Zugverbindung zwischen Livigno (I) und S-chanf wird weiterverfolgt
Dereinst sollen Livigno (I) und S-chanf GR mit einer Zugverbindung deutlich näher zusammenrücken. Diese Pläne wurden vergangene Woche an einer Informationsveranstaltung in Livigno genauer vorgestellt. Der Weg zu diesem Ziel ist allerdings noch weit. Keystone-SDA fasst den Stand der Dinge zusammen.

Das ist der aktuelle Stand des Projekts:
Das Projekt befindet sich in einer sehr frühen Phase. Erstellt wurde bisher gemäss einer Medienmitteilung zur Informationsveranstaltung nur ein Bedarfsplan.
«Die Idee dieser Verbindung ist im Laufe von 20 Jahren gereift. In diesem Zeitraum wurden die institutionellen Beziehungen und Abkommen zwischen Italien und der Schweiz entwickelt», erklärte der Präsident der Provinz Sondrio (I), Davide Menegola, gegenüber Keystone-SDA. Aus diesem Prozess heraus sei man zur Definition des Bedarfsplans gelangt – ein erster konkreter Schritt zur Realisierung des Grossbauprojekts.
Der nächste Schritt werde die technisch-wirtschaftliche Machbarkeitsvorstudie sein, die es ermöglichen werde, die Verantwortlichkeiten jeder beteiligten Partei sowie die erforderlichen Ressourcen festzulegen. Der Weg erfordere Gründlichkeit und ein schrittweises Vorgehen: von der gemeinsamen Idee zum Bedarfsplan, von der Machbarkeitsvorstudie zur Festlegung der Lasten und Zuständigkeiten unter den beteiligten Akteuren. Ein möglicher Zeitplan oder erwartete Kosten sind also noch nicht definiert.
Darum wird das Projekt weiterverfolgt:
Das Gebiet der angedachten Bahnlinie liegt an einem wichtigen europäischen Nord-Süd-Knotenpunkt. Die Grenzüberschreitung ist aufgrund des unwegsamen Terrains jedoch schwierig. Das hat Auswirkungen auf die tägliche Mobilität und die Luftqualität. Zwischen November 2023 und Januar 2024 registrierte die Gemeinde Livigno gemäss einer Mitteilung im Grenzgebiet durchschnittlich rund 20'000 Fahrzeuge pro Tag im Transit. Andererseits ist das Potenzial gemäss Mitteilung hoch: Die Rhätische Bahn, die mit dem Bernina-Express Tirano mit St. Moritz verbindet, hat 2023 die Millionengrenze bei den Fahrgästen überschritten.
Das steht im präsentierten Bedarfsplan:
Eine von Redas Engineering vorgelegte Studie geht von einer Trasse mit einer Länge von 14,64 Kilometern aus, davon 12,2 Kilometer im Tunnel. Die geschätzte Fahrzeit soll sieben bis zehn Minuten betragen. Mit dem Auto benötigen Reisende heute für dieselbe Strecke rund 49 Minuten und über zwei Stunden mit dem derzeitigen öffentlichen Verkehr. Der Betrieb ist mit 12 Fahrten pro Tag im Winter und 15 im Sommer vorgesehen. Die Verbindung von Livigno nach St. Moritz GR würde sich von derzeit zwei Stunden auf 57 Minuten verkürzen.
Das Nachfragepotenzial wird auf zwischen 68'000 und 193'000 Fahrgäste pro Jahr geschätzt, darunter Grenzgänger, Touristen und Ausflügler. Als zusätzlichen Nutzen erhoffen sich die Verantwortlichen vom Projekt gemäss Mitteilung eine mögliche Entlastung des Fahrzeugverkehrs an den Grenzübergängen von Livigno.
Das sagt die Rhätische Bahn zum Projekt:
Mediensprecherin Yvonne Dünser sagt gegenüber Keystone-SDA, dass durch die grosse Anzahl an Arbeitspendlern von Livigno ins Oberengadin, die vielen Tagesausflügler nach Livigno und die im Vergleich zur Strasse sehr attraktive Reisezeit eine solche Verbindung durchaus Potenzial hätte.
Die RhB nehme die Vorstudie zur Machbarkeit der Bahnverbindung daher wohlwollend zur Kenntnis und habe ihre Langfristplanung so gestaltet, dass eine solche Verbindung zukünftig in das geplante Fahrplankonzept im Oberengadin gut integriert werden könnte.
«Die grosse Herausforderung wird allerdings die Finanzierung der erforderlichen Infrastruktur sein, insbesondere im Kontext der aktuellen Diskussionen zum Programm «Verkehr 45» in der Schweiz, in das dieses Vorhaben bisher nicht aufgenommen wurde«, sagt Dünser. Umso mehr werde die finanzielle Beteiligung durch Italien entscheidend für die Realisierungschancen sein.










