Cryptoleaks: Das ist die Situation in der Schweiz

    Christof Vuille
    Christof Vuille

    Bern,

    Wie detailliert wusste die Schweiz, dass eine Zuger Firma Chiffriergeräte mit Hintertür für die USA verkauften? Ein alter Fall gibt in Bundesbern neu zu reden.

    Flagge Schweiz
    Das Verteidigungsdepartement holt sich externe Expertise für seine wichtigsten Beschaffungsprojekte. (Symbolbild) - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein Verschlüsselungsgerät einer Schweizer Firma liess die USA geheime Gespräche mithören.
    • Medien auf der ganzen Welt rollen den Fall nun neu auf – und sorgen für Nervosität.
    • Schweizer Politiker fordern Aufklärung. Doch wie brisant ist der Fall wirklich?

    Die Affäre tönt nach einem Spionage-Thriller aus den 80er-Jahren. Doch es ist die unglaubliche Wahrheit. Über Jahrzehnte verkaufte die Zuger Firma Crypto AG Chiffriergeräte in die halbe Welt.

    Diese waren mit einer Hintertür versehen – Schlapphüte in den USA und Deutschland lasen geheime Kommunikation anderer Staaten mit. Ein Skandal. Auch einer für die schweizerische Regierung?

    Vorwürfe sind seit Jahren bekannt

    Gemäss Dokumenten, die der «Washington Post» vorliegen, wussten hochrangige Beamte im Schweizer Nachrichtendienst Bescheid. Auch «Schlüsselpersonen» in der schweizerischen Regierung seien informiert gewesen.

    Crypto Hacker
    Über die Zuger Firma Crypto sollen ausländische Geheimdienste Staaten abgehört haben. Der Bundesrat hat aufgrund von Recherchen der «Rundschau» eine Untersuchung veranlasst. (Symbolbild) - sda - KEYSTONE/GAETAN BALLY

    Obwohl die Story nicht wirklich neu ist – der «infosperber» oder die «Aargauer Zeitung» etwa schrieben bereits 2015 ausführlich darüber –zeigen sich Schweizer Politiker nun alarmiert. Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli fordert gegenüber «SRF» gar eine Parlamentarische Untersuchungskommisson (PUK).

    Balthasar Glättli
    Der Zürcher Grünen-Nationalrat Balthasar-Glättli. - Keystone

    Das mögliche Mitwissen der Schweiz unterminiere deren guten Dienste in der ganzen Welt. «Das ruft nach Aufklärung. Und ich glaube kaum, dass das anders passieren kann als durch eine parlamentarische Untersuchungskommission», so Glättli.

    Auch bürgerliche wollen die Spionage-Affäre unter die Lupe nehmen. FDP-Ständerat Thierry Burkart fordert via Twitter eine «schonungslose Aufklärung».

    Ob es parlamentarischen Handlungsbedarf gebe, werde man erst später abschätzen können.

    Kalter Kaffee oder Gefahr für die Schweiz?

    Gemäss den Online-Medien der TX-Group diskutierte der Bundesrat in den letzten Monaten «mindestens dreimal» über die Crypto-Affäre. Mit dem ehemaligen Bundesrichter Niklaus Oberholzer (66) wurde gar ein Untersuchungsbeauftragter eingestellt.

    Auch wenn die Grund-Geschichte längst bekannt ist: Durch den neu entwickelten medialen Druck dürften einige aktuelle und vor allem ehemalige Politiker nervös werden. Wie grosse Kreise die Affäre noch zieht – und ob die Schweiz einen Schaden davon trägt – dürften die nächsten Tage und Wochen zeigen.

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