Stadt Zürich

12'000 Verfahren: In Zürich sollen «Staatsanwälte light» aushelfen

Keystone-SDA
Keystone-SDA, Laurin Zaugg

Zürich,

Bei den Zürcher Staatsanwaltschaften sind tausende Strafverfahren offen. Vorerst befristet sollen unter anderem Assistenten ohne Jura-Studium aushelfen.

Akten
Die Zürcher Staatsanwaltschaft steht vor einem Pendenzenberg. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der pendenten Strafverfahren im Kanton Zürich liegt seit 2019 über 10'000.
  • Das soll sich durch die neue Entlastungsstaatsanwaltschaft (Esta) ändern.
  • Dabei sollen Massenfälle mithilfe von Assistenzkräften und KI abgearbeitet werden.

Tempoüberschreitungen, Kleindealer, Beleidigungen, unerlaubte Einreisen: Die Zürcher Staatsanwaltschaften haben mit sogenannter Massendelinquenz alle Hände voll zu tun.

Seit April werden sie nun durch zwei neue Abteilungen entlastet. Ein Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft bestätigte gegenüber Keystone-SDA einen entsprechenden Bericht des «Tages-Anzeiger».

staatsanwalt
Die Zürcher Staatsanwaltschaften sollen entlastet werden. Ende 2024 lag die Zahl der pendenten Verfahren bei 12'000. (Symbolbild) - keystone

Die Schaffung des Entlastungsstaatsanwaltschaft geht auf einen Antrag des Regierungsrates zurück. Der Kantonsrat genehmigte diesen im Rahmen des Budgets 2026.

Vorerst befristet bis 2029 sollen die Abteilungen arbeiten. Sie starten mit 23 Stellen, 2027 und 2028 werden es 32 sein, 2029 wieder 23.

Wenig schwerwiegende Delikte, die oftmals nicht mehr als zwei Tage Arbeit beanspruchen, sollen von der Entlastungsstaatsanwaltschaft übernommen werden. Darunter Delikte im Strassenverkehr oder Verstösse gegen das Ausländerrecht und die Betäubungsmittelgesetze.

Assistenten haben KV-Ausbildung, kein Jura-Studium

Auffallend sind dabei die Assistenzstaatsanwältinnen und -anwälte mit kaufmännischer Ausbildung. Diese haben kein Jura-Studium absolviert.

Wie der Sprecher betont, handelt es sich dabei aber um erfahrene Mitarbeitende der Kanzleien der Staatsanwaltschaften.

Findest du es okay, dass Assistenten ohne Jura-Studium aushelfen?

«Diese Mitarbeitenden werden seit Jahren erfolgreich bei den regionalen Staatsanwaltschaften zur Bearbeitung kleinerer Fälle der Massendelinquenz eingesetzt.»

Auch im Antrag des Regierungsrats wird darauf hingewiesen, dass diese über keine juristische Grundausbildung verfügen.

Staatsanwälte sollen sich auf komplizierte und alte Fälle konzentrieren können

An der Spitze der Abteilungen stehen Staatsanwältinnen und Staatsanwälte. Eine der beiden Abteilungen wird zudem vorwiegend aus Staatsanwälten bestehen, die Vertretungs- und Entlastungseinsätze bei allen Staatsanwaltschaften leisten sollen. Etwa bei längerer Krankheit oder Mutterschaftsabwesenheiten.

Ziel der zusätzlichen Stellen ist es, dass sich die Staatsanwälte auf komplexere Verfahren und alte Fälle konzentrieren können. Dem Kanton ist das bis 2029 über 28 Millionen Franken wert.

Auch der Kantonsrat sah kein Problem mit den neuen Stellen, bei der Budgetdebatte im Dezember war die Stellenerhöhung kein Thema. Ende 2024 waren bei den Staatsanwaltschaften 12'000 Verfahren pendent.

Auch KI soll aushelfen

Neu soll auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen, etwa ein KI-gestütztes Transkriptionstool. Es überträgt Gesagtes in Text.

Allerdings erst als Test auf lokalen Computern. Datensicherheit und Amtsgeheimnis hätten oberste Priorität.

Kommentare

User #6141 (nicht angemeldet)

Wer bezahlt das alles?

User #2047 (nicht angemeldet)

Die sind ja schon light.

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