Kritik an Veloverbindung über Berner Bahnhofplatz
Eine Lücke im Velonetz soll geschlossen werden: Der Berner Gemeinderat beantragt 380’000 Franken. Doch nicht nur der Preis sorgt für Stirnrunzeln.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Lücke im Velonetz zwischen Schauplatzgasse und Bubenbergplatz soll geschlossen werden.
- SVP-Stadtrat Janosch Weyermann hat Sicherheitsbedenken für den Fussverkehr.
- Pro Velo Bern begrüsst dagegen das Vorhaben: Ein vor 20 Jahren geschaffener Missstand werde behoben.
Mit einem Kredit von 375'000 Franken will der Berner Gemeinderat endlich eine Lücke im Velonetz schliessen: Die Verbindung zwischen dem westlichen Ende der Schauplatzgasse und dem Bubenbergplatz. Vom Loeb-Egge, am Baldachin-Rand vorbei, soll ein Velo-Gegenverkehr bis zur Tramspur Richtung Hirschengraben geschaffen werden.
Das sorgt für Genugtuung bei Pro Velo Bern – aber auch für Kritik am Projekt. Nicht nur wegen des hohen Preisschilds für 80 Meter Veloweg.
Lange geplant, jetzt mit Preisschild
So hinterfragt SVP-Stadtrat Janosch Weyermann nur schon, ob überhaupt der Bedarf gegeben sei: «Weshalb es ausgerechnet an dieser bereits heute stark frequentierten Stelle eine weitere Verbindung braucht, erschliesst sich mir nicht.»
Er bezweifle, dass der Zeitgewinn für Velofahrende die damit verbundenen Kosten rechtfertige, so Weyermann zum BärnerBär.

«Im Vergleich zu Infrastrukturen für den Autoverkehr und den ÖV sind Velomassnahmen vergleichsweise kostengünstig», meint dazu Michael Sutter. Er ist Präsident von Pro Velo Bern und er verweist auf die Hintergründe für den Gemeinderats-Entscheid.
Zum einen werde damit ein Parlamentsentscheid umgesetzt. Zum anderen werde damit eine Unterlassung korrigiert, als man 2007, beim Bau des Baldachins, die Situation für Velos verschlechterte.
«Konfliktpotenzial»: Bereich schon heute stark frequentiert
Besonders kritisch sieht Weyermann aber die Verkehrssicherheit. Als Präsident von «Vortritt Fussgänger» sieht er zusätzliches «Konfliktpotenzial», wie er es formuliert.
«Die geplante Verbindung führt unmittelbar am stark frequentierten Bereich des Baldachins vorbei.» Dort aber seien bereits heute zahlreiche Fussgängerinnen und Fussgänger sowie Trams und Busse unterwegs.

Um genügend Platz für die Velospur zu schaffen, will die Stadt Bern den Rand des Platzes unter dem Baldachin zurückversetzen. Mit Markierungen soll dann der Vortritt für die Trams verdeutlicht werden. Ob dies für genügend Sicherheit sorge, lasse sich noch nicht abschliessend beurteilen, meint SVPler Weyermann. «Insgesamt stehe ich dem Vorhaben deshalb ablehnend gegenüber.»
Die Stadtverwaltung verweist auf Anfrage auf die geltenden Regeln. Denn die Querung zwischen Baldachin und den Haltekanten vor der UBS beginne mit einer Trottoirkante, sagt Eva Krattiger, Leiterin Fachstelle Fuss- und Veloverkehr: «Fussgängerinnen und Fussgängern wird also signalisiert, dass sie von einem Trottoir auf eine Strasse wechseln und dass es allfälligen Verkehr aus zwei Seiten zu beachten gilt.»
Auch Michael Sutter von Pro Velo betont: «Beim Überqueren von Strassen ist es immer ratsam, vorher in beide Richtungen zu schauen.»








