«Work-Life-Balance»: Warum gibt es so viele Bundesrats-Absagen?

    Karin Aebischer
    Karin Aebischer

    Bern,

    Wer will Bundesrat Parmelin beerben? Bisher haben alle prominenten Namen aus der Deutschschweiz abgesagt. Politologe Michael Hermann erklärt die Zurückhaltung.

    sdf
    Esther Friedli, Natalie Rickli und Pascal Schmid stellen sich bei der Wahl am 9. Dezember nicht zur Verfügung. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Am Freitagmittag läuft die SVP-Frist für Bundesratskandidaturen ab.
    • Bisher hat es reihenweise prominente Absagen gegeben, wie jene von Natalie Rickli oder Pascal Schmid.
    • Wieso ist die Begeisterung derart mässig? Politologe Michael Hermann erklärt.

    Der Andrang für das SVP-Bundesratsticket für den 9. Dezember ist bisher bescheiden.

    Erst die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz (47), der Solothurner Nationalrat Rémy Wyssmann (59) und der Berner Regierungsrat Pierre Alain Schnegg (63) haben offiziell ihre Kandidatur bekannt gegeben. Dabei läuft die Frist für Kandidaturen schon morgen Freitagmittag ab.

    Viele prominente SVP-Aushängeschilder haben abgesagt. Darunter die Zürcher Gesundheitsdirektorin Nathalie Rickli, die St. Galler Ständerätin Esther Friedli und Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher. Auch SVP-Asylchef und Nationalrat Pascal Schmid sowie der Luzerner SVP-Nationalrat Franz Grüter wollen nicht.

    So ausgeprägt wie jetzt habe er die Absagewelle bei der SVP noch nie erlebt, sagt Politologe Adrian Vatter zu SRF.

    Ist denn das Amt des Bundesrats gar nicht mehr attraktiv?

    «Work-Life-Balance ist wichtiger geworden»

    «Ich denke nicht, dass das Amt per se unattraktiv ist», sagt Politologe Michael Hermann zu Nau.ch.

    Die Leute würden sich jedoch heutzutage mehr Gedanken über ihren Lebensentwurf machen. «Und als Bundesrätin oder Bundesrat ist man von Montag bis Sonntag fremdgesteuert», so der Geschäftsführer des Forschungsinstituts Sotomo.

    Ist Bundesrätin oder Bundesrat ein attraktives Amt?

    Man könne nicht mehr über sein eigenes Leben bestimmen.

    Früher habe man sich über solche Sachen weniger den Kopf zerbrochen. «Heute ist die Selbstbestimmung, aber auch die Work-Life-Balance den Leuten wichtiger geworden», so Hermann.

    Der gesellschaftliche Wandel werde auch hier sichtbar, erklärt Hermann.

    Doch: Auch die Angst, zu versagen – von der Partei nicht nominiert oder vom Parlament nicht gewählt zu werden – dürfte bei einigen mitschwingen.

    «Durch die sozialen Medien sitzt man heute stärker im Glashaus. Alles wird kommentiert und das oftmals sehr direkt», sagt Michael Hermann.

    Damit müsse man umgehen können. «Potenzielle Kandidaten überlegen sich heute genauer, ob sie sich das wirklich antun wollen.»

    Bis morgen Mittag wird klar sein, wer sich aus den Reihen der SVP in dieses Glashaus setzt. Am 9. Dezember findet die Wahl statt – dann ist klar, wer die Nachfolge von Guy Parmelin antritt.

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    Kommentare

    User #4053 (nicht angemeldet)

    Vorallem wieso so wenig Frauen?

    User #8994 (nicht angemeldet)

    KI will als Bundesrat.

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