Jungfreisinnige

    Jungfreisinnige wollen die Kirchensteuer abschaffen

    Elisa Jeanneret
    Elisa Jeanneret

    Zürich,

    Die Landeskirchen haben eine klare Position zur Konzern-Initiative: Sie soll angenommen werden. Das ist für die Jungfreisinnigen inakzeptabel.

    Kirche Konzern-Initiative
    Die Konzern-Initiative wird von allen Seiten heiss diskutiert. Auch die Kirche mischt sich ein. - Keystone/Instagram

    Das Wichtigste in Kürze

    • Mehrere kirchliche Organisationen sprachen sich für ein Ja zur Konzern-Initiative aus.
    • Gegner kritisieren aber, dass die Landeskirchen politisch neutral bleiben müssen.
    • Deswegen fordern die Jungfreisinnigen die Abschaffung der Kirchensteuer.

    Die Konzern-Initiative provoziert eine höchst emotionale Debatte. Nicht nur das bürgerliche Lager ist bei der Initiative, über die Ende November abgestimmt wird, gespalten. Auch die religiöse Gemeinschaft streitet über die Frage, ob Schweizer Unternehmen im Ausland nach schweizerischem Recht haften sollen.

    Schweizerisches Bundesgericht
    Eine Kirche mit einer Konzern-Initiative Fahne. Über 600 Kirchgemeinden unterstützen das Begehren. - Twitter/@LuisDeplazes

    Nach Angaben des Komitees «Kirche für Konzernverantwortung» unterstützen über 600 Gemeinden in der Schweiz das Anliegen. Pfarrpersonen, Mönche und Theologinnen sprechen sich öffentlich für ein Ja aus. Sie hängen Fahnen an ihren Kirchen auf, predigen über die Initiative und verteilen Flyer.

    Einsatz der Kirchen «inakzeptabel»

    Das stösst natürlich auf Kritik. Gegnerinnen und Gegner fordern mehr politische Neutralität von den Landeskirchen. Vor allem die Jungfreisinnigen wollen eine politisch neutrale Kirche, solange sie von Steuergeldern finanziert wird.

    «Die Kirchensteuer gehört natürlich abgeschafft», sagt der Jungfreisinn-Präsident Matthias Müller zu Nau.ch. «Es ist inakzeptabel, dass die Landeskirchen sich für die Konzernverantwortungsinitiative einsetzen.»

    Wie finden Sie das politische Engagement der Kirchen?

    Die römisch-katholische und evangelisch-reformierte Kirche seien «öffentlich-rechtliche Körperschaften». Somit hätten die Landeskirchen kein staatliches Befugnis, politisch aktiv zu sein, sprich sich auf einer Pro- oder Kontra-Seite zu schlagen. Es sei denn, es liege eine «besondere» oder «qualifizierte» Betroffenheit vor.

    Initiative zur Abschaffung niedergeschmettert

    Das wäre der Fall, wenn eine Abstimmung die Kirche direkt beträfe. Also beispielsweise, wenn über die Abschaffung der Kirchensteuer abgestimmt würde.

    Grossmünster Zürich
    Das Grossmünster in Zürich. Auch der Pfarrer des Grossmünsters, Christoph Sigrist, unterstützt die Konzern-Initiative. - Keystone

    Eine ähnliche Abstimmung erlebte der Kanton Zürich schon 2014. Die Volksinitiative der Jungfreisinnigen wollte die Kirchensteuer für juristische Personen, also Unternehmen, abschaffen. Juristische Personen können nicht, wie eine natürliche Person, aus der Kirche austreten. Das Stimmvolk lehnte die Initiative aber mit über 70 Prozent ab.

    Matthias Müller
    Matthias Müller, Präsident der Jungfreisinnigen Schweiz. - keystone

    Der Zahlzwang für Unternehmen sei «sachfremd und ungerecht», so Matthias Müller im Gespräch. «Unternehmen können ja nicht glauben.» In 18 von 26 Kantonen müssen juristische Personen weiterhin die Steuer bezahlen.

    Austreten mit «Gewissensbissen» oder bezahlen

    Auch das Vorgehen für natürliche Personen bemängelt Müller: «Natürlich kann man austreten. Aber das ist nicht ohne Gewissensbisse.» Viel besser fände der noch-katholische Jungfreisinnige eine ganzheitliche Abschaffung der Steuer. «Diejenigen, die die Kirche trotzdem finanziell unterstützen wollen, können dies dann machen.»

    Müller selber überlegt sich wegen des Engagement für die Konzern-Initiative nun den Austritt aus der Kirche. Dies teilte er auf Twitter mit.

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