Lehrerverband fordert mehr Ressourcen für Integrative Schule

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    Bern,

    Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer schlägt Alarm: Fehlende personelle, finanzielle und zeitliche Ressourcen gefährdeten das Projekt der Integrativen Schule. Das Lehrpersonal ist laut einer Umfrage fast genau hälftig gespalten zwischen Zustimmung und Skepsis.

    «Wer Integration bestellt, muss sie auch bezahlen», fordert Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH).
    «Wer Integration bestellt, muss sie auch bezahlen», fordert Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH). - KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

    «Wer Integration bestellt, muss sie auch bezahlen», sagte Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), am Donnerstag vor den Medien in Bern. Die inklusionsorientierte Schule, bei der förderungsbedürftige Kinder nicht ausgesondert werden, könne funktionieren. Das Thema ist schweizweit seit Jahren ein Politikum; so forderte die FDP bereits die Abschaffung des integrierten Unterrichts.

    Der institutionelle Anspruch und die Realität im Schulalltag klaffen weit auseinander, wie eine Umfrage unter 10'394 Lehrpersonen, schulischen Heilpädagoginnen und -pädagogen sowie therapeutischem Personal ergab. So steht zwar eine – wenn auch knappe – Mehrheit hinter der Integrativen Schule, aber ein sehr grosser Teil fühlt sich überlastet.

    In der Umfrage zeigte sich, dass 51 Prozent der Befragten die Idee hinter der Integrativen Schule befürworten, während ihr 48 Prozent skeptisch und ein Prozent neutral gegenüberstehen. Diese Skepsis sei aber «kein Ausdruck mangelnden Wollens, sondern das Resultat von zu wenig oder schlecht verteilten Ressourcen», relativierte Rösler.

    Grosse Zahl an Förderbedürftigen

    Immerhin ist gemäss der im März vom Meinungsforschungsinstitut GFS Bern durchgeführten Umfrage in einer durchschnittlichen Klasse fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler auf irgendeine Art förderungsbedürftig. Gründe können unter anderem Lern- und Leistungsstörungen sein, ADHS/ADS oder Sprach- und Sprechstörungen. Am häufigsten treten diese in den Fächern Mathematik und Deutsch auf.

    Unterstützung sei zwar vorhanden, werde aber von 57 Prozent der befragten Lehrpersonen als nicht ausreichend eingeschätzt, so die Umfrage. Aufholbedarf sehen die Lehrpersonen demnach vor allem bei zeitnahen Beurteilungen sowie bei finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen. Seien diese Voraussetzungen erfüllt, erlebten die Lehrpersonen die integrative Schule als positiv.

    «Kein gescheitertes Projekt»

    Die Integrative Schule sei kein gescheitertes Projekt, betonte Rösler. Sie sei ein Projekt, das sich weiterentwickeln müsse und das letztlich weniger koste als ein doppelspurig geführtes Schulsystem. Dass besonders Klassenlehrpersonen und Lehrpersonen der Sekundarstufe I (7. bis 9. Klasse der obligatorischen Schule) derzeit die zusätzliche Last schultern, müsse sich allerdings ändern.

    Der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer fordert deshalb eine Beschleunigung der Prozesse zwischen Förderantrag und Umsetzung der Massnahmen, flexible Ressourcen, kleinere Klassen je nach Situation sowie mehr Personal und Zeit zur Entlastung des bisherigen Lehrpersonals. Ausserdem fordert der Verband sogenannte Schulinseln, wo Schülerinnen und Schüler, die den Regelunterricht stören, befristet aufgenommen würden, bis sie wieder in ihre Stammklasse integriert werden.

    Behindertenverband: Gemischte Klassen wichtig

    Inclusion Handicap, der Dachverband der Behindertenorganisationen in der Schweiz, schloss sich der Argumentation des Lehrerinnen- und Lehrerverbandes an. Inklusion – gleichberechtigte Teilhabe – sei für die schulische Entwicklung von Kindern mit Behinderung entscheidend, hiess es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

    Verschiedene Studien zeigten nämlich, dass Kinder mit Behinderungen in inklusiven Klassen bessere Lernfortschritte machen. Separation hingegen verringere die Fortschritte, und dies sei in den meisten Fällen unumkehrbar und führe in ein Leben der Abgrenzung.

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    Kommentare

    User #2811 (nicht angemeldet)

    Inklusion ist wertvoll und funktioniert. Aber nur wenn die entsprechenden Konzepte personellen, materiellen und Räumlichen Ressourcen dafür bereitgestellt werden. Kinder an Sonderschulen kosten nicht weniger im Gegenteil, die Frage ist nur welches Kässeli es zahlt mit der inlusiven Regelschule wurden kosten vom Kanton auf die Gemeinden abgewälzt und die Gemeinden sparen dann auf dem Buckel von Kindern und Schulpersonal. Jammern anstatt gute Konzepte zu erstellen. Langfristig kommt das aber die Gesellschaft teuer zu stehen (IV,Sozialhilfe, psychische Krankheiten). Die Bandbreite an einer Schule ist riesig. Hochbegabt, körperlich, sprachlich, sozial, kognitiv, Psychisch, Entwicklunsbedingt u.s.w. können Kinder unterschiedliche Bedürfnisse haben. Gute Schule braucht Zeit und gut ausgebildetes Personal. Lehrer, Heilpädagogen aber auch in der Betreuung und in Form von Inklusions Assistenzen.

    User #5603 (nicht angemeldet)

    Es sind mehr gegen die integrative Schule. All die Lehrer die deswegen in den letzten Jahren gekündet haben beispielsweise...

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