Mitte fordert Smartphone-Verbot für Kinder unter 12 Jahren
Meist nicht nötig, aber mit hohem Suchtpotenzial: Smartphones für Kinder sollen verboten werden, fordert ein neuer Vorstoss.
00:00 / 00:00
Das Wichtigste in Kürze
- Immer mehr Kinder haben bereits ein eigenes Smartphone.
- Das sei nicht nötig, finden die Mitte-Nationalräte Regina Durrer und Giorgio Fonio.
- Die Stossrichtung sei gut, ein Verbot aber gehe zu weit, heisst es bei der SVP.
Mehrere Stunden pro Tag verbringen Jugendliche am Smartphone. Die Folge: Schädliche Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit.
Und damit indirekt auf die Zukunft unserer Gesellschaft, mahnen Nationalrat Giorgio Fonio (M/TI) und Nationalrätin Regina Durrer (M/NW). Sie fordern deshalb schlicht ein Smartphone-Verbot für unter 12-Jährige.

Ein erheblicher Anteil von Kindern im Primarschulalter nutze täglich ein Smartphone, «häufig ohne tatsächliche Notwendigkeit», stellen die beiden fest. Fonio hat selbst vier Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren. Durrers Kinder sind schon älter, aber auch als Prorektorin der Berufsfachschule Nidwalden kennt sie die Smartphone-Sorgen bei Jugendlichen.
Konkret fordert die Motion ein Verkaufsverbot von Smartphones und Handy-Abos an Kinder unter 12 Jahren. Dazu soll es eine Verpflichtung geben, Voreinstellungen zum Kinder- und Jugendschutz einzurichten, wenn neue Geräte an Minderjährige verkauft werden.
Smartphone-Verbot: Eltern-Kind-Diskussion wird einfacher
Dass ein solches Verbot schwierig zu kontrollieren wäre, weiss auch Nationalrätin Durrer. Schliesslich sind es die Eltern, die ein Handy kaufen: «Das ist so – man wird das umgehen können.»
Aber mit dem Zusatz, dass auch Abos miteinbezogen werden, gehe man in Richtung: Keine solche Geräte für Kinder. Einen Zusatznutzen sieht Durrer auch darin, dass so Eltern von manch unbequemer Diskussion entlastet werden.

«Heute kommt das 10-jährige Kind heim und sagt: ‹Mami, Mami, ich will ein Handy, alle in meiner Klasse haben eins›», so Durrer.
Dann könnten die Eltern sagen: Sorry, ist eigentlich verboten. «Du kannst noch gar keines haben, ausser zum Telefonieren oder SMS schreiben.» Und schon ist das Thema nicht mehr so reizvoll.
Sympathien bei SVP – aber auch Kritik
Die Stossrichtung des Vorstosses und die Diskussion begrüsst auch SVP-Nationalrätin Nina Fehr Düsel. Sie ist aktuell auch am Unterschriftensammeln für die überparteiliche Internet-Initiative für einen besseren Schutz im Netz. Fehr Düsel hat indes auch Vorbehalte gegenüber einem Smartphone-Verbot für U12.

Ein Verkaufsverbot geht ihr zu weit: «Der Staat kann nicht alles regeln. Schlussendlich liegt dies auch in der Verantwortung der Eltern, dass sie hier Grenzen setzen und Schutzfilter installieren.»
Sehr begrüssen würde sie aber Handyverbote an den Schulen: «Denn dort haben Handys definitiv nichts zu suchen und lenken nur ab.» Wie ihre Mitte-Kollegin im Nationalrat warnt auch Fehr Düsel: «Der Suchtfaktor ist sehr gross, und das Ganze kann die Entwicklung beeinträchtigen.»
Was würden Kinder sagen?
Doch wird der Reiz nicht umso grösser, wenn etwas verboten ist? «Ein Verbot schafft immer einen Reiz, das ist definitiv so», räumt Mitte-Nationalrätin Regina Durrer ein. «Aber ich denke, klare Richtlinien, klare Grenzen in der Erziehung helfen auch den Jugendlichen und den Kindern.»
Und, weiss Prorektorin Durrer, die Teenager seien gar so weit, solche Verbote selbst zu fordern. «Weil sie sehen: Diese Handys nehmen uns sehr viel Zeit weg. Und ich denke, hier die kleineren Kinder zu schützen, das ist eine gute Sache.»












