Die UN-Expertin Anais Marin ist alarmiert. Sie kritisiert das gewaltsame Vorgehen der Belarus-Regierung gegen Oppositionelle scharf.
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Belarussischer Präsident Alexander Lukaschenko - POOL/AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Die UN-Expertin Anais Marin kritisiert die belarussische Regierung scharf.
  • Das Vorgehen mit den Oppositionellen sei «eine Form der politischen Säuberung».
  • Die «katastrophale Lage» habe sich seit September noch weiter verschlechtert.

Eine Expertin der Vereinten Nationen hat das Vorgehen der belarussischen Regierung gegen Oppositionelle scharf kritisiert.

Aktionen wie die Zwangsumleitung eines Flugzeugs zur Verhaftung eines Regierungskritikers seien «eine Form der politischen Säuberung». Die Praktiken erinnern an totalitäre Regime, warnte am Montag die UN-Sonderberichterstatterin für Belarus, Anais Marin. Die «bereits katastrophale» Lage in ihrem vorherigen Bericht im September habe sich nochmals verschlechtert.

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Der Journalist Roman Protassewitsch, hier bei einer Verhaftung durch belarussische Polizisten im Jahr 2017. - dpa

Die belarussischen Behörden gehen seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl vom August vergangenen Jahres gewaltsam gegen Demonstranten und Regierungsgegner vor. International für grosse Empörung sorgte zudem die erzwungene Landung eines Ryanair-Flugzeuges in Minsk Ende Mai. Damals wurde der regierungskritische Blogger Roman Protassewitsch festgenommen.

560 «Gewissensgefangene» in belarussischen Gefängnissen

«Dieser Vorfall (...) zeigt die Bereitschaft der Behörden, alle Formen von Dissens zu beenden», sagte Marin. Dafür gingen sie mit aller Macht gegen Menschen vor, «die sie als unerwünscht erachten». Bürger, die Präsident Alexander Lukaschenko kritisch sähen, hätten lediglich die Wahl zwischen Selbstzensur, drohender Festnahme oder Flucht ins Ausland.

Alexej Nawalny
Mit massiver Gewalt gehen Sicherheitskräfte den Demonstrationen gegen Machthaber Alexander Lukaschenko in Belarus entgegen. - dpa

Der Bericht der UN-Expertin stuft 530 Menschen in belarussischen Gefängnissen als «Gewissensgefangene» ein, darunter drei Bewerber um das Präsidentenamt. Im vergangenen Jahr seien insgesamt mehr als 35'000 Menschen willkürlich festgenommen worden. Dies, weil sie sich friedlich versammelt oder sich mit den Opfern von Rechtsverletzungen solidarisiert hätten. Vieles deute zudem auf die «systematische» Folterung von Festgenommenen hin.

Aktivisten und Journalisten hätten es in Belarus seit Jahrzehnten schon nicht einfach gehabt, heisst es in dem Bericht weiter. «Aber die gegenwärtige Welle der Repression betrifft die gesamte Bevölkerung, keine Generation oder sozial-professionelle Kategorie wird verschont.»

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