Kolumnist Thomas Renggli in Maur ZH: Ich bleibe draussen!

Thomas Renggli
Thomas Renggli

Greifensee,

Am Frauentag und an jenem Datum, an dem die SRG-Initiative versenkt wurde – ende seine politische Karriere, schreibt Kolumnist Thomas Renggli aus Maur ZH.

Thomas Renggli
Autor Thomas Renggli schreibt über Polit-Filz in den Regionen. - zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Thomas Renggli ist freier Journalist, Buchautor und Lokal-Politiker.
  • Auf Nau.ch schreibt Renggli regelmässig Kolumnen.
  • Heute schreibt er über seine gestrige Nichtwahl als parteiloser Kandidat in Maur ZH.

Wer zu einem Wettkampf antritt, will gewinnen. Das gilt für Politik und Sport. Doch es gibt auch die enttäuschten Verlierer.

Zu jenen gehöre ich – und doch gratuliere ich meinen Gegnern mit anderthalb lachenden Augen.

«Gemeindepolitik ist die Champions League der Demokratie.» In meinem Wahlflyer habe ich mich einer Metapher aus der Sportwelt bedient.

Und ich bleibe dabei: Nirgends sind Rückmeldungen direkter, nirgends ist der Austausch ehrlicher. Genau deshalb hätte mich eine Funktion im Gemeinderat meines Heimatorts Maur ZH sehr gereizt.

Thomas Renggli
Viel investiert, aber in Maur ZH nicht gewählt: Thomas Renggli. - zvg

Keine Ausflüchte in der Politik

Doch Politik ist eben doch nicht Sport. Im Fussball kann man den Schiedsrichter für die Niederlage verantwortlich machen, im Eishockey das weiche Eis.

Peter Müller, der schnellste Zürcher Skirennfahrer seit dem Rütlischwur, machte einst sogar ausgelaufenes Öl eines Pistenfahrzeugs auf der Strecke für das eigene Scheitern verantwortlich.

Würdest du auch für ein politisches Amt kandidieren?

In der Politik gibt es diese Ausflüchte nicht. Das letzte Wort hat der Souverän. Und in meinem Fall sind dies rund 7000 stimmberechtigte Personen in der Gemeinde Maur. Ihr Votum am Sonntag war klar: Der Politnovize Thomas Renggli bleibt draussen – draussen aus dem Gemeinderat.

Ein Achtungserfolg

Dennoch darf ich einen Achtungserfolg für mich verbuchen. Immerhin 1'625 Bürgerinnen und Bürger gaben mir ihre Stimme – und verhalfen mir sogar zum absoluten Mehr von 1’328 Stimmen.

Das ist definitiv mehr, als ich mir als parteiloser Aussenseiter erhoffen durfte.

Ein Dank auch an die ukrainischen Gäste

Deshalb gilt mein grosser Dank allen, die mich in den vergangenen Wochen und Monaten unterstützt haben: Meiner Frau und meiner Mutter, meinen Kindern, die es über sich ergehen liessen, dass ihr Papi von Wahlplakaten herunterlächelte, den tapferen Mitkämpferinnen und Mitkämpfern Vreni Keller, Peter Leutenegger und Hans Bantli, den Plakat-Zimmermännern Ruedi Lieberherr, Sandro Tonet und Reto Gut sowie allen, die mir Mut zugesprochen und mir teilweise auch finanziell unter die Arme gegriffen haben.

Und ganz besonders: den ukrainischen Gästen, die meine Plakate an der Zürichstrasse in Ebmatingen wie Löwinnen und Löwen gegen Vandalen verteidigt haben. Danke, Galina! Danke, Wladimir! Allein der Austausch und der Diskurs mit Euch war das Engagement wert.

Politische Karriere endet hier

Trotzdem: Am 8. März – am Frauentag und an jenem Datum, an dem die SRG-Initiative versenkt wurde – endet meine politische Karriere.

Ein neuerlicher Versuch schliesse ich aus – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Denn neben allen positiven Erfahrungen musste ich auch erleben, wie hartnäckig das politische Establishment ist. Vermutlich habe ich unterschätzt, dass die Parteien eben doch ein Machtfaktor sind.

Das ist sicherlich auch gut so. Schliesslich hat der Stimmbürger ein Recht darauf zu wissen, wen er wählt.

Da aber allein im Kanton Zürich in der Kommunalpolitik mittlerweile rund 40 Prozent der Exekutivämter von parteiunabhängigen Politikerinnen und Politikern besetzt sind, machte ich mir doch leise Hoffnungen.

An dieser Stelle schrieb ich vor rund einem Monat: Vielleicht bin ich der FC Thun der Zürcher Politik. Vielleicht bin ich der Aussenseiter, der die Favoriten überrumpelt. Dem war nicht so.

Deshalb gratuliere ich allen meinen Gegnerinnen und Gegnern zur Wahl – und ich wünsche vor allem jemandem ganz viel Glück: Mauro Lustrinelli, dass er den FC Thun in den kommenden Wochen zum hochverdienten Titel führt.

Zum Autor

Thomas Renggli aus der Zürcher Vorortsgemeinde Maur ist freier Journalist und Buchautor. Zwischen Mai 2023 und April 2024 war er Chefredaktor der Lokalzeitung Maurmer Post. Heute verantwortet er die unabhängige Maurmer Zeitung. Über die Vorfälle vor seiner Haustüre hat er das Buch «Tod im Sponstürli» verfasst. Renggli kandidierte er am 8. März 2026 als Parteiloser für den Gemeinderat Maur. Mit einem Achtungserfolg.

Kommentare

User #5361 (nicht angemeldet)

Journalisten uns Politiker sind die unseriösesten Menschen.

User #4301 (nicht angemeldet)

Eine Polit-Karriere kann nur zu Ende gehen, wenn es vorher eine gab. War hier definitiv nicht der Fall.

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