Sitzen in Graubünden bald erstmals zwei Frauen in der Regierung?
Noch nie haben sich so viele Frauen um einen Sitz in der Bündner Regierung beworben. Drei der vier Kandidatinnen versuchen zum ersten Mal, in die kantonale Exekutive einzuziehen. Trotz unterschiedlicher Herkunft und Parteizugehörigkeit haben alle eines gemeinsam: die Erfahrung in einer Gemeindeexekutive.

Die aktuelle Mitte-Regierungsrätin Carmelia Maissen war vier Jahre lang Gemeindepräsidentin von Ilanz. Ihre Parteikollegin Aita Zanetti steht derzeit an der Spitze einer Exekutive: jener von Scuol. Ebenfalls im Engadin leitet Nora Saratz Cazin, die Kandidatin der Grünliberalen, seit 2021 die Geschicke der Gemeinde Pontresina. Valérie Favre Accola, Kandidatin der SVP, ist seit Januar 2025 Vize-Gemeindepräsidentin von Davos.
Gemäss den Daten des kantonalen Amtes für Gemeinden werden 16 von 100 Gemeinden von Frauen präsidiert. In den Gemeinderäten beträgt der Frauenanteil 23,2 Prozent. Bei beiden Werten ist eine steigende Tendenz erkennbar. Eine Entwicklung, welche die Co-Leiterin des Projekts «Promo Femina» der Fachhochschule Graubünden, Ruth Nieffer, freut.
Das Projekt zielt darauf ab, Frauen den Zugang zu politischen Ämtern auf kommunaler Ebene zu erleichtern. «Unser Ziel ist es, Sichtbarkeit zu schaffen: Einerseits veröffentlichen wir Daten zur Frauenvertretung in den Gemeinden, andererseits versuchen wir, Erfolgsgeschichten zu zeigen», erklärt Nieffer gegenüber Keystone-SDA.
Zurück zu den Regierungsratswahlen. Kann die Erfahrung in einem Gemeindevorstand als Sprungbrett für höhere Ämter dienen? «Schaut man auf den Werdegang der Kandidatinnen, kann man diesen Schluss ziehen. Statistische Belege dazu habe ich nicht», so die Expertin. Am Beispiel der Kandidatinnen lasse sich beobachten, dass gemeindepolitisches Engagement Entwicklungsmöglichkeiten hin zu mehr Verantwortungsübernahme biete. Mögliche Wirkung: Frauen in der Regierung könnten wiederum Frauen dazu inspirieren, sich ebenfalls zu engagieren.
Dass neben fünf Männern erstmals vier Frauen zur Wahl antreten, zeige, dass die Parteien in den letzten Jahren ihre Arbeit getan und kompetente Kandidatinnen aufgestellt hätten, so die Expertin der FHGR. Der Zufall will es, dass die Wahlen in diesem Jahr am 14. Juni stattfinden, also am Tag des nationalen Frauenstreiks. Doch unabhängig von diesem zufälligen Umstand scheinen die Chancen intakt zu sein, dass ab dem 1. Januar 2027 zum ersten Mal zwei Frauen in der Bündner Regierung sitzen.
Bisher wurden neben der amtierenden Regierungsrätin Maissen erst zwei andere Frauen in die Bündner Regierung gewählt. Am 15. März 1998 schaffte Eveline Widmer-Schlumpf als erste Frau den Sprung in die Regierung. Sie blieb bis zu ihrer Wahl als Bundesrätin im Amt. An ihre Stelle trat 2008 die damalige Präsidentin der Bündner SVP, Barbara Janom Steiner. Die Anwältin mit Engadiner Wurzeln wechselte später zur BDP (heute Mitte).










