Grosser Medienandrang bei Nord-Stream-Prozess in Hamburg
Grosses Interesse zu Beginn des Prozesses um die Anschläge auf die Nord-Stream-Erdgaspipelines in der Ostsee im Jahr 2022: Vor den Sicherheitsschleusen im Gerichtsgebäude im norddeutschen Hamburg herrschte Andrang von Journalistinnen und Journalisten, auch internationale TV-Teams drehten vor Ort.

Dort gab es auch zwei kleine Demonstrationen. An einer von ukrainischen Staatsbürgern nahmen etwa 20 Menschen teil. Sie forderten: «Keine Verurteilung wegen Kriegsverbrechen». Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht muss sich rund vier Jahre nach den Anschlägen auf die Pipelines für Gaslieferungen von Russland nach Deutschland von diesem Mittwoch an der ukrainische Staatsangehörige Serhij K. verantworten.
Der heute 50 Jahre alte Angeklagte soll damals Offizier einer Spezialeinheit der ukrainischen Streitkräfte und Drahtzieher der Sabotageaktion gewesen sein. Die Anklage beschuldigt ihn eines Kriegsverbrechens, nämlich des Einsatzes verbotener Methoden der Kriegsführung durch einen Angriff gegen zivile Objekte.
Er wurde Ende August 2025 an der Adria-Küste im Urlaub mit seiner Familie gefasst. Über Monate wehrte sich Serhij K. gegen seine Auslieferung. Drei Monate nach seiner Festnahme wurde er schliesslich am 27. November nach Deutschland überstellt. Einen Tag später setzte ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe den Haftbefehl gegen ihn in Vollzug. Serhij K. sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Anfang Juli 2026 wurde Anklage erhoben.
Nord Stream 1 bestand aus zwei jeweils 1.224 Kilometer langen Pipeline-Strängen, die 2011 bzw. 2012 in Betrieb genommen wurden und von Wyborg (Russland) in das ostdeutsche Lubmin führten. Sie transportierte russisches Erdgas – 2021 etwa 59 Milliarden Kubikmeter. Nord Stream 2 ist baugleich und verläuft parallel zu Nord Stream 1; sie sollte zusätzlich 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr nach Deutschland liefern, ging aber wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine nie in Betrieb. Beide Doppelstränge wurden am 26. September 2022 durch Sprengsätze in der Ostsee vor der dänischen Insel Bornholm beschädigt – insgesamt gab es vier Lecks an drei der vier Leitungen.










