Der Uno-Migrationspakt wird vorerst nicht im Parlament beraten. National- und Ständerat haben sich dafür ausgesprochen, das Geschäft zu verschieben.
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Die Ratifizierung des Uno-Migrationspakt verzögert sich weiter. Der Nationalrat schliesst sich dem Ständerat an. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Beratung des Uno-Migrationspakts wird um mindestens ein Jahr verschoben.
  • Das haben National- und Ständerat entschieden.
  • Man will zunächst die Ergebnisse einer Subkommission abwarten.

Das Parlament verzichtet vorerst darauf, den Uno-Migrationspakt zu beraten. Der Nationalrat ist am Dienstag dem Entscheid des Ständerats gefolgt. Er hat beschlossen, die Beratung auszusetzen – gegen den Willen von SP, Grünen und Grünliberalen.

Zuerst sollten die Ergebnisse der Subkommission «Soft Law» abgewartet werden. Dies sagte Mitte-Nationalrat Marco Romano (TI) für die vorberatende Kommission des Nationalrats. Die Subkommission prüft unter anderem, ob die Mitwirkungspflichten des Parlaments im Bereich «Soft Law» ausgeweitet werden sollen.

Marco Romano
Marco Romano sitzt für die Mitte im Nationalrat. - Keystone

Es müsse geprüft werden, ob «Soft Law» in den gesetzgeberischen Prozess aufgenommen werden sollte. Dies ergänzte FDP-Nationalrat Kurt Fluri (SO) ebenfalls namens der Kommission. Bei dem Migrationspakt könnte es sich eben genau um solches «Soft Law» handeln, das eine Mitarbeit des Parlaments erfordere. Dies, damit kein Demokratiedefizit entstehe, meinte Fluri.

Nationalrat stimmt für Aussetzen der Beratung

Gegen die Sistierung der Beratung waren die Grünen, SP und die Grünliberalen. Balthasar Glättli (Grüne/ZH) argumentierte für eine materielle Beratung des Geschäfts. Gerichtet an die SVP-Fraktion erklärte er: «Die Gleichen, die eine Abstimmung über den Beitritt verlangt haben, wollen diese Vorlage nun auf die lange Bank schieben. Wenn sie keine Gründe für eine Ablehnung haben, dann können sie das Geschäft verschieben bis zum Sankt-Nimmmerleinstag.»

Balthasar Glättli
Balthasar Glättli spricht vor Regula Rytz während einer Medienkonferenz der Grünen nach den Bundesratswahlen. Foto: Peter Klaunzer - Keystone

Aussenminister Ignazio Cassis erklärte: Der Bundesrat habe mit seiner Botschaft an das Parlament 2021 den Vertrag erneut einer Analyse unterzogen. Diese Analyse sei zum Schluss gekommen, dass der Pakt mit den Positionen der Schweiz übereinstimme. Der Pakt sei ein «Soft Law»-Instrument, das nicht den zukünftigen Umgang mit Soft Law «präjudiziert».

Schliesslich stimmte der Nationalrat mit 105 zu 77 Stimmen dem Antrag zu, die Beratung auszusetzen.

Bundesrat wollte schon 2018 unterschreiben

Im Uno-Migrationspakt werden Massnahmen festgehalten, um die Migration erstmals grenzüberschreitend zu ordnen. Zu den Massnahmen zählen etwa die Stärkung der Hilfe vor Ort oder die Verwirklichung der Menschenrechte von Migranten. Auch die Sicherung der Grenzen ist Teil davon. Nicht betroffen vom Abkommen sind Personen, die aufgrund der Genfer Flüchtlingskonvention den Flüchtlingsstatus haben.

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150 Länder sagten Ja zum Uno-Migrationspakt. - dpa

Unterzeichnen wollte der Bundesrat den Pakt eigentlich schon 2018. An der Unterzeichnungszeremonie in Marrakesch in Marokko fehlte die Schweiz dann aber.

Der Bundesrat musste die Reise absagen. Dies, nachdem von allen Seiten kritisiert worden war, der Bundesrat könne nicht ohne die Zustimmung des Parlaments entscheiden. Und dies, obwohl es um sogenanntes «Soft Law» geht, und der Bundesrat die Berechtigung zur Unterschrift laut Gesetz hat.

Parlament soll auch bei Soft Law mitreden

«Soft Law» bezeichnet internationale nicht bindende Abkommen. Dabei handelt es sich um Abkommen, die ohne rechtsverbindlichen Charakter konzipiert wurden. Verstösse können entsprechend auch nicht sanktioniert werden. Aufgrund des Vertrauensschutzes kommt diesem «Recht» jedoch politisch eine gewisse normative Bedeutung zu.

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Das Bundeshaus in Bern. - Keystone

In der Diskussion um den Beitritt zum Uno-Migrationspakt beharrte das Parlament auf einem Grundsatz, der im Parlamentsgesetz verankert ist: «Die Bundesversammlung wirkt bei der Willensbildung über wichtige aussenpolitische Grundsatzfragen und Entscheide mit.»

National- und Ständerat vertraten folglich die Haltung, dass das Parlament in Zukunft bei internationalen Vereinbarungen immer konsultiert werden soll. Auch wenn es sich bei den Verträgen um «Soft Law» handelt und nicht um zwingendes Völkerrecht.

Bundesrat hält Gesetzesänderung nicht für notwendig

Zudem hielt der Bundesrat 2019 in einem Bericht fest: Das Parlament soll künftig früher über solche Vorhaben informiert werden und deren Mitsprache ausgebaut werden. Eine Gesetzesänderung erachtete der Bundesrat jedoch als nicht notwendig.

Anderer Meinung war das Parlament. Die Aussenpolitischen Kommissionen von National- und Ständerat (APK-N und APK-S) setzten eine Subkommission «Soft Law» ein.

Anfang Februar dieses Jahres teilte das Aussendepartement (EDA) schliesslich mit, es wolle den Uno-Migrationspakt dem Parlament vorlegen.

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