Berner Club zeigt: So geht Unterwasserrugby!
Rugby unter Wasser klingt verrückt, ist aber ein temporeicher Vollkontaktsport. Der Unterwasserrugby Club Bern zeigt, was es dafür braucht.

Es ist ziemlich genau 20 Uhr an diesem sommerlich warmen Montagabend im August, als sich 12 junge Frauen und Männer vor dem Berner Hallenbad Neufeld treffen. Sie kommen zum ersten Training nach den Sommerferien. Ihre Sportart heisst allerdings nicht Schwimmen, wie man vermuten könnte, sondern Unterwasserrugby.
Unterwasser-was-genau? War meine erste Reaktion, da ich glaubte, mich verhört zu haben. Wer kommt denn auf die Idee, Rugby unter Wasser zu spielen?
Ein Ball, der nicht auftaucht
Die Antwort findet sich im Jahr 1961 in einem deutschen Hallenbad. Ludwig von Bersuda, Mitglied des Deutschen Unterwasser-Clubs Köln, wollte etwas Abwechslung ins Training für Taucher bringen und nahm dafür kurzerhand einen Ball und ein Netz mit ins Wasser.
Das Problem dabei: Normale Bälle haben die lästige Angewohnheit, wieder nach oben zu wollen. Also füllte Bersuda den Ball statt mit Luft mit Salzwasser, bis dieser brav Richtung Beckenboden sank.

Seine erste Variante erinnerte noch eher an Unterwasser-Volleyball. Wenig später entwickelte der Duisburger Zahnarzt Dr. Franz Josef Grimmeisen daraus einen Wettkampfsport mit festen Regeln und Körben am Beckenboden. 1964 fand das erste Unterwasserrugby-Spiel statt.
«Weil wir eine verhältnismässig junge Sportart sind, waren auch von Anfang an Frauen mit dabei», erklärt Benjy Herbst, Präsident und Gründungsmitglied des Unterwasserrugby Club Bern. Den Berner Club gibt es gar erst seit knapp einem Jahr.
«Wir haben im August 2025 mit dem regelmässigen Trainingsbetrieb begonnen und konnten seither bereits 14 aktive Mitglieder gewinnen», freut sich der Präsident. Er selbst kam über Angebote des Universitätssports zu diesem 3D-Vollkontaktsport und war sofort fasziniert.
Zum ersten Mal davon gelesen hat er in Luzern, trainiert hatte er dann lange in Basel. Als er nach Bern zog, wurde ihm das Pendeln jedoch zu viel. So gründete er kurzerhand zusammen mit Sebastian Sutter einen von derzeit fünf aktiv spielenden Clubs in der Schweiz.

«Wir sind eine eher kleine und überschaubare Community hier in der Schweiz und gerade deshalb ist der Umgang untereinander sehr wertschätzend und respektvoll.» Das bestätigt auch Ramona Stadler, die heute Montag zum ersten Mal in ein Berner Probetraining kommt.
«Ich habe in Luzern schon Unterwasserrugby gespielt und da ich nun in Bern wohne, war ich super-happy, als ich vom UWRCB erfahren habe!» Doch wie kommt eine junge Frau zu dieser doch eher harten Sportart?
«Ich bin schon immer sehr gerne geschwommen. Aber irgendwie wurde mir das zu langweilig. Und so entdeckte ich das Unterwasserrugby. Es macht mir wahnsinnig Spass, weil es Tauchen, Taktik, Spiel und Spass miteinander verbindet.»
Aber geht es da nicht ziemlich ruppig zu und her? «Doch schon, es ist ein Vollkontaktsport, das muss einem bewusst sein. Aber wie Benjy vorhin gesagt hat, ist der Umgang untereinander äusserst fair und nicht unnötig grob. Deshalb finde ich es eine coole Sportart!»
Glitzerflossen und Tiefschutz
Inzwischen hat Trainerin Veronika Senn die Anwesenden in zwei Gruppen eingeteilt: Blau und Weiss. Auch die Positionen sind verteilt. «Dabei nimmt sie Rücksicht auf die Präferenzen der Mitglieder und auf deren Stärke und teilt so ein, dass beide Teams ungefähr gleich stark sind», erklärt Benjy.

Ob Frau oder Mann spiele dabei kaum eine Rolle. Viel entscheidender sei die Erfahrung. Nun geht es in die Umkleide. Wenig später versammeln sich die Sportlerinnen und Sportler beim Sprungbecken. Mit einer Tiefe von 4,5 Metern bietet es perfekte Bedingungen.
Als ich Benjys pinke Flossen sehe, kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. «Ein bisschen Farbe muss sein!», meint er lachend und weist auf die Glitzerflossen einer Teamkollegin hin. Tatsächlich schimmern diese im Hallenlicht, und auch die Badebekleidung ist alles andere als eintönig.
Freude und Kameradschaft werden hier grossgeschrieben, das spürt man sofort. Auch beim Posieren fürs BärnerBär-Gruppenfoto wird viel gelacht. Weniger optional sind die Kappen mit integriertem Ohrenschutz und Halterung für den Schnorchel.
«Zum Schutz des Trommelfells vor Schlägen, das ist ganz wichtig.» Sie sind entweder blau oder weiss, damit die Teammitglieder auch unter Wasser sofort erkannt werden. Viele Männer tragen zudem einen Tiefschutz. «Aus verständlichen Gründen!», wie Benjy trocken erklärt.
Der Gegner kommt auch von unten und von oben
Dann beginnt das Training und dieses hat es in sich. Zunächst stehen während rund 30 Minuten Schwimm- und Atemübungen auf dem Programm. Anschliessend wird eine halbe Stunde Technik trainiert, bevor die letzte halbe Stunde dem Spiel gehört.
Jeweils sechs gegen sechs Spielende treten gegeneinander an. Die Positionen sind doppelt besetzt, damit jeweils eine Person auftauchen und Luft holen kann. Spätestens jetzt zeigt sich, wie viel dieser Sport gleichzeitig verlangt: Atemkontrolle, Druckausgleich, Kondition, Taktik, Übersicht und Regelkenntnis.

Was fasziniert Benjy daran am meisten? «Es ist die Kombination aus allem. Dass man ruhig bleibt unter Wasser und lernt, seinen Atem zu kontrollieren und richtig mit dem Schnorchel umzugehen. Gleichzeitig muss man den Überblick behalten, die Regeln kennen und körperlich fordert einen das Tauchen enorm.»
Das Genialste an der Sportart sei jedoch, dass das Spiel in drei Dimensionen stattfinde. «Der Gegner kann nicht nur von vorne oder hinten kommen, sondern auch von oben oder unten.»
Wer den Ball hat, darf festgehalten und gestoppt werden. Schlagen, Treten, Würgen und Kratzen sind hingegen tabu, deshalb sind auch kurz geschnittene Fingernägel Pflicht.
Sieben Minuten können ziemlich lang sein
Ein reguläres Spiel besteht aus zwei Halbzeiten zu je 15 Minuten Echtzeit. «Beim Training spielen wir aber oft nur zweimal sieben Minuten lang», erklärt Benjy. Beim Zuschauen wird schnell klar, weshalb. Schon nach kurzer Zeit sind die Spielenden deutlich ausser Atem.
Dennoch betont er, dass grundsätzlich jede und jeder, der gerne im Wasser ist, den Sport lernen könne. «Schwimmen können ist natürlich von Vorteil!», sagt er und schmunzelt. «Aber wir hatten auch schon jemanden, der zwar nicht so gut schwimmen, dafür aber umso besser tauchen konnte.»
Wie bei jeder anderen Sportart gilt auch hier: Übung macht den Meister. Und der junge Berner Club hat bereits grössere Pläne. «Aktuell diskutieren wir sogar darüber, ob erstmals ein Spieltag der Schweizer Meisterschaft in Bern stattfinden könnte», freut sich der Club-Präsident.

«Definitiv entschieden ist das noch nicht, aber es zeigt, dass sich der Sport in Bern sehr positiv entwickelt.»
«Ich komme nächsten Montag wieder»
Ramona Stadler strahlt nach dem Probetraining. Ihr Fazit fällt eindeutig aus: «Es hat richtig Spass gemacht, auch wenn ich noch viel Luft nach oben – oder unten – habe. Strategisch und wortwörtlich! Aber mit mehr Übung kommt sicher auch die Übersicht unter Wasser.»
INFO
Unterwasserrugby Club Bern
Der Unterwasserrugby Club Bern (UWRCB) wurde 2025 gegründet. Gespielt wird mit Maske, Schnorchel und Flossen. Ziel ist es, einen mit Salzwasser gefüllten Ball im gegnerischen Korb am Beckenboden zu versenken. Trainiert wird jeweils montags und donnerstags von 20 bis 22 Uhr im Hallenbad Neufeld.
Neue Spielerinnen und Spieler sind willkommen, Vorkenntnisse braucht es keine. Die ersten Trainings sind kostenlos und unverbindlich.
Besonders gefallen habe ihr, wie unkompliziert der Einstieg sei. «Ich konnte mich einfach per Formular anmelden, Material ausleihen und direkt mitmachen.» Sie ist somit eine von jenen, die dabei bleibt: «Ich werde nächsten Montag wieder dabei sein!»







