Wenn Gewässer schwitzen hat das Folgen für Tiere und Trinkwasser
Fieber in Flüssen und Seen: Die Gewässer in der Schweiz werden wärmer. Das bedroht nicht nur Fische, sondern gefährdet auch die Qualität und Sicherheit des Trinkwassers.

Die Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) warnt vor den Folgen steigender Temperaturen in Schweizer Gewässern für die Trinkwasserversorgung.
Der Rhein habe sich seit den 1970er-Jahren um rund drei Grad erwärmt, wie die AWBR mitteilte. Sinkende Sommerabflüsse führten bei gleichbleibendem Schadstoffeintrag zu höheren Konzentrationen von Industriechemikalien, Pestiziden oder Medikamentenrückständen. Eigentlich sollte Trinkwasser in der Schweiz die geltende Maximaltemperatur von 25 Grad nicht überschreiten – doch schon heute könne dieser Wert nicht mehr überall eingehalten werden.
«Wer bekommt Wasser, wenn es knapp wird? Und wie wird die Wasserqualität sichergestellt, wenn Verdünnungseffekte wegfallen, und temperaturbedingt das Keimwachstum steigt»? Die Gewässer würden je nach Kanton unterschiedlich bewirtschaftet und die landwirtschaftliche Wasserentnahme werde vielerorts kaum reguliert.
Eine nationale Wasserstrategie, wie sie 2023 beispielsweise vom damaligen Nationalrat Kurt Egger (Grüne/TG) gefordert wurde, gibt es in der Schweiz bisher nicht.
Der Bundesrat sah die Verantwortung hierfür bei den Kantonen. Diese hätten ein nachhaltiges auf die regionalen Bedingungen angepasstes Wassermanagement sicherzustellen. Für deren Schutz sei wiederum der Bund zuständig. In einer Stellungnahme gab der Bundesrat 2023 an, die Kantone beim Wassermanagement unterstützen zu wollen. Eine nationale Lösung sei aber nicht notwendig.
Eine nationale Lösung soll es indessen für Fische geben. Um die Tiere vor dem Hitzetod zu bewahren, hat die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) ein neues Frühwarnsystem entwickelt. Bis zu drei Wochen im Voraus könne damit das Risiko für Fischpopulationen an über 50 Standorten in der Schweiz eingeschätzt werden.
Forschende bezeichneten das System als vielversprechend, da es nicht nur berücksichtige, wie warm ein Fluss voraussichtlich werde, sondern auch, welche Fischarten dort leben. Derzeit kennt das System die Temperaturgrenzen von 59 in der Schweiz vorkommenden Fischarten.
Ist die Temperaturgrenze erreicht, nimmt die Schwimmfähigkeit der Fische ab – «und damit auch ihre Fähigkeit, vor Gefahren zu fliehen». Nicht alle Fische leiden gleich stark unter der Hitze. So hielten Marmorkarpfen Temperaturen von 32,3 Grad Celsius aus, während die Quappe bereits bei 24,1 Grad an ihre Grenzen gerate.
Es könne Behörden helfen, früher zu reagieren und Schutzmassnahmen für gefährdete Gewässerabschnitte vorzubereiten.






