Das Forum für Zweisprachigkeit feiert sein 30-jähriges Jubiläum
Das Forum für Zweisprachigkeit in Biel feiert dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Die Stiftung hat sich als unverzichtbare Akteurin für die Förderung der Zweisprachigkeit etabliert.

«Das Forum will das bleiben, was es seit 1996 ist: ein Ideenlabor, ein Ort des Dialogs und ein engagierter Akteur, damit Sprachen ein echtes Fundament der Demokratie bleiben», sagt die Direktorin Virginie Borel, die diese Position seit 19 Jahren innehat.
Das Forum, das zunächst nur auf lokaler Ebene tätig war, hat seine Aktivitäten weit über die Stadt Biel hinaus ausgeweitet und damit an Sichtbarkeit gewonnen. Heute hat die Institution eine Legitimation in Sprachfragen erlangt und setzt sich in der ganzen Schweiz für den sozialen Zusammenhalt und das Zusammenleben ein.
Unter Borels Leitung hat sich das Forum nach und nach von seiner ursprünglichen Ausrichtung auf wissenschaftliche und sprachliche Forschung entfernt und sich stärker in der Praxis verankert. Im Laufe der Jahre hat es sich zu einem Wächter über die Zweisprachigkeit entwickelt.
«Für die Minderheitensprachen in der Schweiz besteht immer eine indirekte Bedrohung», erklärt Borel gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Da der Sprachunterricht im Ermessen der Kantone liegt, kann jeder das System wählen, das ihm am besten zusagt.
«Man kann andere Organisationen ansprechen und sie fragen, ob sie bereit sind, gemeinsam etwas zu unternehmen.» So hat das Forum gemeinsam mit anderen Akteuren wie dem Verein Bernbilingue oder Helvetia Latina interveniert, als deutschsprachige Kantone das Frühfranzösisch infrage stellten oder in der Stadt Bern beschlossen wurde, die Classes bilingues abzuschaffen.
Gleichzeitig gewinnen die schweizerdeutschen Dialekte immer mehr an Bedeutung. Für die Direktorin des Forums waren Dialekte noch nie so präsent wie heute. Sie behinderten das Verständnis, sagt Borel. Hochdeutsch sei für Deutschsprachige fast zu einer Fremdsprache geworden ist, die sie in der Schule lernen müssten.
Das Forum für Zweisprachigkeit setzt sich auch dafür ein, dass französischsprachige Auszubildende bei den grossen Einzelhändlern in der Region eine Ausbildung in ihrer Sprache absolvieren können und dass Unternehmen mehr Wert auf das Erlernen von Sprachen legen. Für Borel gilt es, Zwang und Klagen zu vermeiden.
Im Laufe der Jahre hat das Forum mehrere Projekte umgesetzt. Ein Beispiel ist das 1998 ins Leben gerufene «Barometer der Zweisprachigkeit». Dieses Instrument liefert Daten über die Sprachpraktiken der Bevölkerung und ist zu einem Werkzeug für Behörden, akademische Kreise und Medien geworden.
Weiter vergibt das Forum das Label für Zweisprachigkeit. Diese Zertifizierung wurde nicht nur an Institutionen in den Kantonen Bern, Freiburg und Wallis, sondern auch an Dienststellen der Bundesverwaltung verliehen. Das Forum vergibt auch Plaketten an Bieler Unternehmen und Geschäfte, die sich für die Förderung der gelebten Zweisprachigkeit einsetzen.
Seit 2001 organisiert das Forum Begegnungen zwischen Französisch- und Deutschsprachigen, die auf mündlichem Austausch und Gegenseitigkeit basieren: die Sprach-Tandems. Dieses Projekt wurde schrittweise auf den Rest des Kantons und dann auf die ganze Schweiz ausgeweitet, seit 2017 mit einer digitalen Plattform.
Das Forum erhält Subventionen vom Bund, dem Kanton Bern und der Stadt Biel in Höhe von insgesamt 450'000 Franken. Als einzige Organisation für Sprachverständigung, die einen Leistungsvertrag mit der Eidgenossenschaft hat, feiert das Forum der Zweisprachigkeit am 27. August in Bern sein Jubiläum.






