Massenamnestie in Myanmar: Früherer Präsident kommt frei

Keystone-SDA
Keystone-SDA

Myanmar,

Der frühere Präsident von Myanmar, Win Myint, ist im Zuge einer Massenamnestie der Militärjunta überraschend freigelassen worden. Anlass sei das traditionelle Neujahrsfest des Landes, zu dem die Führung fast 4.500 Gefangene begnadigt hat, darunter auch Ausländer, wie staatsnahe Medien berichteten.

ARCHIV - 16.04.2018, Myanmar, Naypyidaw: Win Myint, Präsident von Myanmar, tanzt am letzten Tag des Neujahrsfestes Thingyan. Foto: Aung Shine Oo/AP/dpa
ARCHIV - 16.04.2018, Myanmar, Naypyidaw: Win Myint, Präsident von Myanmar, tanzt am letzten Tag des Neujahrsfestes Thingyan. Foto: Aung Shine Oo/AP/dpa - Keystone/AP/Aung Shine Oo

Win Myint war nach dem Militärputsch am 1. Februar 2021 gemeinsam mit der damaligen Regierungschefin Aung San Suu Kyi festgenommen worden. Später verurteilte ihn ein Gericht wegen angeblicher Vergehen zu mehr als neun Jahren Haft. Auch Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi (80) wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Ob es für sie ebenfalls Hoffnung auf eine Freilassung gibt, war zunächst unklar.

Insgesamt wurden rund 4.300 Gefangene sowie 179 ausländische Staatsbürger freigelassen. Vor dem berüchtigten Insein Prison in der grössten Stadt Yangon (früher: Rangun) warteten Hunderte Angehörige auf Nachrichten über ihre inhaftierten Familienmitglieder. Unter den Entlassenen soll sich auch die preisgekrönte Dokumentarfilmerin Shin Daewe (53) befinden, die 2024 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, wie verschiedene Medien in dem Krisenland berichteten.

In den vergangenen Jahren hat die Junta anlässlich wichtiger Feiertage bereits mehrfach Tausende Häftlinge freigelassen. Die jüngste Amnestie erfolgte in einer Phase politischer Umbrüche: Im Dezember und Januar hatten die Generäle eine international umstrittene Parlamentswahl durchführen lassen, aus der wie erwartet die vom Militär unterstützte und faktisch konkurrenzlose «Union Solidarity and Development Party» (USDP) als Sieger hervorging.

Anfang April hatte das vom Militär kontrollierte Parlament Armeechef Min Aung Hlaing zum Präsidenten gewählt. Kritiker und internationale Beobachter sehen darin jedoch keinen echten demokratischen Prozess, sondern eine Inszenierung zur Festigung der Militärmacht.

Seit dem Putsch befindet sich Myanmar in einer schweren Krise. Das Militär hatte damals die gewählte Regierung entmachtet, was landesweite Proteste und einen anhaltenden bewaffneten Konflikt auslöste. Seither prägen Gewalt, wirtschaftlicher Niedergang und Widerstand gegen die Junta das Land.

Kommentare

User #5893 (nicht angemeldet)

War vor 2 Wochen in einem Flüchtlingslager der vertriebenen aus Myanmar. War echt gegenwärtig für mich! Hoffe auf schnellen Frieden!!!!!!

Weiterlesen

Tivoli
51 Interaktionen
Vorurteil
Urs Kessler Patrick Fischer
89 Interaktionen
Jetzt LIVE

MEHR IN POLITIK

7 Interaktionen
Berlin
EU Schweiz Güterzug Regeln
24 Interaktionen
Gotthard-Unfall
Trump krieg iran
4 Interaktionen
US-Militäreinsatz

MEHR AUS MYANMAR

4 Interaktionen
Naypyidaw
3 Interaktionen
Naypyidaw
erdbeben
Ein Jahr danach
5 Interaktionen
Erstmals seit Putsch