Klimaforscher warnt: 50 Grad in Genf sind in 20 Jahren möglich
Laut Umweltexperte Dominique Bourg sind Temperaturen bis 40 Grad in der Schweiz erst der Anfang. Beim Kampf gegen den Klimawandel hofft er auf junge Menschen.

Das Wichtigste in Kürze
- Dominique Bourg, Philosoph und Umweltexperte, warnt vor bis zu 50 Grad in Genf in 20 Jahren.
- Die Verantwortung dafür liegt laut Bourg klar bei Politik und den wirtschaftlichen Eliten.
- «Wir müssen die Ärmel hochkrempeln, und diese Welt zu einem besseren und weniger verrückten Ort machen», so der Experte.
«Wir müssen verstehen, dass wir uns erst am Anfang eines Prozesses befinden.» Das sagt Dominique Bourg, Philosoph und Umweltexperte. Er war am Sonntag zu Gast in den Abendnachrichten «19.30 Uhr» auf RTS.
Damit bezieht er sich auf die aktuelle Hitze-Welle in der Schweiz, in der mehrere Rekorde fielen. So stieg das Thermometer etwa in Basel am Samstag auf 39 Grad. Auch in Genf wurde es in den letzten Jahren schon so heiss.
Bourgs Botschaft ist klar: Die Menschheit stehe erst am Anfang einer grossen Veränderung.
Für Genf zeichnet Bourg ein konkretes Bild: «Höchstwerte von 50 Grad in Genf sind in 20 Jahren durchaus möglich», sagt er.
Die Schweiz erwärmt sich doppelt so schnell
Laut der Schweizerischen Akademie der Wissenschaften erwärmt sich die Schweiz nämlich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.
«Wir sehen schon, wie die Vegetation zwischen 40 und 45 Grad leidet. Die Vögel beispielsweise sterben oder werden verletzt», bedauert der Umweltexperte.
Städte müssen sich anpassen, sonst drohen hohe Kosten
Der Klimaforscher wird konkret: «Wir unterschätzen wirklich die Auswirkungen der globalen Erwärmung. Stellen Sie sich eine Stadt vor, in der es 60 Tage lang tagsüber 35 Grad warm ist. Und die nächtlichen Temperaturen zwischen 25 und 27 Grad liegen», erzählt Bourg.
«Das liegt bis zu einem gewissen Grad ausserhalb unserer physiologischen Grenzen», so Bourg. Mit «physiologischen Grenzen» meint er die Grenzen, die der menschliche Körper biologisch aushalten kann.
Die Hauptverantwortung für diese Entwicklung sieht Bourg klar bei der «politischen und wirtschaftlichen Elite». Die ersten funktionierenden Klimamodelle seien schliesslich bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelt worden.
Bourg fordert einen Wandel der gesamten Zivilisation
Es sei zwar «zu spät, um grössere Probleme zu vermeiden». Doch er betont, dass es einen radikalen Wandel der Gesellschaft brauche.
«Jetzt müssen wir mit voller Kraft handeln», fügt er hinzu. Hoffnung schöpft er daraus, dass 2026 der gesamte Planet unter Druck stehe. Ein gesellschaftliches Umdenken sei möglich, sagt er.
Kritisch äussert sich Bourg gegenüber politischen Entscheidungsträgern wie Donald Trump. «Es gibt einen Wahnsinnigen namens Trump, der Zehntausende Forscher entlassen und Daten gelöscht hat.»
Auch Satelliten zur Klimabeobachtung wolle der US-Präsident abschalten. Man müsse hoffen, dass keine Verrückten mehr an die Macht kämen, fügt er hinzu.
Junge Menschen sollen Angst in Handeln umwandeln
An junge Menschen richtet Bourg einen besonderen Appell. Anstatt in Angst zu verharren, sollten sie diese in Energie umwandeln. «Angst wird zuerst durch Wut freigesetzt. Dann durch Handeln», sagt er.
Denn es gebe noch Spielraum. In vielen Gesellschaften würden bereits Schritte unternommen, die Hoffnung machten. «Wir müssen die Ärmel hochkrempeln, und diese Welt zu einem besseren und weniger verrückten Ort machen», schliesst Bourg ab.

















