Der Bürgermeister von Budapest hat sich aus den oppositionellen Vorwahlen gegen Orban für den konservativen Peter Marki-Zay zurückgezogen.
Gergely Karacsony (r.) und Peter Marki-Zay
Gergely Karacsony (r.) und Peter Marki-Zay - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Bürgermeister Gergely Karacsony will den konservativen Oppositionskandidaten unterstützen.
  • Peter Marki-Zay behauptet, dass er beide Seiten für sich gewinnen kann.
  • Der amtierende Präsident Viktor Orban ist seit 2010 an der Macht.

Budapests Bürgermeister Gergely Karacsony hat sich aus dem Rennen um die Spitzenkandidatur der Opposition für die ungarische Parlamentswahl zurückgezogen. Der 46-Jährige erklärte, er unterstütze nun den konservativen Peter Marki-Zay. Dieser wurde in der ersten Runde der oppositionellen Vorwahlen Dritter.

Karacsony galt weithin als Favorit, um im kommenden Frühjahr gegen den rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orban anzutreten. Er belegte in einem Feld von drei Kandidaten bei den Vorwahlen aber nur den zweiten Platz.

Ungarn
Karacsony zieht sich aus den Vorwahlen zurück. - Keystone

Im ersten Wahlgang lag die sozialistische EU-Abgeordnete Klara Dobrev mit 35 Prozent vor Karacsony mit 27 Prozent. Die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments lag auch vor Marki-Zay mit 20 Prozent. Die Stichwahl der Opposition beginnt am Sonntag und endet am 16. Oktober.

Marki-Zay könne beide Seiten für sich gewinnen

Der 49-Jährige, sagt von sich selbst, er sei der einzige Kandidat, der sowohl linke Wähler als auch Konservative ansprechen kann. Er ist Bürgermeister der Provinzstadt Hodmezovasarhely und ein ehemaliger Anhänger der regierenden Fidesz-Partei.

Der praktizierende Katholik machte 2018 auf sich aufmerksam, als er die Nachwahlen um das Bürgermeisteramt in Hodmezovasarhely, einer 44.000 Einwohner zählenden Stadt in Südungarn, gewann. Die Stadt galt jahrzehntelang als Fidesz-Hochburg.

Viktor Orban
Orban sorgte kürzlich mit einem Anti-LGBTQ-Gesetzt für Aufruhr. - Keystone

Experten schätzen, dass die Parlamentswahl im kommenden April die spannendste seit 2006 sein wird. Orban ist seit 2010 an der Macht. Die Opposition wirft dem rechtspopulistischen Ministerpräsidenten einen autokratischen Führungsstil und Korruption vor. Seine Regierung steht auch in der EU seit Jahren wegen rechtsstaatlicher Verfehlungen am Pranger.

Jahrelang hatte es die zerstrittene Opposition Orban jedoch allzu einfach gemacht. Doch bei den Kommunalwahlen 2019 schmiedeten die Oppositionsparteien erstmals auf lokaler Ebene Bündnisse. In der Folge verlor Fidesz mehrere grosse Städte, darunter die Hauptstadt Budapest, wo Karacsony Bürgermeister wurde.

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