Strafen für Drohungen im Netz werden drastisch verschärft

    AFP
    AFP

    Deutschland,

    Wer im Netz mit Mord oder Vergewaltigung droht, soll künftig deutlicher härter bestraft werden als bisher.

    Facebook-Logo
    Facebook-Logo - AFP

    Das Wichtigste in Kürze

    • Gesetz gegen Hasskriminalität kommt Mittwoch ins Kabinett.

    Der Gesetzentwurf gegen Hasskriminalität, der am Mittwoch im Bundeskabinett beraten werden soll, sieht eine Verdreifachung des Strafrahmens von einem auf drei Jahre vor. Schwere Fälle von Hasskriminalität sollen künftig der neuen Zentralstelle beim Bundeskriminalamt (BKA) gemeldet werden.

    Künftig sind auch Drohungen mit sexuellen Übergriffen, Gewalttaten und erheblichen Sachbeschädigungen erfasst - etwa die Drohung, das Auto anzuzünden. Hier ist das Strafmass bei öffentlichen Drohungen im Netz bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.

    Die Netzwerkbetreiber müssen dem AFP vorliegenden Entwurf zufolge künftig schwere Straftaten wie Morddrohungen, die Belohnung und Billigung von Delikten sowie Volksverhetzung und Gewaltdarstellungen melden müssen. In dem Entwurf, über den auch die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten, wird von 250.000 gemeldeten Fällen pro Jahr ausgegangen.

    Bei Delikten wie Beleidigung oder übler Nachrede soll es den Betroffenen überlassen bleiben, ob sie eine Strafverfolgung wünschen. Betreiber sozialer Netzwerke müssen künftig mit Bussgeldern von bis zu 50 Millionen Euro rechnen, wenn sie der geplanten Meldepflicht für strafbare Inhalte nicht nachkommen.

    Zudem sollen bei der Strafzumessung antisemitische Motive des Täters ausdrücklich berücksichtigt werden. Der Strafrechtsparagraf 188 zur üblen Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens wird dahingehend verändert, dass er künftig «Politiker bis hin zur kommunalen Ebene» schützt, wie es im Gesetzentwurf heisst.

    Darüber hinaus soll zukünftig das medizinische Personal in ärztlichen Notdiensten und in Notaufnahmen strafrechtlich in gleicher Weise geschützt sein wie Hilfeleistende der Feuerwehr, des Katastrophenschutzes oder eines Rettungsdienstes.

    «Im Internet und insbesondere in den sogenannten sozialen Medien ist eine zunehmende Verrohung der Kommunikation zu beobachten», heisst es in dem Gesetzentwurf. «Dadurch wird nicht nur das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Betroffenen, sondern auch der politische Diskurs in der demokratischen und pluralistischen Gesellschaftsordnung angegriffen und in Frage gestellt.» Dies könne «sogar dazu führen, dass sich Menschen vollständig aus dem öffentlichen politischen Diskurs zurückzuziehen».

    «Die konkreten Regelungsvorschläge der Bundesregierung sind an zu vielen Stellen nur gut gemeint, aber nicht gut gemacht», sagte die Grünen-Innenpolitikerin Irene Mihalic am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. Für die geplante Meldestelle im BKA müsse genau festgelegt werden, welche Vorgänge und mutmasslichen Straftatbestände übermittelt werden müssen, wenn diese Stelle nicht chronisch überlastet sein solle.

    Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hält das Gesetzespaket gerade nach der Inhaftierung von zwölf mutmasslichen Rechtsterroristen für unabdingbar. «Der Fall zeigt erneut, wie Extremisten sich zusammenschliessen, um Menschen in unserem Land und unsere Demokratie zu attackieren», sagte Lambrecht der Düsseldorfer «Rheinischen Post» vom Dienstag.

    Nach heftiger Kritik von Datenschützern wurden in dem Gesetzentwurf die Regelungen zur Herausgabe von Passwörtern geändert. Die Weitergabe an die Strafverfolgungsbehörden soll nunmehr lediglich zur Verfolgung besonders schwerer Straftaten zulässig sein. Die Daten müssen von den Netzwerkbetreibern verschlüsselt gespeichert werden und dürfen auch nur so herausgegeben werden.

    Kommentare

    Weiterlesen

    putin
    651 Interaktionen
    Aufatmen?
    Wasserversorgung Goldingen-Meilen
    154 Interaktionen
    Seit 100 Jahren

    MEHR IN POLITIK

    1 Interaktionen
    Madrid
    lawrow
    27 Interaktionen
    Überflüssig
    28 Interaktionen
    München

    MEHR AUS DEUTSCHLAND

    lufthansa
    Wegen Kabinen-Geruch
    3 Interaktionen
    Zwingen BL
    16 Interaktionen
    Flensburg
    Rhein
    14 Interaktionen
    Köln/Kaub