Trump fordert Milliarden für Ukraine-Waffen von Europa zurück
Trump fordert von Europa Milliarden für frühere Ukraine-Waffen zurück. Die Summe schrumpft bei genauerem Hinsehen – rechtlich ist sie kaum haltbar.

US-Präsident Donald Trump verlangt von europäischen Staaten die nachträgliche Bezahlung amerikanischer Militärhilfen für die Ukraine. Wie «ms-aktuell» berichtet, erhob er die Forderung am 3. September 2026 auf seiner Plattform Truth Social.
Demnach wirft Trump dem früheren Präsidenten Joe Biden vor, der Ukraine und der Nato Milliarden ohne Gegenleistung bereitgestellt zu haben. «Wir werden dieses Geld einfordern, wenn auch etwas verspätet», schrieb Trump laut dem «Tagesspiegel».
Welche Länder konkret zahlen sollen und in welcher Höhe, liess Trump offen. Er nannte weder einen Verteilungsschlüssel noch eine genaue Zielsumme.
Was steckt wirklich hinter den 195 Milliarden?
Der «Focus» hat die genannte Gesamtsumme genauer unter die Lupe genommen. Der US-Kongress hatte seit Kriegsbeginn 2022 bis Ende März 2026 195 Milliarden Dollar (157 Mrd. Franken) für die Ukraine-Reaktion genehmigt.
In dieser Summe stecken aber auch Ausgaben für US-Truppen in Europa sowie Mittel zur Auffüllung amerikanischer Waffenlager. Nur rund 67,8 Milliarden Dollar (54,8 Mrd. Franken) entfielen laut «Focus» direkt auf Militärhilfe für die Ukraine.
Das Kieler Institut für Weltwirtschaft relativiert Trumps Darstellung zusätzlich. Die USA brachen ihre zugesagte Hilfe 2025 um 99 Prozent ein, während Europa seine militärischen Zusagen um 67 Prozent steigerte.
Europa stockt auf – bleibt aber abhängig
Die EU und ihre Mitgliedstaaten bezifferten ihre gesamte Unterstützung bis Mitte Juni 2026 auf über 226 Milliarden Dollar. Umgerechnet sind dies 182,7 Milliarden Franken. Europa ist damit zum grössten Geldgeber militärischer Hilfe geworden, wie «ms-aktuell» berichtet.
Dennoch bleibt eine strukturelle Abhängigkeit bestehen. Wie «Tichys Einblick» berichtet, stammen über 90 Prozent der über die Nato-Initiative PURL bereitgestellten Milliarden aus US-amerikanischen Beständen.

Kieler Experte Federico Mellace bringt es auf den Punkt: «Europa ist weiterhin auf den Zugang zu US-Waffensystemen angewiesen.» Genau darin liegt Trumps politischer Hebel, wie der «Focus» einordnet.
Deutschlands theoretischer Anteil
Der «Focus» rechnet vor, was auf Deutschland entfallen könnte. Bei einer Zahlung nach Wirtschaftsleistung hätte Deutschland einen Anteil von rund 23,8 Prozent an den EU-Staaten.
Das ergäbe je nach Berechnungsvariante zwischen rund 16 und bis zu 46 Milliarden Dollar (12,9 bis 37,1 Mrd. Franken). Diese Zahlen sind jedoch rein hypothetisch – ein rechtlicher Anspruch Washingtons existiert derzeit nicht.
Der US-Kongressdienst CRS unterscheidet ausdrücklich zwischen Zuschüssen und Krediten. Einmal gewährte Zuschüsse lassen sich nicht per Präsidentenerlass in Forderungen gegenüber Drittstaaten umwandeln, wie der «Fcous» festhält.












