70-Meter-Hochhaus statt «Café Toujours» am Europaplatz
Ein weiteres Hochhaus für Ausserholligen: Räume für Wohnen und Bildung sollen an der Freiburgstrasse 129 und 131 entstehen – trotz besetztem Haus.

Das Wichtigste in Kürze
- Beim Europaplatz in Bern ist ein weiteres Hochhaus geplant.
- Es soll 60 bis 70 Meter hoch werden und an der Freiburgstrasse 129 und 131 gebaut werden.
- Für die Bevölkerung findet eine Informations- und Partizipationsveranstaltung statt.
Beim Europaplatz in Ausserholligen soll ein weiteres Hochhaus gebaut werden. Die Marti Gesamtleistungen AG plant an der Freiburgstrasse 129 und 131 ein «Tor zum Holligen-Quartier» mit Wohnen und Bildung.
60 bis 70 Meter hoch soll es werden und auch attraktive Aussenräume bieten. Sie sollen das Netz an Grün- und Freiräumen im Quartier bereichern.
Für die Grundeigentümerin ist es quasi eine Rückkehr zu ihren Wurzeln: An dieser Adresse sei vor über 100 Jahren die Baufirma Marti gegründet worden, steht auf der eigens eingerichteten Website freiburgstrasse129.ch.
Info-Veranstaltung für Bevölkerung
Schon am kommenden Montag, 17. August 2026 sind Nachbarschaft und Quartierbevölkerung zu einer Informations- und Partizipationsveranstaltung eingeladen.
Dort soll man Genaueres über den Projektwettbewerb und den Zeitplan erfahren. In einem zweiten Teil soll die Bevölkerung dann auch mitreden und ihre Anliegen einbringen können.

Auf Anfrage betont die Marti AG: «Für unsere Immobilienprojekte sind eine frühe und laufende Information sowie eine angemessene Partizipation ein wichtiger Mehrwert.»
So könne man Anliegen aufnehmen und mögliche Konflikte früh erkennen.
Hochhaus-Quartier Holligen
Ein Hochhaus so hoch wie das Inselspital-Hauptgebäude – das klingt ziemlich gross.
Es passt aber in die weiteren Pläne der Stadt Bern rund um den Europaplatz: Mitte Juni sagte die Berner Stimmbevölkerung Ja zum Bau eines neuen Quartiers auf dem heutigen Areal von EWB und BLS. Dort sollen unter anderem gleich vier Hochhäuser entstehen mit bis zu 115 Metern Höhe.

Auch beim Projekt an der Freiburgstrasse ist die Stadt Bern involviert, erläutert die Marti AG gegenüber dem «BärnerBär». Ein Planungsvertrag regle die weiteren gemeinsamen Planungsschritte.
Programm und weitere Grundlagen des geplanten Wettbewerbs habe man gemeinsam erarbeitet. In der Wettbewerbsjury nehme auch das Stadtplanungsamt Einsitz.
Nach Abschluss des Wettbewerbs werde das Amt die Überbauungsordnung erarbeiten sowie das Planerlassverfahren durchführen – inklusive Volksabstimmung.
«Café Toujours»: Aktuelles Gebäude seit Jahrzehnten besetzt
Das gemeinsame und partizipative Vorgehen dürfte sich lohnen. Denn unabhängig davon, ob man Hochhaus-Ästhetik nun mag oder nicht, gibt es auch so diverse Knackpunkte.
So dürfte je nach Tages- und Jahreszeit zumindest die erste Häuserzeile vis-à-vis an der Bahnstrasse im Hochhaus-Schatten zu liegen kommen.
Zudem befindet sich aktuell auf dem Grundstück ein besetztes Gebäude. In der einen Haushälfte wird seit Jahren das «Café Toujours» betrieben. Seit zwei Jahrzehnten liegen Besetzende und Baufirma im Streit.

Just diesen Frühling wurde auch die andere Haushälfte noch besetzt. Doch die Marti AG bleibe zuversichtlich.
Zwar räumt man ein: «Einsprachen oder Beschwerden können bei einem Bauprojekt grundsätzlich nie vollständig ausgeschlossen werden.»
Doch das Projekt erfülle sämtliche gesetzlichen Vorgaben, auch hinsichtlich Schattenwurfs und Besonnung. «Wir gehen deshalb davon aus, dass die Auswirkungen auf die Nachbarschaft verhältnismässig und rechtlich unproblematisch sind.»
Bleiben die Hausbesetzer: «Mit den beiden Kollektiven wurden Verträge für die Zwischennutzung abgeschlossen», erläutert die Marti AG. Diese seien befristet bis die Baubewilligung – also Abbruch und Neubau – rechtskräftig würden.
«Wir sind aufgrund der Vereinbarungen und unserem mittlerweile vertrauensvollen Verhältnis zu den beiden Kollektiven zuversichtlich, dass diese ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen, und auf diesen Zeitpunkt die Liegenschaften verlassen werden.»








