«Echte Chance» - Forscher rät Parteien zu Diskurs mit jungen Klimaaktivisten
Angesichts der deutschlandweiten Schülerstreiks sieht der Jugendforscher Klaus Hurrelmann das zunehmende Engagement junger Menschen auch als Chance für die etablierten Parteien.

Das Wichtigste in Kürze
- Experte Hurrelmann glaubt an Vorbildwirkung von Schwedin Thunberg.
Seit der deutschen Wiedervereinigung «haben wir so ein dauerhaftes politisches Interesse bei der Jugendgeneration nicht mehr erlebt», sagte der Experte der Hertie School of Governance in Berlin der Nachrichtenagentur AFP. Dies biete für die Politik die Gelegenheit, wieder Anschluss an die Lebenswelt junger Menschen zu finden.
Die streikenden Schüler in vielen deutschen Städten demonstrieren gegen die Klimapolitik der Bundesregierung. Am Freitag erhalten die Berliner Aktivisten dabei Unterstützung von der Schwedin Greta Thunberg, die vor dem Brandenburger Tor sprechen wird.
Die 16-Jährige begann im Sommer 2018, vor dem Parlament in Stockholm für besseren Klimaschutz zu protestieren. Mit Reden bei internationalen politischen Konferenzen erlangte sie weltweite Bekanntheit - zuletzt wurde sie wegen ihres Einsatzes für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.
Thunberg habe «die jungen Leute hier in Deutschland sehr beeindruckt», sagte Hurrelmann AFP. Für die Jugendlichen hierzulande sei die junge Schwedin zum Vorbild geworden. Sie kopierten ihre «Sturheit, gute Vorbereitung und systematische Einarbeitung in die Thematik». Bisher reagierten die Politiker darauf allerdings «hilflos und irritiert», sagte Hurrelmann.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte an die Schüler appelliert, den Unterricht nicht zu schwänzen. Ihre Proteste würden ausserhalb der Schulzeit grössere Wirkung entfalten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüsste die Intention der Proteste - obwohl diese sich gegen die Politik der Bundesregierung richtet.
Nach Ansicht Hurrelmanns sollte die Politik aber das Gespräch mit den Aktivisten suchen «und deutlich machen: Wir diskutieren mit euch eure inhaltlichen Forderungen». Dies könne dazu führen, dass mehr junge Menschen den Parteien beitreten. Viele hätten dies nötig, weil der Altersschnitt ihrer Mitglieder zu hoch sei.
Eine Massnahme, um auf junge Menschen zuzugehen, sei «eine verbindliche Jugendquote für die nächsten Wahlen», sagte Hurrelmann AFP. Auch eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre, wie von der SPD vorgeschlagen, könne für mehr Parteibeitritte sorgen.










