Der Frauenstreik 2020 wird kleiner ausfallen als noch 2019 mit einer halben Million Teilnehmerinnen. Nötig sei er aber wie eh und je, mahnen Feministinnen.
Der Frauenstreik 2019 sei «historisch» gewesen – trotzdem brauche es auch einen Frauenstreik 2020, sagen Parlamentarierinnen. - Nau.ch
Ad

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor einem Jahr nahmen rund 500'000 Personen am Frauenstreik teil.
  • Trotzdem brauche es auch dieses Jahr einen Frauenstreik, sagen Politikerinnen.
  • Zwar sei Einiges erreicht worden, die Gleichstellung sei aber längst nicht umgesetzt.

Eine halbe Million Menschen gingen am 14. Juni 2019 auf die Strasse für den Frauenstreik. «Ein Tag für die Geschichtsbücher, ein Tag, von dem wir noch unseren Töchtern erzählen werden», schwärmt SP-Nationalrätin Tamara Funiciello.

«Der grösste Streik seit 100 Jahren, seit dem Landesstreik. Und natürlich gehen diese Leute nicht ohne Grund auf die Strasse», sagt GLP-Nationalrätin Kathrin Bertschy.

Frauenstreik 2019
Demonstration am Frauenstreik in Zürich am Freitag, 14. Juni 2019. - Keystone

Die Co-Präsidentin der SP-Frauen und die Co-Präsidentin von «alliance f» sind sich einig: Der Frauenstreik hat etwas bewegt. Aber eben noch nicht genug, darum müsse auch dieses Jahr, trotz Corona und Sonntag, gestreikt werden.

Erfolge des Frauenstreiks

Gerade habe der Nationalrat ja die «Ehe für alle» und die Samenspende für lesbische Paare beschlossen, verdeutlicht Funiciello. Oder die Wahl einer Rekordzahl an neuen Parlamentarierinnen im Oktober. «Das ist sicher auch ein Resultat des Frauenstreiks», so Funiciello. «Ja, es ist nachhaltig, und jetzt muss es weitergehen.»

Interview mit Tamara Funiciello, Nationalrätin SP. - Nau.ch

Politiker seien vom Frauenstreik angespornt, ermutigt und getragen, die Gleichstellung auch wirklich umzusetzen, sagt Bertschy. Denn, trotz Erfolgen, sei es wichtig, mit dem Frauenstreik darauf aufmerksam zu machen, dass der Verfassungsgrundsatz nicht umgesetzt sei. «Wir haben nach wie vor patriarchale Machtstrukturen und Gesetze, die die Gleichstellung der Geschlechter nicht ermöglichen».

Streiken am Sonntag, Demo trotz Corona

Daran zu erinnern sei heute nötig, auch wenn das Coronavirus dieses und andere Themen wie den Klimawandel vorübergehend verdrängt haben. Zudem funktioniere ein Frauenstreik auch gut am Sonntag, findet Funiciello. «Weil Frauen sehr viel unbezahlt arbeiten, ist es durchaus möglich, auch am Sonntag zu streiken.» Corona-bedingt gebe es aber sicher Einschränkungen; so soll unter anderem dieses Jahr einfach um 15:24 Lärm gemacht werden.

Frauenstreik 2019
Frauen sind unterwegs an einer Kundgebung zum nationalen Frauenstreik, am Freitag, 14. Juni 2019, in St. Gallen. - Keystone

Dass sie nicht in grosser Anzahl streiken könnten, sei vielleicht auch nicht unbedingt notwendig, findet Bertschy. Die Anliegen seien mit Nachdruck deponiert, jetzt sei die Politik gefordert. «Wir wollen ja nicht immer wieder streiken müssen», warnt Bertschy.

2021 erst recht wieder Frauenstreik

Genau das soll aber zumindest nächstes Jahr ebenfalls wieder so sein. Der Frauenstreik 2021 ist bereits beschlossene Sache, mit der Aussicht auf wieder grösseres Personenaufkommen. Nicht nur, weil bis dann wohl immer noch nicht ganz alle Forderungen erfüllt sein werden. Sondern aus feierlichem Anlass, beziehungswiese Anlässen.

«Nächstes Jahr sind 50 Jahre Jubiläum Frauenstimmrecht, 30 Jahre Jubiläum Frauenstreik – der erste, 1991», zählt Funiciello auf. Dazu auch noch 230 Jahre Erklärung der Frauenrechte. «Es gibt einiges zu feiern! Wir kommen wieder, wir sind sicher nicht weg.»

Interview mit Kathrin Bertschy, Nationalrätin GLP. - Nau.ch

Mehr zum Thema:

GLP Streik Nationalrat Gleichstellung Klimawandel Coronavirus Frauenstreik SP Tamara Funiciello