Eine deutsch-polnische Expertenkommission hat ihr Konzept für den in Berlin geplanten Ort des Gedenkens an die NS-Opfer in Polen vorgelegt.
Maas bei der Vorstellung des Konzepts in Berlin
Maas bei der Vorstellung des Konzepts in Berlin - POOL/AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Maas bezeichnet Ort des Erinnerns und der Begegnung als «fundamental wichtig».

Der geplante Ort des Erinnerns und der Begegnung mit Polen sei «fundamental wichtig», sagte Bundesaussenminister Heiko Maas (SPD) bei der Vorstellung des Konzepts am Mittwoch in Berlin. «Als Geste an die polnischen Opfer ? und als ein Schritt, der die Erinnerungskulturen unserer Länder einander näherbringt.»

Der Ort soll sich auf zwei Wesenskerne stützen: Erinnerung einerseits sowie Bildung und Begegnung andererseits. Im Zentrum soll demnach ein Denkmal für die Opfer des Krieges und der nationalsozialistischen Besatzung in Polen stehen. Zudem sollen Ausstellungen die deutsche Besatzung und die deutsch-polnischen Beziehungen beleuchten. Daneben sollen Menschen aus Deutschland und Polen durch Bildungsangebote, Konferenzen und Zeitzeugengespräche zusammengebracht werden.

Als geeignete Orte schlug die Kommission, der 16 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft angehörten, das Gelände der ehemaligen Kroll-Oper südlich des Bundeskanzleramts im Tiergarten sowie das Grundstück neben der Ruine des Anhalter Bahnhofs am Askanischen Platz in Berlin vor. Das Auswärtige Amt hat nach Angaben der Expertenkommission eine Anschubfinanzierung in Höhe von 200.000 Euro für das Haushaltsjahr 2022 zugesagt.

Nach der Bundestagswahl muss der neue Bundestag über das Konzept entscheiden. «Das erarbeitete Konzept markiert nicht das Ende, sondern gerade den Beginn einer breiten gesellschaftlichen Diskussion», sagte der Vorsitzende der Expertenkommission, Rolf Nikel, der früher deutscher Botschafter in Warschau war.

«Aus Gründen der Arbeitsfähigkeit» hätten nicht alle Interessierten in die Kommission aufgenommen werden können, erklärte Nikel. Es seien jedoch auch informelle Konsultationen unter anderem mit Opferverbänden und Zeitzeugen geführt worden.

Nach einem Architekturwettbewerb soll in der kommenden Legislaturperiode der Grundstein gelegt werden. Maas zeigte sich überzeugt, dass der Gedenkort zu einem «Fixpunkt» werden könne - «physisch: im Zentrum Berlins; und geistig: in der Gedenkkultur unserer Gesellschaft». Der Minister unterstützte die Empfehlung der Kommission, die Umsetzung des Vorhabens in den künftigen Koalitionsvertrag aufzunehmen.

Der Bundestag hatte sich im vergangenen Oktober mit breiter Mehrheit für die Errichtung des Gedenkortes ausgesprochen, was auf eine zivilgesellschaftliche Initiative zurückgeht. Mit dem Bundestagsbeschluss sei «eine lange, zum Teil sehr kontrovers geführte Debatte befriedet» worden, sagte Nikel. Das Projekt war jahrelang diskutiert worden. Kritiker warnten vor einer Nationalisierung des Gedenkens. Sie befürchteten, dass andere NS-Opfer in den Hintergrund rücken könnten.

Die deutsche Wehrmacht war am 1. September 1939 in Polen einmarschiert. Der Überfall auf das Nachbarland markierte den Beginn des Zweiten Weltkriegs. In Polen wurden rund sechs Millionen Menschen getötet, etwa die Hälfte von ihnen waren Juden.

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