Nadja Günthör (SVP): «Lehrplan 21: Mut zur Kurskorrektur!»
SVP-Grossrätin Nadja Günthor sieht das Bildungssystem unter Druck. Die Volksschule brauche weniger Ideologie und mehr Bildung. Ein Gastbeitrag.

Zwischen Schönreden und Schwarzmalen gibt es einen dritten Weg: hinschauen – benennen – handeln. Dafür engagiere ich mich als Bildungsverantwortliche.
Unser Bildungssystem ist das Fundament unserer Zukunft. Doch Lehrpersonen stossen zunehmend an Grenzen, und die Grundkompetenzen unserer Kinder geben Anlass zur Sorge. Wir müssen Fehlentwicklungen ehrlich benennen und bereit sein, Konsequenzen zu ziehen. Die Volksschule hat einen klaren Auftrag: Kinder sollen lesen, schreiben, rechnen, die Sprache beherrschen und selbstständig denken lernen.
Dafür braucht es verbindliche Anforderungen, klare Strukturen und Lehrpersonen die unterrichten können, statt sich in Konzepten und Bürokratie zu verlieren. Weniger Überladung, mehr solide Grundlagen darauf kommt es an.
Die integrative Schule ist in ihrer heutigen Form gescheitert. Sie beruht auf der ideologischen Vorstellung einer Pseudochancengleichheit, die in der Praxis allen schadet: den Kindern mit besonderem Förderbedarf, ihren Mitschülern und den Lehrpersonen. Gleichbehandlung schafft nicht automatisch Chancengleichheit.

Statt an dieser Vorstellung festzuhalten, braucht es wieder mehr Förderklassen, in denen Kinder gezielt unterstützt werden und entsprechend ihren Bedürfnissen lernen können. Entscheidend ist nicht ideologische Gleichmacherei, sondern die bestmögliche Förderung jedes einzelnen Kindes.
Auch die Lehrerbildung und die zunehmende Bürokratie gehören auf den Prüfstand. Unsere Schulen brauchen fachlich starke Lehrpersonen und Schulleitungen, die führen statt verwalten. Gleichzeitig müssen Eltern ihre Verantwortung wahrnehmen.
Bildung und Erziehung gelingen nur, wenn Schule und Elternhaus zusammenarbeiten und Kindern Respekt, Unterstützung und klare Regeln vermitteln. Schule ist kein abgeschlossener Raum. Gesellschaftliche Spannungen und Extremismus machen auch vor unseren Klassenzimmern nicht halt.
Die Entwicklungen in Europa müssen uns eine Warnung sein. Wenn Mobilisierungen im Zusammenhang mit Afghanistan und Palästina Hass, Einschüchterung oder extremistische Tendenzen fördern, müssen wir klar Stellung beziehen.
Das gilt ebenso für Links- und Rechtsextremismus. Unsere Schulen müssen Wissen vermitteln, aber auch Respekt, demokratische Grundwerte und einen verantwortungsvollen Umgang miteinander stärken. Wer unsere Volksschule zukunftsfähig machen will, darf diese gesellschaftlichen Entwicklungen nicht ausblenden.
In der kommenden Wintersession debattiert der Grosse Rat meinen Vorstoss zur Überprüfung und Überarbeitung des Lehrplans 21. Lesen, Schreiben, Geschichte und Rechnen müssen im Zentrum stehen. Überladene Lernziele und praxisferne Anforderungen gehören überprüft.
Ich verlange eine ehrliche Bilanz: Was bewährt sich, was überfordert und wo braucht es Korrekturen? Ziel ist ein praxistauglicher Lehrplan, der Lehrpersonen Orientierung gibt und Kindern eine solide Grundlage vermittelt.
Jedes Kind hat nur eine Schulzeit. Wir dürfen sie nicht mit Konzepten vergeuden, die sich nicht bewähren. Es braucht eine klare Kurskorrektur: zurück zu den Grundkompetenzen, zu Wissen, Leistung und Verantwortung.
Unsere Volksschule braucht weniger Ideologie und mehr Bildung – jetzt, konsequent und ohne Ausreden.
Zur Autorin
Nadja Günthör (*1965) ist Grossrätin und Partei-Vizepräsidentin der SVP Kanton Bern.







