Aargauer Regierung gegen Bade-Ampel an der Reuss
Nach heftigen Niederschlägen können Keime in der Reuss ein höheres gesundheitliches Risiko für Schwimmerinnen und Schwimmer bergen: Der Aargauer Regierungsrat sieht aber keinen Bedarf für ein neues Warnsystem, wie er in seiner Antwort auf eine Interpellation schreibt.

Der Vorstoss von SP-Grossrat Stefan Dietrich geht auf den vergangenen Sommer zurück. Mehrere Teilnehmer der interkantonalen Polizeischule Hitzkirch LU fielen damals nach Rettungsübungen in der Reuss aus.
Sie litten unter Magen-Darm-Erkrankungen. «Unabsichtlich verschlucktes Wasser ist als Ursache plausibel», hält der Regierungsrat in seiner am Freitag veröffentlichten Antwort fest.
Grundsätzlich erfülle die Reuss die Vorgaben des Gewässerschutzes, schreibt er weiter. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie jederzeit als Badegewässer taugt: Abwasserreinigungsanlagen seien darauf ausgelegt, Umweltstandards einzuhalten – nicht darauf, Flüsse keimfrei für Badende zu machen. Eine gezielte Keimelimination sei gesetzlich nicht vorgeschrieben und würde hohe Kosten verursachen.
So könnten gerade während und nach heftigen Niederschlägen verdünnte Abwässer über Regenentlastungen in die Gewässer gelangen. Die Keimbelastung kann in solchen Phasen deutlich ansteigen.
Ein neues Warnsystem – etwa in Form einer Badeampel für die Reuss – hält der Regierungsrat nicht für nötig und sinnvoll. Die Wasserqualität schwanke dafür zu stark, und ein grünes Signal würde trügerische Sicherheit vorgaukeln, hält er dazu fest.
Er appelliert dafür an die Eigenverantwortung und erinnert an eine alte Regel, die einfach und verständlich sei: «Flüsse eignen sich hinsichtlich mikrobiologischer Wasserqualität nur bei stabilem Hochsommerwetter mit entsprechend geringem Abfluss und wenig Trübung zum Baden.»
Zudem sind gemäss Regierungsrat bereits heute zahlreiche Messdaten und Empfehlungen online verfügbar. So sind auf der Website des kantonalen Amts für Verbraucherschutz etwa Informationen zu den Reuss-Wellen beim Stauwehr in Bremgarten aufgeschaltet.
Gute Surfbedingungen, also hohe Wellen nach Niederschlägen, seien unvermeidbar mit viel Eintrag von Trübstoffen, Bakterien, Viren und Parasiten in das Flusswasser verbunden, heisst es dort etwa. «Wer Infektionsrisiken vermeiden will, verzichtet am besten auf das Surfen in der Reuss.»










