Günthör (SVP): «Bildung braucht Leistung – nicht Gleichmacherei»
Im Gastbeitrag erklärt SVP-Grossrätin Nadja Günthör, warum Qualität nicht per Verfassung verordnet werden kann und sie die Bildungs-Initiative ablehnt.

Die Initiantinnen und Initianten haben die Berner Bildungsinitiative lanciert, über die am 27. November abgestimmt wird. Sie wollen unter anderem «Qualität» in der Bildung in der Kantonsverfassung festhalten.
Doch was ist «Qualität»? Ein dehnbarer Begriff, den jeder anders definieren kann. Ein solch schwammiger Verfassungseintrag bringt keine bessere Bildung – er schafft vor allem neue politische Vorgaben, ohne klar zu sagen, was konkret zu tun ist.
Ich sage deshalb klar Nein. Gute Bildung entsteht nicht dadurch, dass wir Forderungen in die Kantonsverfassung schreiben oder Leistungsansprüche aufweichen. Schon gar nicht dadurch, dass am Ende möglichst alle dasselbe erreichen sollen.
Chancengleichheit bedeutet nicht Ergebnisgleichheit. Kinder und Jugendliche sind unterschiedlich – in ihren Fähigkeiten, Interessen, ihrem Lerntempo und ihrer Leistungsbereitschaft. Eine gute Schule muss diese Unterschiede anerkennen und jeden Einzelnen fördern und fordern.

Entscheidend ist die Lehrperson. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer können Schülerinnen und Schüler begeistern, individuell fördern, ihnen etwas zutrauen und klare Anforderungen stellen. Solche Lehrpersonen sorgen dafür, dass Kinder und Jugendliche gerne zur Schule gehen.
Das gilt genauso für die Berufsfachschulen. Auch dort macht es einen grossen Unterschied, ob eine Lehrperson ihren Unterricht lebendig, praxisnah und persönlich gestaltet und die Lernenden für ihren Beruf motiviert.
Deshalb müssen wir Bildungsfragen flexibel gestalten können. Was heute sinnvoll ist, kann morgen überholt sein. Dafür sind Gesetze und Verordnungen da. Die Kantonsverfassung sollte den grundlegenden Rahmen setzen und nicht mit schwammigen Forderungen überladen werden.
Ich will flexibel bleiben und auf neue Entwicklungen reagieren können. Einen starren Verfassungseintrag, der nicht klar definiert, was konkret zu tun ist, halte ich für den falschen Weg. In der Bildung müssen wir unsere Instrumente weiterentwickeln und wenn nötig korrigieren können.
Es ist an der Zeit, den Lehrplan 21 zu überdenken und dort auszumisten, wo Inhalte und Anforderungen nicht mehr zielführend sind. Weniger Bürokratie, mehr Zeit für gute Lehrpersonen, guten Unterricht, solides Wissen, praktische Fähigkeiten und Freude am Lernen.
Wir sollten unseren Kindern und Jugendlichen wieder mehr zutrauen. Fördern heisst nicht, Anforderungen abzubauen. Chancengerechtigkeit heisst nicht, Unterschiede einzuebnen.
Fördern und fordern statt nivellieren. Leistung anerkennen statt Gleichmacherei. Das ist der Weg zu einer starken Schule – von der Volksschule bis zur Berufsbildung.
Aus diesen Gründen empfehle ich, am 27. November 2026 ein klares Nein zur Berner Bildungsinitiative in die Urne zu legen.
Zur Autorin
Nadja Günthör (*1965) ist Grossrätin und Partei-Vizepräsidentin der SVP Kanton Bern.








