Der ehemalige Präsident des Irans Abolhassan Banisadr ist im Alter von 88 Jahren nach dem «langen Kampf mit einer Krankheit» in Frankreich gestorben.
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Abolhassan Banisadr im August 1981 - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Banisadr kämpfte für einen demokratischen Iran – musste aber aus dem Land flüchten.
  • Er lebte in Frankreich im Exil und äusserte sich öfters kritisch über die Regierung.
  • Nun ist er nach langem Kampf mit einer Krankheit gestorben.

Der erste iranische Präsident nach der islamischen Revolution im Jahr 1979, Abolhassan Banisadr, ist tot. Er starb am Samstag mit 88 Jahren «nach langer Krankheit» in Paris, wie die iranische Nachrichtenagentur Irna meldete. Banisadr lebte seit seinem Sturz im Jahr 1981 im französischen Exil.

Der liberale Muslim und Verfechter eines demokratischen Systems im Iran galt lange als enger Vertrauter von Revolutionsführer Ayatollah Khomeini. Er scheiterte jedoch am Widerstand der konservativen Hardliner und wurde schliesslich zum Regierungsgegner im Exil.

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Abolhassan Banisadr in 2019. - Keystone

Banisadrs Familie bestätigte den Tod des 88-Jährigen. Sie wolle darüber informieren, dass Banisadr «nach einem langen Kampf gegen seine Krankheit» gestorben sei, erklärte die Familie in Frankreich. Abolhassan Banisadr sei ein «Verteidiger von Freiheiten» gewesen.

Abolhassan Banisadr früher Gegner des Schah-Regimes

Banisadr wurde 1933 in einem Dorf im Westen Irans geboren und engagierte sich seit seinem 17. Lebensjahr in der Nationalen Front, der Bewegung des Nationalistenführers Mohammad Mossadegh. Nach seinem Studium der Theologie, Wirtschaft und Soziologie wurde Banisadr zu einem führenden Gegner des Schah-Regimes.

1963 verliess er den Iran ein erstes Mal und liess sich in Paris nieder. Später unterstützte er den Zusammenschluss der iranischen Opposition unter dem im Irak lebenden Khomeini. 1978 ging Khomeini nach Frankreich, Banisadr wurde einer seiner engsten Vertrauten und Berater. 1979 kehrten sie gemeinsam in den Iran zurück.

Nach der Revolution und dem Sturz des Schahs wurde Banisadr zunächst Wirtschafts- und Aussenminister. Im Januar 1980 wählte das Parlament ihn zum Präsidenten. Vielen galt er als Khomeinis Ziehsohn.

Schwierige Amtszeit

Von Beginn seiner Amtszeit an sah sich Abolhassan Banisadr jedoch mit immensen Schwierigkeiten konfrontiert: der Geiselnahme in der US-Botschaft, dem Krieg mit dem Irak, einer Wirtschaftskrise und vor allem dem Widerstand der fundamentalistischen Kleriker. Als Befehlshaber der iranischen Streitkräfte organisierte er das Militär neu und verbrachte viel Zeit an der Front des Krieges.

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Abolhassan Banisadr im Iran. - Keystone

Als Verfechter eines demokratischen «islamischen dritten Weges» hatte er in den Reihen der Hardliner viele Gegner. Nach anhaltenden Auseinandersetzungen mit hochrangigen Mitgliedern des schiitischen Klerus kam der Demokratisierungsprozess zum Stillstand. Im Juni 1981 wurde Banisadr vom Parlament wegen «politischer Unfähigkeit» mit Zustimmung Khomeinis abgesetzt.

Flüchtete in Militärflugzeug

Ende Juli desselben Jahres verliess er den Iran versteckt an Bord eines Militärflugzeugs. Bei seiner Ankunft in Frankreich beantragte er politisches Asyl. Zudem gründete er kurze Zeit später zusammen mit Massud Rajawi, dem Anführer der Volksmudschahedin, den Nationalen Widerstandsrat des Iran. Nach knapp drei Jahren verliess er die Organisation jedoch wieder.

Seit 1984 lebte Banisadre in Versailles bei Paris. In die iranische Politik mischte er sich immer wieder mit scharfer Kritik an der Führung in Teheran ein. «Das Regime bewegt sich auf den Abgrund zu und hält sich nur mit Gewalt und Terror an der Macht.» Dies erklärte er nach der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste gegen Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschads umstrittene Wiederwahl in 2009.

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