Berner Gefängnisse auch 2025 voll
Die Belegung der Berner Justizvollzugsanstalten war im vergangenen Jahr weiterhin hoch, insbesondere in den Regionalgefängnissen. Projekte wie ein Gefängnisneubau in Witzwil sind zwar aufgegleist, aber noch nicht realisiert. Bis dahin dürften auch noch ein paar Jahre vergehen.

In den Berner Strafanstalten ist es seit Jahren voll, ja bisweilen auch übervoll. Die Gesamtauslastung über alle Vollzugseinrichtungen gesehen lag vergangenes Jahr bei 107 Prozent, wie das kantonale Amt für Justizvollzug (AVJ) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bekannt gab.
Die Regionalgefängnisse in Bern, Biel, Burgdorf, Moutier und Thun verzeichneten im Jahr 2025 eine Auslastung von 124 Prozent.
Engere Platzverhältnisse für die Eingewiesenen sind die Folge. Dazu kommt laut AVJ eine hohe Belastung für das Aufsichts- und Betreuungspersonal sowie für das Pflegepersonal der Gesundheitsdienste.
«Die nun schon länger andauernde sehr hohe Belegung in unseren Regionalgefängnissen hat auch erhebliche Auswirkungen auf die Küchenbrigade oder auf die Administration» schreibt das AVJ.
Der Kanton Bern verfügt über vier Justizvollzugsanstalten für Erwachsene in Hindelbank, St. Johannsen, Thorberg und Witzwil. Dazu kommen die Regionalgefängnisse, wo vorwiegend Untersuchungs-, Sicherheits- und Administrativhaft vollzogen wird.
Verschiedene Faktoren führten und führen zu einer dichten Belegung. So sind etwa Staatsanwaltschaft und Gerichte mit ihren Kapazitäten am Anschlag. Das bedeutet beispielsweise, dass Häftlinge länger auf ihren Prozess warten müssen.
Dazu kommt eine Vielzahl an Ersatzfreiheitsstrafen. Werden Bussen oder Geldstrafen nicht bezahlt, werden sie in eine Ersatzfreiheitsstrafe umgewandelt. Meist haben die Betroffenen nur kleine Delikte begangen. Die Situation bei den Ersatzfreiheitsstrafen verschlimmerte sich 2023 durch Informatikprobleme beim Busseninkasso.
Im vergangenen Herbst lehnte der bernische Grosse Rat einen Kredit für eine Gefängnis-Container-Lösung in Burgdorf knapp ab. Nun kommt im März ein Vorstoss für eine abgespeckte Variante in den Grossen Rat. Ausserdem liegen verschiedene weitere Vorstösse zum Thema vor.
Eine von sechs Parteien getragene Motion verlangt, dass der Kanton Bern mit einer Standesinitiative beim Bund vorstellig wird. Die Forderung zielt darauf ab, dass der Vollzug einer Ersatzfreiheitsstrafe in Form von gemeinnütziger Arbeit ermöglicht wird.
Der Kanton Bern plant bei der bestehenden Strafanstalt in Witzwil einen Neubau mit 200 Plätze. Rund 150 Plätze sind für den geschlossenen Vollzug gedacht, der Rest für Untersuchungs- und Sicherheitshaft. Sie dienen als Ersatz für das in die Jahre gekommene Regionalgefängnis Biel.






