinosaurier faszinieren Kinder. Doch im Sauriermuseum Bellach SO geht die Begeisterung manchmal zu weit. Immer wieder werden Ausstellungsstücke wie Skelette und Fossilien beschädigt. Nun zieht das Museum Konsequenzen.
Sie müssen künftig «mehr Absperrungen anbringen und einzelne Ausstellungsstücke hinter Glas schützen», so die Betreiber.
Der Grund sind vor allem die kleinsten Besucher. «Leider entstehen rund 80 Prozent der Schäden durch Kleinkinder, die nicht ausreichend beaufsichtigt werden.»
Fast 90 Schäden seit Jahresbeginn
Wie Museumsgründer Stefan Frieden gegenüber Nau.ch erklärt, kommt es fast bei jeder Öffnung zu kleineren Schäden. «Die meisten lassen sich schnell und unkompliziert beheben.»
Anders sehe es aus, wenn ganze Beschriftungen oder kleinere Exponate demoliert würden. Dann seien mehrere Stunden Arbeit nötig. Allein 2026 habe das ehrenamtlich geführte Museum bereits knapp 90 Schäden repariert.
Besonders gefährlich wurde es einmal, als ein Kind an einer hohen, freistehenden Vitrine hochklettern wollte. Dabei wäre diese beinahe umgekippt.
Als Konsequenz entfernte das Museum sämtliche hohen, freistehenden Vitrinen. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand.
5000 Franken Reparaturkosten pro Jahr
Die Schäden gehen ins Geld. Jährlich fallen laut Frieden Reparaturkosten von rund 5000 Franken an. Der Zeitaufwand ist dabei noch nicht eingerechnet.
«Für 5000 Franken könnte man auch ganz schöne neue Exponate kaufen», sagt der Museumsgründer.
Besonders ärgerlich: Viele Schäden werden gar nicht erst gemeldet.«Besonders traurig macht uns, dass solche Vorfälle teilweise von Eltern beobachtet werden, ohne dass sie uns anschliessend kurz darüber informieren.»

Frieden kontrolliert deshalb bei Vorfällen die Aufnahmen der Überwachungskameras. Dabei zeige sich häufig, dass Kinder alleine durch die Ausstellung unterwegs waren.
Dabei hatten die Eltern bisher nichts zu befürchten. Schadenersatz hat das Museum bisher nie verlangt. Sämtliche Kosten trägt es selbst. Auch kleinere Missgeschicke, die gemeldet werden, stellt Frieden den Besuchern nicht in Rechnung.
Auch in Aathal werden Dinos beschädigt
Das Problem kennt man auch im Sauriermuseum Aathal ZH. Museumsleiterin Esther Wolfensberger sagt gegenüber Nau.ch, kleinere Schäden seien im Museumsalltag nichts Ungewöhnliches.
Besonders betroffen seien Kulissen und Modelle. Kinder würden darauf herumklettern, daran reissen oder Bereiche betreten, die nicht dafür vorgesehen seien.

Auch Originalfossilien seien schon leicht beschädigt worden. Das Museum verfüge allerdings über ein eigenes Labor mit Fachleuten, die solche Schäden reparieren könnten.
Wie wertvoll selbst Nachbildungen sein können, zeigt ein Beispiel: Eine hochwertige Kopie eines T-Rex-Schädels könne schnell 10'000 Franken kosten, erklärt Wolfensberger.
«Die Erwachsenen sind oft auch kein Vorbild»
Die Museumsleiterin beobachtet seit rund 15 Jahren einen zunehmenden Mangel an Respekt gegenüber Ausstellungsstücken.
«Die Erwachsenen sind oft auch kein Vorbild», kritisiert sie. Eltern würden ihre Kinder teilweise einfach machen lassen.
Dabei sei die Grundregel eigentlich klar: «Es ist ein Museum und nicht ein Spielpark.»
Auch in Aathal würden Schäden nur selten gemeldet. Dabei wäre genau das wichtig. «Wir bedanken uns natürlich zuerst, dass sie es gemeldet haben», sagt Wolfensberger.
Wer zahlt, wenn ein Kind einen Dino beschädigt?
Bei kleineren Missgeschicken drückt das Sauriermuseum Aathal ein Auge zu. Bei grösseren Schäden könne hingegen die Haftpflichtversicherung ins Spiel kommen, sagt Wolfensberger.
Doch wer tatsächlich für den Schaden aufkommen muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend sei, ob das Kind die Tragweite seines Handelns einschätzen könne, erklärt AXA-Mediensprecherin Simona Meili gegenüber Nau.ch.
Bei jüngeren, nicht urteilsfähigen Kindern komme es darauf an, ob die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt hätten.
Minderjährige seien normalerweise über die Privathaftpflichtversicherung ihrer Eltern mitversichert. Ob die Versicherung tatsächlich bezahlt, müsse aber im Einzelfall geprüft werden.
Bei wertvollen Originalfossilien würden Experten beigezogen, um die Höhe des Schadens zu ermitteln.
Die AXA rät Eltern, einen Schaden sofort zu fotografieren und ihrer Haftpflichtversicherung zu melden. Diese prüfe die Forderung und wehre auch unberechtigte Ansprüche ab.
Museum will Familien nicht abschrecken
Damit es gar nicht erst zu solchen Schäden kommt, will das Sauriermuseum Bellach künftig stärker vorbeugen. Vor allem neue Ausstellungen sollen besser geschützt werden.
Bei bestehenden Exponaten sind kleinere Schutzmassnahmen, zusätzliche Hinweisschilder und häufigere Kontrollgänge vorgesehen.

Frieden betont, dass die Kritik keinesfalls gegen Familien gerichtet sei. Das Museum sei auf seine Besucher angewiesen und freue sich über die steigenden Besucherzahlen.
«Der Grossteil der Besucher geht sehr sorgfältig mit der Ausstellung um und schätzt unsere Arbeit», sagt der Gründer.










