Mit Jelena Filipovic wird eine linke Migrantin «höchste Bernerin»

Keystone-SDA Regional
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Bern,

Sie ist 33 Jahre alt und kämpft mit Leidenschaft für Klimagerechtigkeit und Inklusion, gegen Patriarchat und Kapitalismus. Doch nun muss sich Jelena Filipovic (Grünes Bündnis) ein Jahr lang zurückhalten: Am Donnerstag wird sie zur «höchsten Bernerin» gewählt.

Will die Diskussionskultur fördern: Die designierte Berner Stadtratrspräsidentin Jelena Filipovic. (Archivbild)
Will die Diskussionskultur fördern: Die designierte Berner Stadtratrspräsidentin Jelena Filipovic. (Archivbild) - KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Das repräsentative Amt als Stadtratspräsidentin bedeutet ihr viel, wie sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA betont. «Andere linke Migrantinnen sollen sehen: Auch wir können dieses Amt ausüben.» Das Stadtratspräsidium sei nicht nur etwas für alte Männer.

Jelena Filipovic wurde in einer südserbischen Kleinstadt geboren. In die Schweiz kam sie einen Tag vor ihrer Einschulung und musste erst einmal die Sprache lernen. Als sie sich für Politik zu interessieren begann, bekam sie zu hören: «Du kannst gar nicht mitreden, du hast ja nicht einmal einen Schweizer Pass.» Das stachelte sie an.

Als erste ihrer Familie liess sie sich mit knapp 20 Jahren einbürgern. Filipovic studierte Politikwissenschaften, spezialisierte sich auf umweltpolitische Fragen und begann sich zu engagieren – unter anderem bei den ersten Klimastreiks in Bern.

Ihre parteipolitische Heimat fand sie bei den Grünen. 2021 zog sie für das Grüne Bündnis in den Stadtrat ein und leitete später als Geschäftsführerin der Partei den erfolgreichen Gemeinderats-Wahlkampf von Ursina Anderegg.

Seit Frühling 2025 ist sie Bereichsleiterin Kommunikation und Kampagnen bei den Grünen Schweiz. «Ich leiste Übersetzungsarbeit bei komplexen Inhalten», umreisst sie ihre Aufgabe.

Diskussionen mit Filipovic behandeln die grossen Themen: Das patriarchale System. Der Kapitalismus. Die Zerstörung der Lebensgrundlagen. Die sozialen Ungerechtigkeiten – und wie all dies mit der Klimakrise zusammenhängt.

Im rot-grün dominierten Bern fühlt sie sich wohl. Und es stört sie nicht, wenn die Stadt als Wohlfühloase bezeichnet wird. «Was soll daran schlecht sein, dass sich alle Menschen hier wohl fühlen sollen?»

Höchstens über das Wort Oase liesse sich streiten. Entscheidend sei, dass Bern kein Einzelfall bleibe, sondern «dass solidarische und nachhaltige Strukturen über die Stadt hinaus wachsen».

Filipovic sieht Bern in einer Vorreiterrolle. Der rotgrüne Kurs sei ein Erfolgsmodell, das vom Volk immer wieder bestätigt werde. Der Gemeinderat verlor seit 2000 nahezu nie eine Abstimmung.

Der Bundesrat hingegen politisiere öfter am Volk vorbei, kritisiert sie – aktuell etwa mit dem Festhalten an Berner Autobahn-Projekten trotz Volks-Nein im November 2024. Den Abstimmungskampf hatte Filipovic als Co-Präsidentin des VCS Schweiz mitgeprägt.

Jelena Filipovic ist also Teil der rotgrünen Mehrheit, die Bern seit über drei Jahrzehnten prägt. Als höchste Bernerin will sie aber dafür sorgen, dass sich auch die Minderheit wohl fühlt. «Ich möchte eine empathische Stadtratspräsidentin sein», sagt sie.

Diskussionen dürften lebhaft sein, aber sie müssten stets respektvoll geführt werden. In einer Gesellschaft, in der immer weniger miteinander geredet werde, sei es wichtig, dass Parlamente ein Ort der Debatte blieben. Ein Ort, an dem Dinge ausdiskutiert würden.

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