Selenski löst mit Ukraine-Regierungsumbau Rätsel aus
Selenski setzt Ministerpräsidentin Swyrydenko ab – nach nur einem Jahr im Amt. Die Ukraine rätselt über die Hintergründe des Schritts.

Selenski hat überraschend eine umfassende Regierungsumbildung in der Ukraine angekündigt.
Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko soll ihren Posten räumen, wie «T-Online» berichtet.
Swyrydenko steht erst seit Juli 2025 an der Spitze des ukrainischen Kabinetts. Ihr Rücktritt bedarf der Zustimmung des Parlaments und zieht nach ukrainischem Recht den Rücktritt des gesamten Kabinetts nach sich.
Selenski nennt «neue Strategie» der Ukraine als Grund
Selenski selbst blieb laut «T-Online» in seiner Begründung vage und sprach von einer aktualisierten politischen Strategie der Ukraine.
«Zu den wichtigsten Prioritäten zählen die USA und unsere Abkommen über Lizenzen für die Produktion von Patriot-Raketen», schrieb er.
Er lobte Swyrydenko ausdrücklich für ihre Arbeit und erklärte, er habe ihr eine neue Aufgabe im Bereich der Schlüsselpartnerschaften angeboten. Swyrydenko selbst bestätigte auf Facebook, dass sie dem ukrainischen Staat weiterhin dienen werde.
Botschafterin in Washington?
Spekulationen über ein mögliches neues Amt machen rasch die Runde.
Nach Informationen des Oppositionsabgeordneten Jaroslaw Schelesniak könnte Swyrydenko künftig als ukrainische Botschafterin in den USA tätig werden, berichtet «exxpress.at».
Tatsächlich verfügt Swyrydenko über einschlägige Erfahrung in der Krisendiplomatie, so «T-Online». Sie war 2024 an den Verhandlungen zum EU-Hilfspaket beteiligt und warb im US-Senat für Ukraine-Hilfen.
Patriot-Mangel als treibende Kraft
Der akute Mangel an Patriot-Raketen gilt derzeit als grösstes militärisches Problem der Ukraine. Mit keinem anderen Flugabwehrsystem kann sich das Land gegen Russlands ballistische Raketen schützen, berichtet der «Tagesspiegel».
Erst beim Nato-Gipfel in Ankara hatte die US-Regierung der Ukraine eine weitreichende Zusage gemacht. Laut «T-Online» soll die Ukraine künftig selbst Patriot-Raketen in Lizenz produzieren dürfen.
Selenski hatte einen Tag vor der Regierungsumbildung eine diplomatische Initiative angekündigt, beschlossene Waffenlieferungen rascher umzusetzen.
Auch das Parlament in Kiew rätselt
Auch ukrainische Parlamentarier zeigen sich überrascht von Selenskis Entscheid.

«Ein bisschen seltsam ist es schon», wird ein Parlamentsmitglied vom «Kyiv Independent» anonym zitiert, wie «T-Online» wiedergibt.
Offenkundige Gründe für den Rücktritt Swyrydenkos gebe es jedenfalls nicht, so das Mitglied weiter. Regierungsumbildungen gälten eigentlich als Notmassnahme und setzten aussergewöhnliche Umstände voraus.












