Markus Ritter, Chef des Bauernverbandes, ärgert sich über die Zahlen der Kampagne für die Massentierhaltungsinitiative: «Das ist weder fair noch transparent.»
Massentierhaltungsinitiative
Die Massentierhaltungsinitiative richtet sich auch gegen die Tendenz immer grösser werdender Betriebe. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemäss Initianten haben 12 Prozent der Tiere Auslauf, gemäss Bund 78 Prozent.
  • Der Bauernverband kritisiert, die Initianten fokussierten hauptsächlich auf Masthennen.
  • Daraus konstruierten sie einen unfairen Vorwurf an die gesamte Nutztierhaltung.
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Mit der Massentierhaltungsinitiative sollen alle Nutztiere in der Schweiz unter anderem regelmässigen Auslauf im Freien erhalten. Heute würde dies nur auf 12 Prozent aller Tiere zutreffen, bemängeln die Initianten. Sie kritisieren auch, dass der Bund die Zahlen mit diversen Tricks schönrechne.

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Freilandhühner in ihrem Gehege auf dem landwirtschaftlichen Biobetrieb Messerli, am 19. April 2021, in Kirchdorf im Kanton Bern.
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Weisse Legehennen tummeln sich in einem Hühnerstall des Geflügelhofs Dätwyler in Oberwangen im Kanton Thurgau, im Februar 2018.

Dieser rechnet mit sogenannten Grossvieheinheiten, bei denen etwa 250 Masthühner einer Kuh entsprechen. So kommt der Bund auf eine Auslaufquote von 78 Prozent. Eine unfaire und skandalöse Rechenweise, wettert Kampagnenleiter Philipp Ryf bei Nau.ch.

SBV-Chef Ritter: Wenig Auslauf betrifft hauptsächlich Mastgeflügel

Dies lässt Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes (SBV), nicht unbeantwortet stehen. Es sei ja hauptsächlich das Mastgeflügel, welches zu diesen rein nach «Anzahl Augen» gerechneten 12 Prozent der Initianten führe. Hier sei auch im Biobereich die Freilandhaltung eine sehr kleine Nische.

Bauernverband Ritter Massentierhaltungsinitiative
Markus Ritter, Präsident des Bauernverbands und Nationalrat (Mitte/SG), an einer Medienkonferenz zur Massentierhaltungsinitiative. - Keystone

Bei den übrigen Tierarten habe eine klare Mehrheit Auslauf im Freien: 86 Prozent der Kühe, 84 Prozent der Legehennen und 60 Prozent der Mastschweine, gibt der SBV-Chef an. Diese profitieren vom Tierwohlprogramm «Regelmässiger Auslauf im Freien» (RAUS).

Mastpoulets haben Zugang zu Aussenklimabereich statt Auslauf

«Mastpoulets leben praktisch alle in einem besonders tierfreundlichen Stall mit Aussenklimabereich. Das ist eine Schweizer Besonderheit und hebt uns ganz klar vom Ausland ab», lobt Mitte-Nationalrat Ritter.

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Legehennen in einem Hühnerstall auf dem Geflügelhof Delacuisine im November 2016, in Daillens VD. (Symbolbild) - Keystone

Bei einem Aussenklimabereich handelt es sich um einen vollständig gedeckten, eingestreuten und an mindestens einer der Längsseiten offenen Bereich. Dort sind die Tiere vor Regen und anderen Tieren geschützt. Im Vergleich zum Zugang zu einer Weide gilt dies allerdings nicht als Auslauf.

Bauernverband: «Massentierhaltungsinitiative ist völlig unnötig»

«Eigentlich kritisieren die Initianten also insbesondere die Haltung der Poulet. Sie machen daraus aber einen Vorwurf zu der gesamten Nutztierhaltung in der Schweiz. Das ist weder fair noch transparent», moniert Ritter. Vielmehr versuchten sie damit die Tatsache zu überspielen, dass die Schweiz in Sachen Nutztierhaltung eine weltweite Vorbildfunktion einnehme.

Unterstützen Sie die Massentierhaltungsinitiative?

Die Massentierhaltungsinitiative sei deshalb völlig unnötig. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das von ihnen geforderte Angebot ja schon bestehe, wie Ritter zu Bedenken gibt. «Jeder, der wie sie denkt, kann heute schon so produzierte tierische Produkte kaufen. Je mehr das tun, desto mehr Bauernbetriebe können und werden umstellen.»

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