Doris Leuthard: Haben Strombedarf falsch berechnet
Die vormalige Energieministerin räumt ein, beim Atomausstieg hätten die Prognosen nicht gestimmt. Gegenüber neuen AKWs bleibt sie aber skeptisch.
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Das Wichtigste in Kürze
- Vor zehn Jahren habe man den Strombedarf bis 2035 falsch berechnet, sagt als Bundesrätin Doris Leuthard.
- «Schuld» seien die Rechenzentren, deren Wachstum man unterschätzt habe.
- «Niemand ist perfekt», rechtfertigt sie sich. Auch aktuell sieht sie aber keinen Grund, AKWs zu bewilligen.
Am 28. Februar entscheidet das Stimmvolk einmal mehr über die Zukunft der Atomenergie in der Schweiz: Soll das AKW-Neubau-Verbot von 2017 aufgehoben werden? Dagegen haben Links-Grün und Umweltverbände das Referendum eingereicht.
Doris Leuthard: «Das war ein Fehler»
Massgeblich beteiligt am Entscheid für den Atomausstieg war die damalige Energieministerin Doris Leuthard. Nun gesteht sie in einem neuen Interview aber ein: «Mit unseren Berechnungen des Strombedarfs ab 2035 waren wir viel zu bescheiden.»

Die ex-CVP-Bundesrätin macht ihr Eingeständnis im neuen Talkformat des früheren SRF-Moderators Stephan Klapproth. Dort räumt Leuthard ganz offen ein: «Das war ein Fehler oder ist eine andere Ausgangslage.»

Denn als Grund für die Fehlprognose nennt sie die stromfressenden Rechenzentren, von denen es damals nur wenige gegeben habe. «Dort ist der Bedarf heute viel grösser als das, womit wir gerechnet haben», so die Aargauerin.
Stimmvolk sagte 2017 Ja zum Atomausstieg
Der Atom-Ausstieg von 2017 stand unter dem Eindruck des Super-GAUs in Fukushima. Abklärungen mit Experten hätten gezeigt, dass Neubauten deutlich teurer würden und grössere Risiken mit sich brächten, erinnert sich Leuthard. Den Entscheid der Landesregierung scheint sie denn auch nicht zu bereuen: «Das Volk, Gottseidank, hat auch zugestimmt.»
Auch die Fehlprognose beim Strombedarf bereitet ihr offenbar keine schlaflosen Nächte. Es gehöre zur Regierungstätigkeit dazu, auch mal dazuzulernen und sagen zu können: «Das war vielleicht falsch, aber in der damaligen Zeit richtig. Niemand ist perfekt.»
… und heute?
Dennoch, wendet Talkmaster Stefan Klapproth ein, gebe es ja Stimmen, die ihr den damaligen Entscheid als Fehler zum Vorwurf machten. Würde Doris Leuthard denn heute anders entscheiden und den Neubau von AKWs befürworten?
Nicht ganz – doch Leuthard gibt sich offen.
So sagt sie einerseits: «Im Moment sehe ich nicht eine technische Entwicklung, die weniger kostet oder weniger Risiken beinhaltet. Darums gibt es ja unter den heutigen AKW-Betreibern keinen einzigen, der das bauen würde.» Und wenn selbst die Betreiber das sagten…

Andererseits will sie gegenüber neuen Technologien offenbleiben. So habe sie ihren Nach-Nachfolger Albert Rösti auf ein Forschungsprojekt in Kanada hingewiesen: Dort versucht man, nuklearen Abfall so aufzubereiten, dass aus ihm wieder Energie gewonnen werden kann. «Wenn das klappen würde, wäre das genial», so Leuthard mit leuchtenden Augen.
Denn für die Lagerung des Atommülls habe man zehn Milliarden Franken beiseitegelegt. «Wenn man das statt verlochen wiederaufbereiten könnte, wäre das gescheit», schmunzelt die alt Bundesrätin. Das kanadische Projekt sei aber erst in der Versuchsphase und noch nicht spruchreif, betont Leuthard.
Immerhin wäre es ja auch möglich, dass kanadische Berechnungen und Prognosen falsch liegen. Oder, um es mit Doris Leuthard zu sagen: «Niemand ist perfekt.»












