Baselbieter Landrat gegen mehr Wirtschaftseinfluss an der Uni
Der Baselbieter Landrat hat am Donnerstag eine Initiative der Wirtschaftskammer (Wika) deutlich zur Ablehnung empfohlen. Mit dem Begehren soll die Universität Basel stärker an der Nachfrage am Arbeitsmarkt orientiert werden.

In der Schlussabstimmungen gingen 75 Stimmen für den entsprechenden Landratsbeschluss ein. Nur 10 waren dagegen, es gab 1 Enthaltung.
«Die Öffentlichkeit darf erwarten, dass die Universität ihre Verantwortung gegenüber der Wirtschaft wahrnimmt», sagte SVP-Fraktionssprecher Peter Riebli. Seine Fraktion unterstütze die Initiative und gar eine Rückweisung des Gegenvorschlags.
Gemäss Votum von Mitte-Fraktionssprecher Marc Scherrer müsse man fragen, wie gut die Universität auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet sei. Man habe Sympathien für die Initiative. Er reichte einen Antrag ein, um das Geschäft an die Kommission zurückzuweisen. Diese solle einen Gegenvorschlag ausarbeiten und das Vorschlagsrecht der Wirtschaftskammer bei der Konsultativkommission rausnehmen, sollte das der wunde Punkt sein. Scherrers Antrag wurde mit 63 zu 22 Stimmen bei 0 Enthaltungen abgelehnt.
Wenig Rückhalt für das Begehren
Roman Brunner sagte für die SP-Fraktion, dass es mit dem Universitätsrat bereits ein Gremium gebe, um die Uni zu steuern. Es brauche keine zusätzliche Kommission mit exklusivem Vorschlagsrecht der Wirtschaftskammer.
Thomas Eugster sprach sich in seinem Votum für die FDP-Fraktion ebenfalls zugunsten des Gegenvorschlags und gegen die Initiative aus. So hätten etwa Absolventinnen und Absolventen der Informatik- und Wirtschaftswissenschaften grosse Schwierigkeiten, Arbeitsstellen zu finden, obwohl die Wirtschaft in den Bereichen mehr Studienplätze gefordert habe.
Aus Sicht von Andrea Heger, Fraktionssprechende Grüne-EVP sei es nicht sinnvoll, den Verwaltungsapparat noch weiter aufzublähen. Sabine Bucher sagte für die GLP-Fraktion, dass diese den Rückweisungsantrag und die Initiative ablehne.
Ausrichtung auf Bedürfnisse der Wirtschaft
Die Initiative ist im September 2025 mit 1518 gültigen Unterschriften zustande gekommen. Mit ihr will die Wirtschaftskammer das Bildungsgesetz um einen Paragraphen 53c ergänzen. Dieser sieht vor, dass sich der Kanton dafür einsetzt, dass die Lehre an der Universität sich an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientiert, wie es im Initiativtext steht.
Zudem verlangt die Wirtschaftskammer ein Vorschlagsrecht für eine aus Wirtschaftsvertretern zusammengesetzte Konsultativkommission, die den Kantonsvertretenden zur Seite stehen soll.
Regierung und Kommission lehnen Initiative ab
Die Regierung lehnt die Initiative ohne Gegenvorschlag ab, wie sie festhielt. Sie befürchtet, dass bei einer Annahme die Einheit von Lehre und Forschung zugunsten einer «kurzfristigen, regionalspezifischen wirtschaftlichen Zweckorientierung» geschwächt und der Wissenschaftliche Auftrag der Universität untergraben werde.
Weiter stelle die Initiative das Prinzip in Frage, wonach Universitäten zumeist nicht für exakte Berufsprofile ausbildeten, sondern eine wissenschaftliche Ausbildung vermittelten, schrieb der Regierungsrat. Der Universitätsrat sei ausreichend, um auch wirtschaftliche Perspektiven einzubringen – ein weiteres Konsultativgremium brauche es nicht.
Auch die Bildungs-, Kultur- und Sportkommission (BKSK) hatte sich mit 10 zu 3 Stimmen für die Ablehnung der Initiative ausgesprochen.






