Dobrindt nennt Drohnen-Vorfall «hybrides Anschlagsszenario»
Nach dem Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne in Leipzig spricht Innenminister Dobrindt von «fremden Mächten». Es seien keine Amateure gewesen.

Das Wichtigste in Kürze
- Am Flughafen Liepzgi wurde eine mit Sprengstoff beladene Drohne gefunden.
- Inneminister Dobrindt spricht ein einem «hybriden Anschlagsszenario».
- Die Ermittlungen schliessen auch terroristische, politische oder extremistische Motive nicht aus.
Der Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle war aus Sicht von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ein Anschlagsversuch. Nach seiner Einschätzung handele es sich um ein «hybrides Anschlagsszenario», sagte der CSU-Politiker am Abend vor Ort. Der CSU-Politiker hatte seinen Urlaub für eine Lagebesprechung mit den Spitzen mehrerer Sicherheitsbehörden unterbrochen.
«Dass eine Drohne bewaffnet mit Sprengstoff sich hier auf einem Flughafengelände befindet, das ist ein neues Bedrohungsszenario», sagte Dobrindt. Mutmassliche Drahtzieher nannte er nicht. Er sagte, man habe es mit einem Wettbewerb zu tun, der «möglicherweise auch fremde Mächte» mit einschliesse, die offensichtlich zu erheblicher Verunsicherung in Deutschland beitragen wollten.

Mit hybriden Angriffen sind in der Regel Angriffe im Verborgenen gemeint, die nicht auf direkte Konfrontation abzielen, sondern Verunsicherung schaffen sollen. Dabei können verschiedene Instrumente wie Sabotage, wirtschaftlicher Druck oder Desinformation zusammenkommen.
Die Drohne mit der Sprengvorrichtung war in der Nacht auf der Start- und Landebahn «Südpiste» am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt worden. Sie befand sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Spezialisten der Bundespolizei entschärften die Sprengvorrichtung.

Ein mutmasslich zweites unbekanntes Flugobjekt sei mit einem Frachtflugzeug zusammengestossen, nachdem das Flugzeug wegen der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn wieder durchgestartet sei, erklärte das sächsische Landeskriminalamt (LKA). An der Maschine wurden nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt.
Dobrindt: Das waren keine Amateure
Solche hybriden Bedrohungslagen müssten sehr professionell vorbereitet und umgesetzt werden, sagte Dobrindt. Man brauche dafür ein hohes Mass an Technikerfahrung, auch Erfahrung im Umgang mit Sprengstoff müsse vorhanden sein.
«Das alles deutet nicht auf amateurhaftes Vorgehen hin. Wir reden hier von einer professionellen hybriden Bedrohungslage, mit der wir uns weiter auseinandersetzen müssen», so Dobrindt. Man bereite sich auf «mögliche weitere Bedrohungsszenarien» vor.
«Es ist aus der jetzigen Erkenntnis so, dass wir davon ausgehen müssen, dass dieser Sprengstoff militärischer Sprengstoff ist», sagte er später in den ARD-«Tagesthemen».
Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sagte im ZDF-«heute journal»: «Das ist nicht der Kauf einer Drohne in einem Baumarkt. Ja, kein Amateurhandel, das kann man klipp und klar sagen. Und deswegen ist das eine Möglichkeit, dass hier Fremdenmächte am Werk waren.»
Ermittler schliessen politische Motivation nicht aus
Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden und das im LKA ansässige Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) übernahmen die Ermittlungen. Sie schliessen eine politische Motivation nicht aus. Deshalb sei auch das PTAZ im Einsatz, hiess es.
Der sächsische Generalstaatsanwalt Wolfgang Schwürzer sagte: «Aufgrund dieser möglichen Bedeutung für die Sicherheit einer kritischen Infrastruktur werden die Ermittlungen eben mit höchster Priorität geführt.» Alle strafrechtlichen Hintergründe, «einschliesslich eines extremistischen oder terroristischen Motivs», würden geprüft. Es sei aber unseriös, sich derzeit auf eine bestimmte Motivation festzulegen, betonte Schwürzer.
Dobrindt: In alle Richtungen ermitteln
Alle Spekulationen über die Art des Sprengstoffs, die Konstruktion der Drohne, ihre Herkunft und die Frage, wer dahinterstecke, seien jetzt Teil der Ermittlungen, so Dobrindt. «Alle Spekulationen, die es darüber gibt, müssen nicht in die richtige Richtung gehen, können einfach grundfalsch sein.» Man müsse in alle Richtungen ermitteln.
Schuster sagte, es werde noch nach Teilen einer möglichen zweiten Drohne gesucht. Es handele sich um einen ersten kapitalen Vorfall, wo man davon sprechen könne: «Die Gefahrenlage ist nicht mehr abstrakt, sie ist hoch». Auch Dobrindt sprach von einer hohen Bedrohungslage.
Im Juli 2024 hatte es schon einmal einen relevanten Vorfall auf dem Flughafen Leipzig gegeben, als es beinahe zu einem Flugzeugabsturz hätte kommen können. Einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass ein Paket, das einen Brandsatz enthielt, noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht während des Fluges in Brand geriet.
Wie an anderen Flughäfen auch musste der Flugverkehr in Leipzig in den vergangenen Jahren nach Drohnensichtungen mehrmals eingestellt werden. Im vergangenen Herbst hatte der Betrieb am Flughafen München wegen Drohnen-Überflügen wiederholt eingestellt werden müssen.














