Aufarbeitung der Verfolgung von Fahrenden gefordert

Keystone-SDA
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Bern,

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern fordern vom Bund und von den Kantonen eine unabhängige Untersuchungskommission zur Aufarbeitung der Verfolgung von Jenischen und Sinti. Die Dachgenossenschaft der Betroffenen kritisiert ihrerseits, von einer Akteneinsicht ausgeschlossen zu werden.

Fahrende
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern eine Aufarbeitung der Verfolgung von Fahrenden. - keystone

In einem am Dienstag veröffentlichten offenen Brief anerkennen elf Professorinnen und Professoren sowie Dozierende aus verschiedenen Schweizer Hochschulen die Anerkennung der systematischen Verfolgung als Verbrechen gegen Menschlichkeit. Eine grundlegende Aufarbeitung sei aber noch ausgeblieben.

Kritisiert wird namentlich, dass die entsprechende parlamentarische Erklärung keine Untersuchung der Ereignisse beinhaltet. Die bisherigen Studien der Machenschaften des «Hilfswerks für die Kinder der Landstrasse» hätten das Ausmass der Verfolgung nur ansatzweise erfassen können. «Es braucht eine unabhängige Untersuchungskommission», so die Forderung im offenen Brief.

Am Dienstag hat sich auch Radgenossenschaft der Landstrasse zu diesem Thema zu Wort gemeldet. Die Dachgenossenschaft der Jenischen und Sinti kritisiert, dass ihr für ein eigenes Forschungsprojekt die Einsicht in die im Bundesarchiv aufbewahrten Dossiers verweigert worden sei. Dies mit der Begründung, dass die Forschung nicht durch eine «im Sinne der Gesetzgebung wissenschaftlich tätige Person» durchgeführt werden soll, wie die Radgenossenschaft schreibt.

Konkret geht es in diesem Fall um die Tätigkeit des «Seraphischen Liebeswerks Solothurn». In einem Kinderheim im damals bernischen Jura hätten in 920 Fällen ledige Mütter Kinder zur Welt gebracht, die in einer Mehrheit fremdplatziert worden seien – darunter Kinder von Jenischen.

An den Wegnahmen und der Fremdplatzierung von schätzungsweise 2000 Kindern war das «Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse» der Stiftung Pro Juventute beteiligt. Die Stiftung und der Bund waren damals personell eng miteinander verflochten. Doch auch Behörden und kirchliche Hilfswerke waren an den Kindeswegnahmen beteiligt.

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