Stadt Zürich

Anlaufstelle für junge Menschen in Zürich trifft einen Nerv

Keystone-SDA Regional
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Zürich,

Einfach reingehen, sich hinlegen oder etwas essen: Ein neues Angebot des Sozialwerks Pfarrer Sieber in Zürich spricht Jugendliche und junge Erwachsene offensichtlich an. Der einfache Zugang soll den Personen in prekären Verhältnissen auch helfen, aus diesen hinauszufinden.

Die Anlaufstelle Mila für junge Erwachsene bei der Zürcher Langstrasse verzeichnet regen Zulauf.
Die Anlaufstelle Mila für junge Erwachsene bei der Zürcher Langstrasse verzeichnet regen Zulauf. - Walter von Arburg/PD

Vor einem Monat eröffnete das Sozialwerks Pfarrer Sieber (SWS) eine neue Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene, mitten in Zürich, an der Langstrasse. Das Angebot, am Tag einen Zufluchtsort zu finden, trifft offenbar einen Nerv. Seit der Eröffnung zählte die Jugendanlaufstelle Mila – benannt nach dem Standort an der Ecke Militärstrasse/Langstrasse – bereits 251 Besuche.

«Es ist der einzige Ort in Zürich mit niederschwelligem Zugang, der jeden Tag geöffnet ist, auch an Feiertagen und Wochenenden», erklärt Walter von Arburg, Kommunikationsverantwortlicher des SWS die vielen Besuche. «Die Jugendlichen schätzen das Angebot. Sie können einfach reingehen, etwas essen oder sich hinlegen – ohne sofort nach der ID gefragt zu werden», sagt er gegenüber Keystone-SDA.

Ziel sei es, Obdachlosigkeit und einen möglichen Totalabsturz in die Drogensucht zu verhindern. Drogen sind oft Thema. Meist kommen die jungen Menschen aus schwierigen Familienverhältnissen, haben Gewalt oder Missbrauch erlebt. Wenn sie es wünschen, können sie sich vor Ort beraten lassen.

80 Prozent der Mila-Besucher sind laut von Arburg junge Männer, das sei ähnlich wie bei den Erwachsenen. «Sie haben keinen Job, haben die Schule abgebrochen und keine Tagesstruktur. Es ist besser wenn sie zu uns kommen, als auf der Strasse zu hängen».

Wie kommen sie zur Anlaufstelle? Sie hören es etwa von anderen Jugendlichen. Viel laufe über Mundpropaganda unter den Betroffenen. Aber auch soziale Einrichtungen, die Polizei oder Sip Züri machen sie darauf aufmerksam. Auch die aufsuchende Gassenarbeit des SWS spricht mit jungen Leuten, die sie unterwegs antrifft.

Ein Drittel der Betroffenen war schon in einer anderen Einrichtung des SWS, der Notschlafstelle Nemo, die seit 2007 in Betrieb ist. Diese richtet sich ebenfalls ausdrücklich an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 23 Jahren und verfügt über 10 Plätze. 156 Personen hätten die Notschlafstelle im letzten Jahr genutzt, meist für mehrere Nächte. 2975 Übernachtungen kamen insgesamt zusammen.

Das ist deutlich mehr als früher. Seit Corona sei ein klarer Anstieg zu sehen. Vorher lag die Zahl bei jährlich bis zu 2000 Übernachtungen, jetzt sind es rund 3000 pro Jahr.

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