Regierungsrat: Kein Einsatz für inhaftierten Lehrer und YB-Fan
Abschlägiger Bescheid auf die Petition zugunsten des in England verhafteten Lehrers. Die Gemeinde Fraubrunnen will zuerst das Gespräch suchen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Lehrer aus Fraubrunnen sitzt seit dem Match Aston Villa gegen YB in England in Haft.
- Der Regierungsrat will auf eine Petition zu seinen Gunsten nicht eingehen.
- Die Gemeinde will zuerst mit ihm reden und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.
«Wir wissen, dass die Person weiterhin in England inhaftiert ist», sagt der Fraubrunner Gemeinderat Simon Glauser (SVP) zum BärnerBär. Glauser ist seit Anfang Jahr zuständig für das Ressort Bildung. Und damit unversehens auch für den in England zu zwei Monaten Haft verurteilten YB-Fan. Denn dieser ist Lehrer in Fraubrunnen.
Bei den Ausschreitungen während des Europa-League-Spiels der Young Boys gegen Aston Villa in Birmingham war der Mann festgenommen worden. Er ist geständig, einen Polizisten angegriffen zu haben, und sitzt seither eine zweimonatige Haftstrafe ab. Diese sollte eigentlich in diesen Tagen enden.

In der Folge wurde aber eine Petition zugunsten des Lehrers lanciert. Bereits am Montag nach dem Spiel hätten sich Schülerinnen und Schüler seiner Klasse geschlossen für eine Rückkehr ihres Lehrers ausgesprochen. «Auch wir Eltern stehen klar hinter diesem Anliegen», heisst es in der Petition an den Regierungsrat. Sie wurde von über 1300 Personen unterzeichnet.
Regierungsrat winkt ab
Nun hat der Regierungsrat dazu Stellung genommen. Einig sind sich alle Seiten in einem Punkt: «Gewalt ist niemals ein akzeptables Mittel zur Lösung von Konflikten», heisst es in der Petition. Insbesondere von Lehrpersonen werde zu Recht ein verantwortungsbewusstes Verhalten erwartet, pflichtet auch der Regierungsrat bei.
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Aber, heisst es in der Petition weiter: «Wir können und wollen nicht akzeptieren, dass ein einzelner, schwerer, zweifellos falscher Vorfall das Lebenswerk eines Menschen zerstört». Mit «Hingabe, Fachkompetenz und Empathie» habe der Lehrer die Entwicklung der Kinder «auf herausragende Weise» unterstützt. Deshalb solle sich der Regierungsrat für eine rasche Rückkehr und schnellstmögliche Wiederaufnahme der Lehrertätigkeit einsetzen.
Dem mag – oder kann – der Regierungsrat aber nicht entsprechen. Einerseits gehe es um ein laufendes Verfahren. Andererseits sei er nicht zuständig, heisst es in der schriftlichen Antwort: «Die Zuständigkeiten liegen bei der strafrechtlichen Behörde und der Gemeinde Fraubrunnen als Anstellungsbehörde.»
Gemeinde will zuerst das Gespräch suchen
Die Petition richtet sich denn auch nicht nur an den Regierungsrat, sondern auch an die Gemeinde Fraubrunnen. Doch diese wolle noch zuwarten, erklärt Gemeinderat Glauser, denn man habe kaum Kontakt gehabt mit der Lehrperson: «Wir warten mit Entscheiden, bis wir das persönliche Gespräch mit der Person geführt haben.»
Dieses würden denn auch ausschlaggebend sein, so Glauser weiter: «Und auch seine persönliche Haltung.» Es sei ihnen daran gelegen, eine für die Schulgemeinde, die Behörden, aber auch Eltern und Schüler stimmige Lösung zu finden.
Zweite Chance verdient?
«Klar ist aber auch: Egal wie der Entscheid ausfällt, er wird nicht allen gefallen.» Die grosse Zahl von Unterschriften deutet zwar darauf hin, dass ein beträchtlicher Teil der Gemeinde hinter der Petition steht. Jedenfalls mehr als nur gerade zwei Dutzend Schulkinder und deren Eltern.

Man habe dies als Willensäusserung einer doch recht grossen Anzahl von Leuten zur Kenntnis genommen, bestätigt Gemeinderat Glauser. «Meine Einschätzung ist, dass auch viele Personen von ausserhalb der Gemeinde unterschrieben haben. Aber es ist eine Bekundung, dass man auch nach so einem Fehler, wenn man so einen ‹Chabis› gemacht hat, eine zweite Chance verdient.»
Aber eben, das alles steht und fällt mit der Rückkehr des Lehrers aus England, die derzeit noch aussteht. Man sei aber natürlich auch froh, wenn die Angelegenheit möglichst bald einmal geklärt sei, betont Glauser. Aktuell habe man in der Schule eine gute Lösung mit einer Stellvertretung. «Falls diese Situation länger andauern sollte, müssten wir neu schauen, wie wir reagieren.»












