Sorge um Arbeitsplätze im Tessin nach Nachlassstundung für Bally

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Bellinzona,

Im Tessin sorgt nach dem Ende der letzten Bally-Schuhfabrik die provisorische Nachlassstundung des einstigen Schweizer Luxus-Schuhherstellers für Sorge um die Arbeitsplätze. Nun wird auch die Politik aktiv.

Das Ende der letzten Bally-Fabrik in der Schweiz sorgt am Produktionsstandort im Tessin für Unmut. (Archivbild)
Das Ende der letzten Bally-Fabrik in der Schweiz sorgt am Produktionsstandort im Tessin für Unmut. (Archivbild) - KEYSTONE/KARL MATHIS

Die Verschuldung werde auf rund 20 Millionen Franken geschätzt, heisst es auf der Internetseite der grössten Tessiner Gewerkschaft «Organizzazione Cristiano Sociale Ticinese» (OCST) weiter. Noch im Mai sei nach der Ankündigung von 27 Entlassungen auf Ende August ein Sozialplan vereinbart worden. Heute zeige sich jedoch, dass diese Zusicherungen jeder Grundlage entbehrten. Vor zwei Jahren hatten am Tessiner Standort noch rund 250 Personen gearbeitet.

Die Gewerkschaft befürchtet, dass nun auch die Verwaltungsbüros, die über die Schliessung der Fabrik hinaus hätten aktiv bleiben sollen, aufgehoben werden. Dort arbeiteten rund 100 Personen. Auf Anfrage bei Bally folgt lediglich eine automatisch generierte Standardantwort zum Eingang des Mails.

Nicht nur die OCST äussert ihre Besorgnis über die unklare Situation, sondern auch die Politik. Zwei Mitglieder des Tessiner Grossen Rates richteten vor wenigen Tagen eine Anfrage an den Regierungsrat. Die Grossräte von Mitte-Partei und «Avanti con Ticino & Lavoro» möchten unter anderem wissen, ob der Kanton, die Gemeinden oder andere öffentliche Körperschaften Gläubiger des Unternehmens Bally seien.

Zudem fragen die Grossräte, ob der Tessiner Regierung weitere «wirtschaftlich bedeutende Branchen oder Unternehmen» bekannt seien, bei denen vergleichbare Situationen eintreten und welche Massnahmen zur Verhinderung solcher Situationen ergriffen werden könnten – insbesondere bei Unternehmen mit ausländischen Eigentümern und «ohne enge Bindung an den Standort».

In Schönenwerd SO begann Carl Franz Bally 1851 in der Elastikbandweberei Bally & Co. gemeinsam mit seinem Bruder Fritz Schuhe zu produzieren. 1854 übernahm er das Unternehmen unter dem Namen C.F. Bally allein. Drei Jahre später wurden erstmals Schuhe nach Südamerika exportiert, was den internationalen Ausbau der Verkaufsorganisation einleitete.

1999 wurde Bally an die texanische Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group verkauft, die im Jahr 2000 die Schuhproduktion in Schönenwerd einstellte und den Firmensitz nach Caslano TI verlegte. 2024 folgte die Übernahme von Bally durch das US-Unternehmen Regent, welche zahlreiche Wechsel und Umstrukturierungen nach sich zog.

Kommentare

User #3746 (nicht angemeldet)

Wer eine CH Firma ins Ausland verkauft und denkt sie sei dann gerettet, dem kann man nicht mehr helfen.

User #9833 (nicht angemeldet)

und dann komt noch KI. Also braucht es keine Menschen mehr

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