Kunstmuseum Bern beleuchtet den Aufbruch in drei Künstlerkolonien
Mehr Freiheit, neue Lebensformen, zurück zur Natur: Zwischen 1830 und 1930 zog es Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa an die Ränder des Kontinents. In seiner neuen Ausstellung beleuchtet das Kunstmuseum Bern das Schaffen in drei Künstlerkolonien.

Zwischen 1830 und 1930 kehrten zahlreiche europäische Kunstschaffende den industrialisierten Grossstädten den Rücken. Auf der Suche nach einem naturnahen Dasein jenseits bürgerlicher Konventionen reisten sie an abgelegene Orte: auf die italienische Felseninsel Capri, in das dänische Fischerdorf Skagen und auf den Tessiner Monte Verità.
Fernab starrer gesellschaftlicher Kontrolle boten diese Zufluchtsorte Raum, um Frauenemanzipation, queere Identität, freiere Sexualität und neue Formen des Zusammenlebens zu erproben, wie das Kunstmuseum Bern in einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt.
Die Schau vereint rund 60 Werke, von denen viele erstmals in der Schweiz zu sehen sind. Vertreten sind unter anderem Arbeiten von Gustav Gräser, Alexej von Jawlensky oder Marianne von Werefkin.
Dabei zeichnen die von Livia Wermuth und Andreas Schwab kuratierten Räume ein ungeschöntes Bild der damaligen Aufbrüche. Neben lichtdurchfluteten Landschaften und Darstellungen idealisierter Lebensfreude stehen naturalistische Zeugnisse des harten Alltags der lokalen Bevölkerung.
Fischer, die auf stürmischer See ihr Leben riskierten, sowie Darstellungen von Armut verdeutlichen den Kontrast zwischen bürgerlicher Aussteiger-Romantik und prekärer Realität vor Ort.
Während Capri als sonnenverwöhnter Sehnsuchtsort für Rausch und Antike stand, faszinierte die raue Nordspitze Dänemarks mit ihrer ungebändigten Natur und ungefilterten Echtheit.
Der Monte Verità wiederum bildete um 1900 die Bühne der Lebensreform, deren Suche nach radikaler Gemeinschaft sich in farbintensiven und expressionistischen Bildern manifestierte.
Zu den nun in Bern ausgestellten Künstlern gehört auch der Tessiner Maler Filippo Franzoni (1857-1911), der sich zwischen 1903 und 1906 auf dem Monte Verità aufhielt. Sein Umgang mit der dortigen Naturistenkolonie prägte sein Spätwerk, wie aus dem historischen Lexikon der Schweiz hervorgeht.
Die Ausstellung ist vom 30. Oktober 2026 bis zum 31. Januar 2027 zu sehen.






