EU

    Zoff mit Ungarn: EU droht mitten in Corona-Krise neue Zerreissprobe

    Keystone-SDA
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    Belgien,

    Die Corona-Hilfe der EU kommt ins Stocken. Ungarn will das Paket mit einem Veto blockieren. Stein des Anstosses ist die Konditionalitätsregelung.

    Merkel Orban
    Bundeskanzlerin Merkel und Viktor Orban, Premierminister von Ungarn, begrüssen sich Anfang Oktober beim EU-Gipfel in Brüssel. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ungarn will dem nächsten EU-Finanzpaket nicht zustimmen.
    • Damit könnte auch die Corona-Hilfe platzen.

    In der EU eskaliert der Streit über ein Instrument zur Ahndung von Verstössen gegen die Rechtsstaatlichkeit. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur teilte Ungarn am Mittwochabend bei einer Sitzung der ständigen Vertreter der Mitgliedstaaten mit, dem gerade erst mit dem Europaparlament abgestimmten Finanzpaket für die kommenden sieben Jahre nicht zustimmen zu können.

    Grund sei, dass die zusätzlich geplante Konditionalitätsregelung zum Schutz des EU-Haushalts gegen Absprachen der Staats- und Regierungschefs aus dem Monat Juli verstosse.

    Sollte Ungarn den Ankündigungen Taten folgen lassen, könnten auch die geplanten europäischen Corona-Hilfen im Umfang von bis zu 750 Milliarden Euro nicht wie vorgesehen auf den Weg gebracht werden. Dies wiederum könnte für Länder wie Italien schwerwiegende wirtschaftliche Konsequenzen haben.

    Weniger EU-Geld für Ungarn?

    Die von Ungarn kritisierte Konditionalitätsregelung soll es ermöglichen, im grossen Stil EU-Gelder zu kürzen, wenn in einem Mitgliedsland der Rechtsstaat gefährdet ist und dadurch der Missbrauch von EU-Mitteln droht oder bereits stattfindet. Konkret könnte dies zum Beispiel dann der Fall sein, wenn mangelnde Unabhängigkeit von Gerichten in einem Empfängerstaat den Missbrauch von EU-Mitteln ermöglicht oder sogar ganz klar fördert.

    Viktor Orbán Fidesz
    Orbans Regierung pflegt gute Beziehungen zum Kreml und hat mehrfach versucht, EU-Sanktionen gegen Russland zu verhindern. (Archivbild) - dpa

    Vor allem den Regierungen in Ungarn und Polen wurde zuletzt immer wieder vorgeworfen, ihren Einfluss auf die Justiz auszubauen. Alle Versuche, sie mit politischen Mitteln zu einem Kurswechsel zu bewegen, blieben bislang aber erfolglos. Die Kritik wird aus Warschau und Budapest kategorisch zurückgewiesen.

    Ob auch Polen wegen des geplanten Instruments seine Zustimmung zum Finanzpaket verweigern will, war zunächst unklar. Nach dpa-Informationen liess der ständige Vertreter des Landes am Mittwochabend nur wissen, dass noch eine Prüfung laufe.

    Einstimmiger Beschluss notwendig

    Weil für die Kernelemente des Finanzpakets einstimmige Beschlüsse notwendig sind, würde aber ohnehin schon ein Veto Ungarns ausreichen, um die Umsetzung zu stoppen. Um die Konditionalitätsregelung zu beschliessen, braucht es hingegen nur eine qualifizierte Mehrheit. Diese ist bereits erreicht, wenn 15 EU-Staaten zustimmen, die zusammen mindestens 65 Prozent der Gesamtbevölkerung der Union ausmachen.

    EU-Parlament
    Der Plenarsaal des EU-Parlaments in Strassburg. - Dpa

    Wie der Konflikt mit Ungarn gelöst werden könnte, ist derzeit völlig unklar. Denkbar ist, dass die Staats- und Regierungschefs sich bei einem Gipfel mit dem Thema beschäftigen müssen.

    Dass der Konditionalitätsmechanismus doch noch aufgegeben wird, gilt als nahezu ausgeschlossen. In diesem Fall dürften nämlich EU-Länder wie die Niederlande oder das Europaparlament das Finanzpaket aus Protest blockieren.

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