Russisches Spionagenetzwerk: Ex-Beamter in Wien verurteilt
Ein ehemaliger österreichischer Verfassungsschützer ist wegen Spionage für Russland zu vier Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Die Geschworenen am Landesgericht Wien sahen es als erwiesen an, dass der 63-jährige Egisto Ott als Komplize des geflüchteten ehemaligen Wirecard-Managers Jan Marsalek tätig war.

Ott wurde unter anderem auch wegen Amtsmissbrauchs und Bestechlichkeit schuldig gesprochen. Die Staatsanwaltschaft warf Ott vor, unter anderem Informationen zu Russen gesammelt zu haben, die aus ihrer Heimat geflohen waren – darunter ein Ex-Geheimdienstmitarbeiter, der bei Russlands Präsident Wladimir Putin in Ungnade gefallen war.
Ausserdem soll er Handys von führenden Beamten des österreichischen Innenministeriums beschafft und über Mittelsmänner nach Moskau geliefert haben.
Otts Verbindung nach Moskau lief nach Darstellung der Anklage über ein Spionagenetzwerk. Darin soll nicht nur der Österreicher Marsalek eine zentrale Rolle gespielt haben, sondern auch eine Gruppe von Bulgaren. Sie wurden bereits vergangenes Jahr in London als Teil eines russischen Spionagerings verurteilt.
Marsalek sass weder in Wien noch in London auf der Anklagebank – er wird in Russland vermutet und mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Ein weiterer österreichischer Verfassungsschützer, der in der Informationskette zwischen Marsalek und Ott gestanden haben soll, hat sich ebenfalls ins Ausland abgesetzt.
Ott hat die Vorwürfe vor Gericht bestritten. Er habe nicht für Moskau gearbeitet, sondern in Zusammenarbeit mit einem westlichen Dienst eine geheime Operation durchgeführt, erklärte er. Ein weiterer ehemaliger Verfassungsschützer wurde als Mithelfer von Ott zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter gegen Ott, wie eine Sprecherin der Behörde der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Dabei geht es um den Verdacht, dass er auch an persönliche Daten von Zehntausenden Mitarbeitern des Innenministeriums gelangt ist.
Unterdessen plant die österreichische Regierung Massnahmen, um Geheimdienst-Aktivitäten insbesondere vonseiten Russlands einen Riegel vorzuschieben. Sie arbeitet aktuell an der Verschärfung von Spionage-Paragrafen im Strafrecht. Denn Österreichs Hauptstadt gilt als Tummelplatz für Geheimdienste aus aller Welt – nicht zuletzt wegen der vielen internationalen Organisationen und Uno-Behörden, die hier ansässig sind.










