Die drei Kandidatinnen fürs SP-Bundesrats-Ticket sind auf Tour durch die Schweiz. Nau.ch hat sie zum Interview getroffen.
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Die drei Bundesratskandidatinnen der SP gestern im Neubad Luzern (v.l.n.r.): Eva Herzog, Elisabeth Baume-Schneider und Evi Allemann. - Keystone
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die SP veranstaltet öffentliche Hearings mit ihren Bundesratskandidatinnen.
  • Eva Herzog, Evi Allemann und Elisabeth Baume-Schneider stehen Nau.ch Rede und Antwort.
  • Sie kritisieren sich gegenseitig nur subtil.

Schon am Samstag ist es so weit: Die SP-Fraktion bestimmt, wer auf ihr Frauen-Zweierticket für die Bundesratswahl kommt. Eine dieser beiden Personen wird ziemlich sicher Bundesrätin und damit Nachfolgerin von Simonetta Sommaruga. Auf einer Roadshow mit vier öffentlichen Hearings präsentieren sich die drei Kandidatinnen der Bevölkerung.

Wer soll Sommaruga im Bundesrat ersetzen?

Nau.ch war beim ersten Hearing, im Luzerner Neubad, mit dabei. Im Interview sagen Eva Herzog, Evi Allemann und Elisabeth Baume-Schneider, was an ihnen derart speziell ist – oder eben nicht.

Eva Herzog: Die Topfavoritin

Die Basler Ständerätin Eva Herzog gilt als breit akzeptiert und für andere Parteien wählbar. Sie macht im Interview auch den abgeklärtesten Eindruck. Ist sie vielleicht die bürgerlichste im SP-Kandidaten-Trio? Solches weist sie vehement von sich: «Ich wäre in einer anderen Partei, wenn ich bürgerlich wäre.»

Interview mit SP-Ständerätin Eva Herzog zu ihrer Bundesrats-Kandidatur. - Nau.ch

Dass diese Frage überhaupt gestellt werde, liege wohl daran, dass sie immer die Haltung habe, eine Lösung zu finden. «Deshalb wäre gerne wieder in so einem Exekutiv-Amt, würde gerne wieder die Lösungen suchen.»

Bundesrat: «Das spannendste Mandat, das man haben kann»

Die jetzige Top-Favoritin hat sich allerdings 2010 schon einmal als SP-Kandidatin für den Bundesrat beworben. Damals ging sie sang- und klanglos unter. Eva Herzog Version 2022 unterscheide sich von Version 2010 vor allem durch eines: «Viel mehr politische Erfahrung, natürlich, viel mehr. Der Rucksack ist ein anderer jetzt.»

Herzog Allemann Baume-Schneider Bundesratswahl
Die SP-Bundesratskandidatinnen Eva Herzog, Evi Allemann und Elisabeth Baume-Schneider (v.l.n.r), während dem öffentlichen Hearing im Neubad Luzern. - Keystone

Vielleicht auch mehr als die anderen beiden – aber sich selbst im Kandidatinnen-Vergleich hervorzuheben, das liegt den SP-Frauen nicht. Kein Wort zur Marxisten-Vergangenheit von Baume-Schneider oder der linksliberalen Allemann. Kategorisierungen wie «bürgerlich» oder «linksaussen» passen für Herzog eh nicht. Hauptsache Lösungen finden, und solche sucht der Bundesrat en masse: «Es ist das spannendste Mandat, das man haben kann.»

Evi Allemann: Die Entspannte

Etwa gleich viele Jahre Erfahrung als Regierungsrätin und Bundesparlamentarierin hat die 17 Jahre jüngere Evi Allemann vorzuweisen. Sie verspürrt offenbar keine Spannung, sondern es «gluschtet» sie einfach, im Bundesrat einen Beitrag zu leisten. Sie hätte da noch ein paar Ideen.

Interview mit SP-Regierungsrätin Evi Allemann zu ihrer Bundesrats-Kandidatur. - Nau.ch

Auch sonst reagiert die Bernerin sehr entspannt auf mögliche Hindernisse auf dem Weg in die Landesregierung. Ihr könnte nicht nur die parteiinterne Konkurrenz im Wege stehen, sondern auch diejenige der SVP: Wenn Albert Rösti kurz zuvor in den Bundesrat gewählt wird. Zwei Berner, nein danke, mag sich mancher sagen, doch Allemann findet: «Die Kantonsfrage stellt sich heutzutage nicht mehr so intensiv wie früher.»

«Sonst hat es halt nicht sollen sein»

Klar sei es wichtig, dass die verschiedenen Regionen im Bundesrat vertreten seien. «Aber es ist auch wichtig, dass die verschiedenen Geschlechter ausgewogen vertreten sind. Dass – aus meiner Sicht – verschiedene Generationen in diesem Gremium Einzug halten.» Zum Beispiel, aber das sagt sie wiederum nicht, eine Mutter mit schulpflichtigen Kindern statt einer alten, weisen Frau.

Evi Allemann jüngste Nationalrätin
Evi Allemann freut sich 2003 über die Wahl in den Nationalrat, wo sie mit 25 Jahren jüngstes Ratsmitglied war. - Keystone

Als frühere Nationalrätin wisse sie aber: «Der Rest ist Kaffeesatz-Lesen.» Es kommt, wie es kommen muss, Hauptsache sich selber bleiben. Wenn die anderen einen mögen, dann klappt es auch mit dem Bundesrat. «Und sonst hat es halt nicht sollen sein.»

Elisabeth Baume-Schneider: Das nette Grosi von nebenan

Die Dritte im Bunde hat, wie Allemann, eigentlich nur eine Chance, wenn Eva Herzog nicht mit auf dem Ticket ist. Die Jurassierin Elisabeth Baume-Schneider hat als Romande schlechte Karten, auch wenn sie mit ihrer Art sehr landesmütterlich daherkommt. Sie wirkt wie das nette Grosi von nebenan, was offenbar nicht mal so falsch ist: Ihre Hobbies sind Kochen und Stricken.

Interview mit SP-Ständerätin Elisabeth Baume-Schneider zu ihrer Bundesrats-Kandidatur. - Nau.ch

Sie sagt auch Sätze wie: «Man muss den Leuten zuhören und den Dialog besser organisieren, damit die Leute wieder Vertrauen in die Politik haben.» Was aber nicht als Kritik am Pandemie-Management des Bundesrats verstanden sein soll, im Gegenteil. Alain Berset, der Bundesrat und die Kantone hätten das sehr gut gemacht. Aber: «Jetzt mit der Energiekrise muss man dies erneut tun und es wird wohl noch einmal schwieriger.»

Baustellen? Was für Baustellen?

Was wiederum keine Kritik an der abtretenden Simonetta Sommaruga ist. Wie auch die anderen beiden Kandidatinnen will auch Baume-Schneider nichts von zurückgelassenen Baustellen im UVEK wissen. Es sei immer leicht, es besser machen zu wollen. Aber man müsse mit den Leuten reden, mit der Verwaltung, wohl um sich ein Bild zu machen.

Elisabeth Baume-Schneider Juso
Elisabeth Baume-Schneider vor Beginn der Podiumsdiskussion während der Delegiertenversammlung der JUSO, am Samstag, 19. November 2022, in Basel. - Keystone

Nein, Elisabeth Baume-Schneider will vor allem Optimismus versprühen. «Ich finde es sehr wichtig, dass die Leute Hoffnung und Vertrauen haben können. Es ist immer wichtig, dass man morgens und abends voller Hoffnung sein kann.»

Einen kleinen Seitenhieb kann sie sich dennoch nicht verkneifen: Sie sei immerhin auch Direktorin einer Fachhochschule gewesen. Erfahrung aus ausserhalb der Politik sei wichtig. «Nicht so, wie die anderen beiden» – das sagt sie wiederum nicht.

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