Angesichts der humanitären Krise in Afghanistan hat sich erstmals ein führender Taliban mit einem Hilfsappell an die internationale Gemeinschaft gewandt.
Abdul Ghani Baradar
Abdul Ghani Baradar - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Baradar: Humanitäre Verpflichtungen ohne Voreingenommenheit erfüllen.

«Die Welt muss die afghanische Bevölkerung ohne politische Voreingenommenheit unterstützen und ihre humanitäre Pflicht erfüllen», sagte der Vize-Chef der Taliban, Abdul Ghani Baradar, am Freitag in einer Video-Botschaft. «An vielen Orten haben die Menschen jetzt keine Lebensmittel, Unterkunft, warme Kleidung oder Geld.»

Seit der Machtübernahme der Taliban Mitte August rutschte das Land ins finanzielle Chaos ab, Inflation und Arbeitslosigkeit stiegen stark an. Die USA froren Milliarden-Guthaben Afghanistans ein, Hilfslieferungen wurden gestoppt. Hilfsorganisationen warnten, dass mehr als der Hälfte der 38 Millionen Einwohner im Winter Hunger drohe.

«Wir rufen die internationale Gemeinschaft, die NGOs und alle Länder auf, unsere armen Menschen nicht zu vergessen», sagte Baradar. In Kabul, wo seit Jahren kein Schnee gefallen war, lag am Freitag eine dicke Schneedecke. Viele Afghanen bemühen sich um eine Heizung, während häufig der Strom ausfällt.

Der UN-Sicherheitsrat hatte im Dezember einstimmig beschlossen, dass humanitäre Hilfe nach Afghanistan geliefert werden kann. Allerdings soll die Hilfe nicht direkt in die Hände der Taliban geraten. Die Resolution des UN-Sicherheitsrats gilt für ein Jahr. Die Taliban bezeichneten sie als einen «guten Schritt».

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